Die Seefahrt ist wesentlich älter als gedacht

3. Jänner 2011, 20:47
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Archäologen bargen auf Kreta über 130.000 Jahre alte Steinwerkzeuge, die Insel ist aber seit fünf Millionen Jahren vom Festland getrennt

Athen - Auf der griechischen Insel Kreta haben Archäologen Hinweise dafür entdeckt, dass der Mensch möglicherweise wesentlich früher als bisher angenommen zur See gefahren ist: Ein Team griechischer und US-Archäologen fand an der Südküste der Mittelmeerinsel mindestens 130.000 Jahre alte Steinwerkzeuge.

Damit stellen die Funde das möglicherweise weltweit älteste Anzeichen für die frühe Seefahrt dar, denn Kreta ist bereits seit fünf Millionen Jahren vom Festland getrennt; wer immer die Werkzeuge hergestellt hat, müsste eine mindestens 65 Kilometer lange Seereise bewältigt haben. Die bisher ältesten Zeugnisse einer Seereise sind rund 60.000 Jahre alt. Als früheste auf eine griechische Inseln vorgenommene Seereise galt eine Überfahrt vor 11.000 Jahren.

"Die Funde beweisen nicht nur, dass es im Mittelmeer zehntausende Jahre früher Seefahrt gab als bisher bekannt war, sondern sie verändern auch die Kenntnisse über die kognitiven Fähigkeiten des frühen Menschen", erklärte das griechische Kulturministerium am Montag. Die Werkzeuge stammen aus Höhlen in den Regionen von Plakia und Preveli und wurden bereits 2008 und 2009 geborgen; nun wollen die Forscher an den entsprechenden Stellen weitere Ausgrabungen durchführen, hieß es.

Seefahrer aus Afrika oder dem Osten?

Form und Art der Steinwerkzeuge weisen darauf hin, dass sie von Vertretern der Hominidenarten Homo heidelbergensis und Homo erectus hergestellt wurden, so die Archäologen. Woher die Urheber der Werkzeuge stammten, sei noch völlig unklar. "Sie könnten aus Afrika gekommen sein, aber auch ebensogut aus dem Osten," erklärte die Archäologin Maria Vlazaki. "Zukünftige Untersuchungen sollten dies klären."

Eigentlich hatte das Team griechischer Archäologen gemeinsam mit Archäologen des Athener US-Instituts für klassische Studien im Südwesten von Kreta nach Überresten einer steinzeitlichen Siedlung aus dem Jahre 10.000 vor der Zeitrechung gesucht. Bisher ist eine menschliche Besiedlung der Insel nur bis zum Neolithikum nachgewiesen, das bis 7.000 vor unserer Zeitrechnung reichte. Die nun gefundenen Werkzeuge könnte nach Angaben des Ministeriums jedoch zwischen 130.000 Jahre bis sogar zu 700.000 Jahre alt sein. (red/APA)

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    Die Archäologen schließen von den über 130.000 Jahre alten Steinwerkzeugen auf frühe seefahrerische Fähigkeiten ihrer Hersteller.

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