Zwischen Pest und Cholera

3. Jänner 2011, 18:24
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Für Premier Yousuf Reza Gilani tickt die Uhr, wenn er keine sicheren neuen (oder alten) Mehrheiten findet

Für Pakistan kommt es immer nur noch schlimmer. Dem von den sieben Plagen heimgesuchten Land - von Armut und Korruption über Krieg und Terrorismus bis zu Naturkatastrophen - fehlt nun eine handlungsfähige Regierung. Eine weitere Koalitionspartei ist abgesprungen. Der langsame Zerfall dieser Regierung ist auch deshalb so tragisch, weil Pakistan mit der Abkehr von der Militärdiktatur und einer Verfassungsreform erst vor kurzem auf den demokratischen Weg zurückgekehrt ist.

Für Premier Yousuf Reza Gilani tickt die Uhr, wenn er keine sicheren neuen (oder alten) Mehrheiten findet. Absurderweise wird ihm die katastrophale Lage Pakistans sogar eher helfen, seinen Job zu behalten: Diesen Laden will niemand übernehmen. Der stärkste Rivale der regierenden Pakistans Peoples Party (PPP), Oppositionsführer Nawaz Sharif, steht außerdem relativ isoliert da und hätte ebenso Probleme, eine tragfähige Koalition zu zimmern.

Präsident Asif Ali Zardari, mit dem Gilani zuletzt um Sachfragen stritt, stärkt diesem nun den Rücken - aber beide sind erpressbar. Sie haben die Wahl zwischen Pest und Cholera: Nimmt Gilani etwa die Benzinpreiserhöhungen zurück, wie es die ausgetretene Partei MQM fordert, so kommt er bereits in Konflikt mit den Auflagen des Internationalen Währungsfonds für seine Kredite. Dabei ist die Streichung der Benzinpreis-Stützung nur ein kleiner Teil des wirtschaftlichen Reformprogramms, das Pakistan retten soll - an dem jedoch zuerst einmal die Regierung zerbricht. (Gudrun Harrer, STANDARD-Printausgabe, 04.01.2011)

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