Frühe Last der schweren Geburt

3. Jänner 2011, 21:00
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Babygewicht weist auf Arbeitsteilung bei frühe Vorfahren des modernen Menschen hin

Boston/Washington - Heutige Menschenkinder bringen mit ihren drei bis vier Kilo bei der Geburt rund sechs Prozent des Gewichts ihrer Mütter auf die Waage. Bei den Neugeborenen von Schimpansen beträgt das Verhältnis hingegen gerade einmal drei Prozent.

Forscher argumentieren, dass die Entwicklung eines vergleichsweise höheren Geburtsgewichts mit der Entwicklung des aufrechten Gang des Menschen sowie der Fürsorge anderer Familienmitglieder für das Baby einhergegangen sein muss. Doch wann in der Evolution unserer Vorfahren ist diese relative Gewichtszunahme passiert? Und wodurch war sie bedingt?

Eben diesen Fragen ist nun der US-amerikanische Forscher Jeremy DeSilva vom Department für Archäologie der Boston University nachgegangen. Er fand nach Untersuchungen verschiedener Vormenschenknochen heraus, dass bereits frühe Vorfahren des modernen Menschen im Vergleich zu Menschenaffen größere und schwerere Babys auf die Welt gebracht haben dürften.

Der Paläoanthropologe leitet aus seiner Entdeckung aber auch noch eine andere interessante Schlussfolgerung ab: Ebenfalls bereits früher als bisher angenommen dürfte es eine Arbeitsteilung beim Großziehen der Kinder gegeben haben. Denn größere Kinder auf die Welt zu bringen erfordert Veränderungen in den Geburtstechniken, im Energiehaushalt und bei Bewegungen, schreibt DeSilva. Es entstehen dadurch auch höhere Ansprüche, sich um den Nachwuchs zu kümmern.

"Moderner" Australopithecus

DeSilva hat sich für seine Untersuchung, die im Fachblatt PNAS veröffentlicht wurde, unter anderem Knochenteile von Oberschenkeln und Fußknöcheln der Gattung Australopithecus ausgewertet, ein Hominidenart, die sich vor rund vier Millionen Jahren entwickelte. Laut seinen Berechnungen könnten die Australopithecus-Babys fünf Prozent des mütterlichen Gewichts gewogen haben - und damit mehr als Affenkinder und etwas weniger als heutige Menschenbabys.

Die Gattung Ardipithecus hingegen, die etwa 4,4 Millionen Jahre alt ist, brachte vermutlich Kinder zur Welt, deren Geburtsgewicht wohl noch mit dem von Affen vergleichbar war. (APA, tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 04.01.2011)

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