Plastiksackerl-Verbot ist in Kraft

3. Jänner 2011, 14:52

Nur noch Taschen aus biologisch abbaubarem Material erlaubt

In Italien sind seit 1. Jänner Plastiksackerl verboten und nur noch Tragtaschen aus biologisch abbaubarem Material erlaubt. Dieses Gesetz gilt als historische Entscheidung in einem Land, in dem statistisch jedes Jahr auf jeden Bürger rund 300 Plastiksackerl kamen.

Die Umstellung, die jetzt in Kraft trat, war bereits im Haushaltsplan 2007 beschlossen worden. In Italien wurden bisher nach Schätzungen der Umweltschutzorganisation Legambiente jährlich etwa 200.000 Tonnen oder rund 20 Milliarden Taschen im Jahr verbraucht - das entspricht einem Viertel des gesamten europäischen Verbrauchs.

400 Jahre bis zum Zerfall

"Allein um die zu produzieren, wurden etwa 430 Tonnen Ölressourcen verheizt", schätzt ein Sprecher des italienischen Landwirtschaftsverbandes Coldiretti. Neben dem Energie-Verbrauch kritisieren die Verfechter der neuen Regelung wie etwa Umweltministerin Stefania Prestigiacomo die Haltbarkeit der alten Plastiktragetaschen. So dauert es rund 400 Jahre, bevor sie in ihre Bestandteile zerfallen. Als Abfallsäcke verwendet sorgten sie außerdem in Müllverbrennungsanlagen für umweltschädliche Gase.

Restbestände werden verschenkt

Nun dürfen die vor dem 1. Jänner eingelagerten Restbestände von den Supermärkten nur noch verschenkt werden. Als Alternativ-Produkt sollen neben wiederverwendbaren Stoff- oder Gummitaschen auch Taschen aus umweltfreundlichem "Bio-Plastik" angeboten werden, die sich schon nach wenigen Monaten vollständig auflösen.

Die Plastikindustrie stöhnt. Mit etwa 4.000 Beschäftigten in rund 100 Fabriken konnte sie dem Mailänder Wirtschaftsblatt "Il sole 24 ore" zufolge bisher mit den umstrittenen Taschen einen Umsatz von rund 800 Millionen Euro pro Jahr verzeichnen. Allein die Umstellung der Maschinen auf die neuen Beutel koste schätzungsweise bis zu 50.000 Euro pro Anlage. (APA)

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Gratuliere ...

... den Italienern zu dieser weisen Entscheidung! Was den Erdölverbrauch angeht, ist das allerdings ein Tropfen auf den heissen Stein angesichts dessen, was täglich weltweit auf den Straßen verbrannt wird. Siehe dazu auch http://environment.dilino.org/oil/consu... on.de.html .

Da sind ja mittlerweile rückschrittlichere Länder als Österreich viel weiter: in Bangladesh z.B. sind Plastiktaschen seit mittlerweile 10 Jahren verboten u.a. weil sie während des Monsuns die Abwasserkanäle verstopfen.
Müssen wir in Österreich auch auf den Monsun warten? Wenn wir weiterhin so sorglos mit unserer Umwelt umgehen ist es nur eine Frage der Zeit...

Äpfel und Birnen

Es läuft dort etwas anders als bei uns. Bei uns wird der Müll gesammelt und verbrannt.
Dort, und auch in Nordafrika beobachtet, wird der Müll in die Plastiksackerl gefüllt und irgenwo hingeschmissen. Tieren zerfetzen es und von Wind und Wasser wird es im Land verteilt. Das sieht dann grausig aus.
Ein Monsun in Österreich ist nicht möglich und hätte auch nicht solche Auswirkungen. Sollten sie doch wissen. Also keine Panikmache.

Das will ich für Österreich auch! Aber wir haben ja wichtigere Gesetze wie Kronzeugenregelung und Mafiaparagraphen ...

50.000 pro Anlage?

Von so günstigen Investitionskosten kann man ja sonst nur träumen...

Halte ich

bei 800 Mio € Umsatz pro Jahr auch für vertretbar

Gratulation!!

Auf eine Vorbildfunktion mach ich mir zwar keine Hoffnung, unsere Koalition bringt ja schon Simpleres nicht zustande, aber jedenfalls erfreulich!

Nachdem

dort dauernd die Müllabfuhr streikt.

Trotzdem schaffen es die Italiener irgendwie ca 20% weniger Müll pro Kopf als wir zu produzieren.

bei aller Liebe,

das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen

Musst du auch nicht können. Dafür gibt es Statistiker.
Am meisten Müll in Europa machen die Dänen...801kg pro Kopf laut EU-Statistikamt (Daten 2007)
http://www.ufh.at/index.php... T=vueumftx

AT liegt mit 597kg auf Platz 7.
IT 541kg ein paar Plätze dahinter...

ok, sind nur 10% weniger.

Der Unterschied liegt aber auch in der Entsorgung bzw. im (nicht)Recycling. In Italien endet viel auf der Deponie (oft illegal) oder wird per Schiff ausser Landes gebracht...

mir scheint das

eher im statistischen Erfassen zu liegen bzw,. an der Entsorgung selbst. In Neapel raeumens schon den Muell nicht weg, geschweige denn, dasz sie ihn messen, noch geschwige denner, dasz der, der messen u. berichten sollte, auch im Bureau ist.

ich auch beim besten willen nicht

:) ja

es reicht zu wissen, dasz sie dir hier in Italien die Wurst meist doppelt verpacken.

Zu deinem letzten Post.

Neapel ist nicht (ganz) Italien.
In anderen Städten funktioniert es ja auch besser.
Die Daten aus Rom, Florenz oder Mailand sind schon auch relevant für eine Statistik.
Ein Rauschen gibt es immer...

la stampa v. heute

http://www3.lastampa.it/cronache/... tp/382442/

EUrechtswidrige Muelldeponie bei Rom, ca. 200 ha, seit 1999 in Betrieb, Ausnahmegenehmigungen immer wieder verlaengert.

ja, eh

nur Neapel ist schon ein rechter Klotz, was das Volumen angeht, dann haben wir noch den gesamten laendlichen Sueden. Die illegalen Deponien im Aspromonte, in denen viel Giftmuell des Nordens verschwindet, soll man auch nicht vergessen. Wobei, erst Anf. Dez. haben die Carabinieri eine illegale Deponie hier in Ligurien ausgehoben.

WOW respekt vor diesem gesetz

jeder weiß dass die plastiksackerln im meer landen und dort jahrzentelang die umwelt langsam vergiften

Wetten dass

Die Mafia schon großzügig in Bioplastiksackerlfabriken investiert hat?

um das ganze mal zu verdeutlichen:

http://tiny.cc/sfy0a

eben

bioplastik ist auch nicht das gelbe vom ei, weil es rohstoffe und energie benötigt, aber wenn weiterhin plastik in dem ausmaße im meer entsorgt wird, haben wir bald weitere kontinente zum besiedeln. ein bisschen erde drauf und wir können dort genkartoffeln anbauen.

vorbildfunktion

bitte auch in österreich einführen!!!!

Endlich mal was positives aus Bella Italia ... trotzdem bin ich froh, dass das der Marcel Prawy nicht erleben musste!
Bitte unbedingt auch in Österreich einführen - ich glaub, da hätt niemand was dagegen ....

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