Mit Familiensegen in die Selbstständigkeit

3. Jänner 2011, 17:47
  • Keinen Erfolg hatte Dietmar Spöcker dabei, einen angemessenen Job im 
Medienbereich zu finden. Der Sprung in die Selbstständigkeit war die 
Folge.
    foto: h. wakolbinger

    Keinen Erfolg hatte Dietmar Spöcker dabei, einen angemessenen Job im Medienbereich zu finden. Der Sprung in die Selbstständigkeit war die Folge.

Der Oberösterreicher Dietmar Spöcker ging einen für Zeitungsleute nicht untypischen Weg

Der Oberösterreicher Dietmar Spöcker ging einen für Zeitungsleute nicht untypischen Weg: vom Journalisten zum Pressesprecher zum selbstständigen PR-Berater, erzählte er Markus Rohrhofer.

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"Kos. Griechische Insel, Urlaubsparadies meiner Familie - der Ort, an dem ich mit 43 Jahren selbstständig wurde. Nein, ich habe im heurigen Sommer keine Taverne eröffnet. Und doch passierte im fernen Griechenland - ganz ohne persönliche Krise - eine entscheidende berufliche Weichenstellung. Seit geraumer Zeit war mir klar: 'Es ist Zeit für Veränderung'. 14 Jahre im Journalismus, anschließend fünf Jahre als Pressesprecher der oberösterreichischen Grünen. Viel zu wenig Zeit für die Familie, viel zu viel Zeit als Pendler zwischen Aigen-Schlägl und Linz täglich im Zug.

Zunächst aber noch kein Gedanke in Richtung Selbstständigkeit. Das Sicherheitsdenken überwiegt, eine fixe Anstellung im Medienbereich sollte es sein. Auf die Bewerbungen folgt die Ernüchterung: Jobs teilweise mit einem Gehalt in der Höhe von 1500 Euro - brutto. Bitte, ich habe zwei schulpflichtige Kinder, ein Haus gebaut. Davon kann man nur schwer leben. Zart keimt der Gedanke 'Warum eigentlich nicht eine Firma gründen?'. Es folgt ein erstes, vorsichtiges Gespräch mit Elisabeth. Meine Frau ist HAK-Lehrerin - quasi das personifizierte Sicherheitsdenken. Da habe ich gewusst, es braucht noch viel an Überzeugungsarbeit. Oder ich verwerfe meine Pläne - Selbstständigkeit nur mit dem Sanktus meiner Familie, das war immer klar.

Kos, Sommer 2010: Zeit für intensive Gespräche mit meiner Frau, mit den Kindern. Dann der gemeinsame Entschluss, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Eine für mich völlig neue Situation: Selbstständig - ständig ich selbst sein. O.k., damit habe ich wenig Probleme. Ich mag mich, so wie ich bin. Dann die besorgten Aussagen von Freunden: Selbstständig sein heißt, selbst ständig zu arbeiten. Doch die Euphorie überwiegt, Angst ist ein schlechter Ratgeber.

Erstaunlich, wie unkompliziert alles läuft: Beratung bei der Wirtschaftskammer, Gewerbe anmelden. Ich nehme mir viel Zeit für die Vorbereitung, richte mir in meinem Haus ein Büro ein, entwickle meine Website, entwerfe ein Logo und Visitenkarten, lasse Fotos von mir machen, überlege mir einen Businessplan - und übersehe dabei Entscheidendes: Die Chance auf eine Jungunternehmerförderung wird Opfer meiner Unwissenheit. Als orientierungsloser Neuling ist es im Förderdschungel eben hart.

Es ist vollbracht: Ich bin "Spöcker Communications" - bereit, meinen reichen Erfahrungsschatz zu teilen. Presseaussendungen, Pressekonferenzen, Kundenmagazine, Medienseminare - was immer der Kunde wünscht.

Kunden beißen nicht gleich an

Doch zunächst ziert sich der Kunde. Ich beschließe, meine One-Man-Show auch der virtuellen Welt nicht vorzuenthalten - und werde bei Xing so richtig aktiv, allen voran bei der Xing-Gruppe Wels & friends, die mit knapp 6000 Mitgliedern mittlerweile die zweitgrößte Xing-Gruppe Österreichs ist. Und ich bemerke zu meiner Freude: Soziale Kontakte im Internet werden nicht nur am PC gepflegt. Regelmäßige monatliche Treffen in Wels sind das Herzstück der Gruppe.

Dies hat mir meine ersten Kunden beschert. Es fließt erstes Geld in die Firmenkasse, was vor allem auch meine Frau sichtlich beruhigt. Monatlich so zwischen 2000 und 3000 Euro netto sind das Ziel, noch bin ich aber noch nicht dort. Aber eines ist klar: Ich will auch künftig eine One-Man-Show bleiben. Partner wie Werbeagenturen, Grafiker, Web-Designer natürlich - aber keine fixen Angestellten. Es ist mein Weg, den ich jetzt allein gehe. An ein Scheitern denke ich nicht - warum auch? 'Es ist, was es ist', sagte Erich Fried. 'Ich weiß, was ich kann', sage ich." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.1.2011)

DIETMAR SPÖCKER, geboren 1966 in Wels, hat sich im Vorjahr mit einer Agentur für oberöste- reichische Firmen selbstständig gemacht.

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Berater sein, heißt "g'scheit reden" und dafür ohne Risiko und meßbare Erfolgskriterien Geld zu bekommen

Also praktisch Politiker ohne Festanstellung ...

Neidisch? Weil SIE am Markt weniger Wert sind? Haben's selbst nichts Brauchbares anzubieten, für das irgendwer zu zahlen bereit wäre?

Falls SIe jemals in die Lage kommen, Verträge - auch mit Beratern - verhandeln zu dürfen, können Sie ja messbare Erfolgskriterien vereinbaren. Berater machen da gerne mit.

Das funktioniert nur, wenn ein Partner einen sicheren, ab besten pragmatisierten, Job hat und die Fixkosten immer bezahlt werden können

Oder wenn man sich nicht vor Angst so verkrümmt, dass man nicht mehr denken kann.

Einen Mangel an Mut beobachtet man selten bei Jungunternehmern, dafür häufig einen Mangel an Liquidität, der die Leute bei den kleinsten Problemen wie ein nichtzahlender Kunde oder ein kleiner Rechtstreit in die Zahlungunfähigkeit treibt, zumal oft auch kein Eigenkapital vorhanden ist.

Ich selbst bevorzuge die Kombi einer Teilzeitanstellung zur sozialen Absicherung und für den ersten Tausender zum Überleben, den zweiten und den dritten hole ich mir als Selbständiger.

So hab ich auch angefangen - halt ich auch für sinnvoll. Irgendwann kommt aber der Punkt (sofern eines oder beide - Angestellt und/ oder selbstständig - anspruchsvollere Jobs sind), wo es nötig ist, sich zu entscheiden, weil man sonst nicht weiter kommt, und sich aufreibt, ohne das Potenzial zu nutzen. Bei mir war's nach zwei Jahren so, dass es zu viele Kollisionen (Priorisierung) gsb, und ich mich entscheiden musste, welches von beiden ich richtig mache.

Funktionieren muß es, und ich bin jederzeit bereit, meine Strategie anzupassen, wenn die Umstände es erfordern.

Ich habe so angefangen, dann war ich 10 Jahre Vollzeit selbständig und seit der Familiengründung arbeite ich wieder in ähnlichen Kombi wie zuvor.

Der wesentliche Punkt ist das Erkennen der optimalen Strategie für die jeweilige Lebenssituation unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren.

Stimmt.

Super, Dietmar! Es gibt wohl keine bessere Visitenkarte für einen PR-Berater als einen langen Artikel im Standard. Viel Glück!

was für ein held

bin schon gespannt, ob in dieser serie auch einer der tausenden konkursler auftritt, der in die ich ag getrieben wurde, oder ob es bei den romantischen märchen, entsprungen aus dem neoliberalen weltbild bleibt...

ach, die

die sollen sich schnellstens beim orf melden und die supi-friseuse wird sie schwuppsdi elegant in finanzielle höhen befördern: ein bisserl neue farbe, ein neues styling und schon läuft der laden...oder so irgendwie...

was machen sie?

waere spannend zu erfahren
denke sie haben keine ahnung was neoliberal ist:

http://www.ortneronline.at/?page_id=163

"was machen sie?"

wüsste nicht, was sie das angeht.
und den link zur ortner'schen kasperlpost können sie auch behalten.

das was micht interessiert : was macht spöcker nun wirklich ? was arbeitet er ? was ist sein handwerk ?

Steht ja eh im Artikel.

Na so schwer ist, das auch nicht, das rauszufinden.

http://lmgtfy.com/?q=%C3%B6... rbeit+wiki

Ein Land ist immer nur so gut, wie die Summe der Aktivitäten ist. Daher Gratulation zur Selbständigkeit. Möge die Übung gelingen.

Ein Held

für Wayne.

Nur weil er ein Grüner ist bekommt er also Gratiswerbung.
Dabei scheint er einfach nur ein durchschnittlich unfähiger neuer Berater zu sein.
Acquise über XING?
Hat er keine eigenen Netzwerke, kein eigenes Marketing, keine echte Kundenkontakte?
Anfänger, obwohl er so lange einen Job in diesem Markt gehabt hat?
Wird wohl bald ein Marketingfall für das bedingungslose Grundeinkommen sein oder seiner Frau auf der Tasche liegen.
Der sollte erst ein paar Arbeitsplätze schaffen und sich ein paar Jahre behauptet haben bevor er als "Modellfall" präsentiert wird.

Gratis...

...werbung bekommt er, weil er augenscheinlich ein guter PR-Berater ist und sich und hoffentlich auch seine zukünftigen Kunden gut in Szene setzen kann.

Dies zum Thema Marketing, Netzwerke etc.

Denken, sonst wird man von der Realität überholt.

Gratis PR

bekommt er, weil der Standard für Grüne dies macht, nicht weil er gut ist.
Ist eben die grüne Variante der phösen Seilschaften.

Ist...

... doch egal warum er Gratis-PR bekommt. Hauptsache gratis und wirksam.

Was machen SIe selbst beruflich?

Geht Sie zwar wenig an

aber ich bin Geschäftsführer einer, von mir aufgebauten, Firma mit knapp 30 Mitarbeitern.
Weit weg von der Beraterbranche.

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