Buchneuerscheinung

Bestürzender Blick hinter die Kulissen

3. Jänner 2011, 17:14
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    foto: braumüller literaturverlag

    Michael Dangl: "Rampenflucht. Ein Nachspiel". 142 Seiten, Braumüller Literaturverlag, € 18,90

Michael Dangls "Rampenflucht": Radikales Pamphlet über die Schauspielkunst

Wien - "Aber wie kann ich beides zugleich bleiben: Schauspieler und Mensch?" Manchmal, ja manchmal, würde man das Buch am liebsten sofort zuklappen, weil man sich die schöne, heile Theaterwelt allzu gern bewahren würde. Geht aber nicht. Man entkommt dem Sog der Worte, diesem Lamento, nicht. Mitgehangen mitgefangen sozusagen. Und nichts bleibt mehr so, wie es war, nicht fürs Publikum; nicht für die, die für uns spielen.

Stefan Kowalsky, Alter Ego des Schauspielers Michael Dangl, ist am Ende seiner Kräfte, seiner Leidensfähigkeit, seiner Spiellust. Als Ausweg bleibt ihm, wie schon der Titel des Romans verrät, nur mehr die Rampenflucht.

In einem inneren Monolog, einer Suada fast Bernhard'schen Ausmaßes reflektiert Dangl alias Kowalsky das Schauspielerdasein, geheuchelte Gefühle, erlogene Leidenschaften, wahre Hingabe, Konkurrenzängste, Erniedrigungen, diesen unglaublichen, gleichermaßen wunderbaren wie schrecklichen Kosmos namens Theater.

Dangl nimmt die Leser mit ins Theaterinnerste, zu den Proben, er lässt sie teilhaben an den Premierenängsten, stellt ihnen Regisseure vor, deren Erlebniswelt sich vornehmlich auf Flughäfen abspielt. Und den Schauspieler, der seinen Körper mit Prellungen, Blutergüssen, Schnitt- und Schürfwunden schindet: "(Er) trägt blutige Nasen nach Hause und erschütterte Gehirne und probiert und spielt mit Husten, Fieber, Heiserkeit und eingerissenen Zwerchfellen, gebrochenen Rippen."

Dieses Pamphlet ist kein erbauliches Vorspielen falscher Tatsachen; kein flockiges Schönsprechen von Theaterillusionen. Wer so schreibt wie Michael Dangl, so verletzt und verletzlich und verletzend, so schonungslos und sehnsüchtig, so atemberaubend radikal und wahnwitzig offenherzig, der ist entweder dem Theater längst entkommen. Oder ihm hoffnungslos und auf immer verfallen.

Bei Michael Dangl, der seit seinem vierten Lebensjahr auf der Bühne steht, sollte man definitiv Zweiteres vermuten: "Theater, im Glücksfall, ist ein reinerer Ort als die Welt. Und ich sah Aufführungen, nach denen ich Stunden durch die Stadt gelaufen bin in solcher Aufgewühltheit, als gäbe es kein Morgen. Für diese Stunden leben wir, bis in alle Ewigkeit werden wir, werden unseresgleichen um zehn Uhr auf die Bühne gehen und wieder anfangen. Immer am Anfang (...) heben wir den Stein wieder auf, den aufwärts zu wälzen uns gegeben ist." (asch, DER STANDARD - Printausgabe, 4. Jänner 2011)

derKetzer
00
10.1.2011, 07:11
Erschütterte Gehirne...

...tragen sie nicht nur nach Hause, sondern auch wieder ins Theater zurück, um dort jenen seichten Quatsch zu machen,über den sie sich dann in Buchform aufregen.

samanthafox
00
Rampenflucht

Die armen Schauspieler! Erschütterte Gehirne tragen sie nach Hause! Ich bin entsetzt!

ValieImport
00
Rampenfluch

Warum beisst er die Hand die ihn füttert-
oder will er mit dieser Schrift eine Auszeit vom Steinewälzen nehmen;-)

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