Komorowski: Bedingungen für Landung nicht geeignet

3. Jänner 2011, 16:18
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Kritik an polnischem Präsidenten für Aussage zu Flugzeugabsturz - Komorowski nannte Landeversuch bei schlechtem Wetter Hauptursache - Opposition bezeichnet Staatschef als "Sprecher Russlands"

Warschau - Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski hat mit seiner Aussage, die Hauptursache für das Flugzeugunglück bei Smolensk sei die Entscheidung zur Landung gewesen, heftige Kritik ausgelöst. "Damit macht er sich zum Sprecher Russlands", erklärte der Abgeordnete Zbigniew Girznyski von der rechtskonservativen Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) gegenüber Journalisten.

"Die Ursache für die Katastrophe ist schmerzhaft einfach", erklärte Komorowski am Sonntag dem öffentlichen Fernsehsender TVP. Niemand werde bestreiten, dass die Hauptursache der Landeversuch unter Wetterbedingungen war, "die dafür überhaupt nicht geeignet waren", so der Präsident. Damit gab er die Hauptschuld am Unglück den polnischen Piloten. Die Regierungsmaschine war am 10. April 2010 bei Smolensk abgestürzt, neben dem damaligen Präsident Lech Kaczynski kamen auch alle weiteren 95 Passagiere ums Leben.

Auch in der rechtsliberalen Regierungspartei "Bürgerplattform" (PO), aus der Komorowski stammt, äußerten sich Vertreter am Montag unzufrieden über die Formulierung des Staatsoberhauptes. Komorowski habe aber "nur vor Verschwörungstheorien" in Bezug auf das Unglück warnen wollen, erklärte der PO-Abgeordnete Jaroslaw Gowin.

Als ungeschickt bewerten Kommentatoren die Aussage auch deshalb, weil Premierminister Donald Tusk (PO) vor kurzem den Abschlussbericht der russischen Ermittler zum Flugzeugunglück als "nicht akzeptabel" bezeichnete. Seiner Ansicht nach habe es die russische Seite versäumt, auch ihre eigenen Fehler zu beleuchten, etwa das von polnischen Experten kritisch bewertete Verhalten der Fluglotsen in Smolensk. Die Ursachen für das Unglück lägen auf beiden Seiten, erläuterte Tusk am Sonntag seine Position in einem Fernsehinterview.

Polen schickte Russland bereits seine Stellungnahme zum Abschlussbericht der Untersuchungskommission zu. Noch gibt es dazu keine offizielle Reaktion aus Moskau. Die polnische Staatsanwaltschaft wartet indes weiter auf Beweismittel aus Russland, um ihre eigenen Ermittlungen fortzusetzen. (APA)

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