ACS nimmt bei Hochtief 30-Prozent-Hürde

4. Jänner 2011, 14:29
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Mit einem Anteil von über 30 Prozent kann ACS über die Börse in Ruhe Hochtief-Aktien zukaufen und sich so die Mehrheit sichern

Düsseldorf - Im Kampf um Deutschlands größten Baukonzern Hochtief hat der Angreifer ACS eine entscheidende Hürde genommen. Mit seinem feindlichen Übernahmeangebot sicherte sich der spanische Infrastrukturkonzern mehr als 30 Prozent der Hochtief-Anteile und muss damit kein teures Pflichtangebot vorlegen, um die Kontrolle über das Essener Traditionsunternehmen zu erlangen. Stattdessen kann ACS weitere Aktien in Ruhe an der Börse zukaufen. Nach Einschätzung von Branchenexperten hat Hochtief kaum noch Abwehrchancen gegen den ungeliebten Großaktionär. ACS erklärte am Dienstag, der nun erlangte Anteil von 30,24 Prozent solle bis Anfang Februar in trockenen Tüchern sein.

ACS-Chef Florentino Perez, zugleich Chef des Fußballclubs Real Madrid, will nach eigenen Angaben den weltweit führenden Infrastrukturkonzern schmieden. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter und der Gesamtbetriebsrat fürchten indes, dass ACS das Essener Unternehmen zerschlagen könnte. Wenn der rund 9 Mrd. Euro verschuldete spanische Konzern die Mehrheit erringt, kann er Hochtief in seine Bücher nehmen und so seine Schuldenlast drücken.

"Bis zum Ende der ersten Annahmefrist des freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots für Hochtief am 29. Dezember 2010 wurden ACS 2,375.523 Hochtief-Aktien angedient", teilten die Spanier mit. Dies entspreche einem Anteil von rund 3,09 Prozent des Hochtief-Grundkapitals. ACS selbst hatte zuletzt 27,25 Prozent der Hochtief-Aktien gehalten. Hätten die Spanier die 30-Prozent-Hürde nicht mit ihrem freiwilligen Offert überwunden, so wären sie beim Überschreiten dieser Schwelle zu einem Angebot verpflichtet gewesen, dessen Preis sich nach dem verhältnismäßig hohen Durchschnittskurs der Hochtief-Aktie in der jüngsten Zeit gerichtet hätte. ACS war 2007 bei Hochtief eingestiegen und hatte am 1. Dezember 2010 das Übernahmeoffert vorgelegt.

Annahme

Bis Ende Jänner können die Hochtief-Anteilseigner nun allerdings noch überlegen, ob sie das ACS-Offert tatsächlich annehmen. "ACS geht davon aus, dass das gesamte Angebotsverfahren Anfang Februar 2011 abgeschlossen sein wird", kündigte der Konzern an. Ein Hochtief-Sprecher sagte, das Unternehmen warte ab, bis Klarheit über den Ausgang des Übernahmeangebots herrsche.

Eine Schlüsselrolle bei dem ACS-Offert spielte ein Aktionär, der sowohl bei dem spanischen Konzern als auch bei Hochtief engagiert ist: Der US-Finanzinvestor Southeastern Asset Management. Dieser hatte angekündigt, ACS "ungefähr" zwei Millionen seiner Hochtief-Aktien andienen zu wollen - ACS hatte damit fast alle benötigten Aktien in der Tasche. In der Essener Konzernzentrale wird schon länger spekuliert, ob sich ACS und Southeastern rechtswidrig abgesprochen haben könnten. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin wollte dazu keine Stellung nehmen abgeben. Analysten der DZ-Bank zeigten sich skeptisch: Sie würden nicht darauf wetten, dass die BaFin eingreife, erklärten sie.

Keine Nachbesserung

Eines sei nun aber klar: ACS werde sein Übernahmeoffert nicht mehr nachbessern müssen, hieß es bei der DZ-Bank weiter. ACS hatte zunächst acht eigene Aktien für je fünf Hochtief-Aktien geboten, das Offert dann aber auf neun eigene Aktien aufgestockt. Eine Hochtief-Aktie wird damit mit rund 64 Euro bewertet. Bei den Aktien des Essener Konzern sei nun "die Luft raus", sagte Marktanalyst Heino Ruland. Die Anteilsscheine zählten mit einem Minus von gut einem Prozent auf 63,50 Euro zu den größten Verlierern im MDax. In Madrid gaben auch die ACS-Anteilsscheine nach.

Die deutsche Bauindustrie sieht ACS bei Hochtief noch nicht am Ziel. "Die Schlacht ist noch nicht verloren", sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes HDB, Michael Knipper. zu Reuters. ACS habe nur eine Zwischenetappe erreicht. Möglicherweise könnten die verbliebenen Hochtief-Aktionäre eine Sperrminorität von mehr als 25 Prozent bilden. Hochtief hatte im Dezember das Emirat Katar als Aktionär an Bord geholt - das ACS die Stirn bieten oder auch zwischen den zerstrittenen Rivalen vermitteln könnte. Denn zwischen ACS und dem Essener Management ist in den vergangenen Wochen viel Porzellan zerschlagen worden. Hochtief-Chef Lütkestratkötter hatte den Aktionären empfohlen, das ACS-Offert nicht anzunehmen. Sichert sich Perez nun in der Nachspielzeit die Macht in Essen, dürfte auch Lütekstratkötter um seinen Posten zittern müssen. (APA/Reuters)

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