Feinstaub hält Österreich weiter in Atem

3. Jänner 2011, 17:25
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Verkehrsmaßnahmen in Graz bringen erste Entlastungen - "Staubhochburg" Wien

Wien/Graz - Wie jedes Jahr um diese Zeit: feiner weißer Staub in Form von Raureif auf Bäumen und Sträuchern, giftiger Feinstaub in der Luft. In Graz begann das neue Jahr gleich mit Höchstwerten an Feinstaubkonzentrationen: Die Inversionswetterlage, gepaart mit der Silvesterknallerei, bescherte der steirischen Landeshauptstadt eine Grenzwertüberschreitung von mehr als 400 Prozent.

Aber es war ein "Ausreißer". Graz die alte Feinstaubhochburg, hat diesen Rang 2010 erstmals abgegeben: an die Bundeshauptstadt Wien. Zum ersten Mal stand Graz nicht im Zentrum der Feinstaubbelastung. Die Luftsituation hat sich dort etwas verbessert. "Die Gegenmaßnahmen zeigen Wirkung", sagte der Sprecher des Verkehrsclubs Österreichs (VCÖ), Christian Gratzer, im Gespräch mit dem Standard. Die Ausweitung des S-Bahn-Systems wie auch die Temporeduzierung im Raum Graz sowie die Erhöhung des Anteiles des Radverkehrs in der Stadt haben erstmals zu einer leichten Entlastung geführt.

Dennoch: Die Werte seien auch hier wie in allen Ballungsräumen nach wie vor alarmierend hoch. Die Luftqualität habe sich sogar in Summe "massiv verschlechtert", resümiert der VCÖ in seiner ak- tuellen Feinstaubbilanz. Bei 71 Messstellen wurde bundesweit eine zu hohe Feinstaubkonzentration gemessen. Speziell bei verkehrsnahem Messorten war die Belastung deutlich höher als bei verkehrsfernen. Gratzer: "Das unterstreicht den hohen Anteil des Kfz-Verkehrs als Ursache für die Feinstaubbelastung." Der Autoverkehr müsse daher in den Ballungsräumen drastisch zurückgedrängt werden. Österreich sollte "endlich international erfolgreiche und bewährte Maßnahmen wie Citymauten und Umweltzonen einführen", fordert VCÖ-Experte Martin Blum. Es sei unbestritten: Eine zu hohe Feinstaubbelastung mache krank, verkürze die Lebenserwartung und löse bei Kindern Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis aus. Zudem drohen Österreich, sollten nicht Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, hohe Strafzahlungen an die EU.

Höchste Belastung in Wien

Die höchsten Belastungen wurden 2010 in Wien, Graz und Wiener Neudorf, Leibnitz und Linz gemessen. Betroffen waren aber de facto alle Ballungsräume. Martin Blum: "So viel Feinstaub wie im Vorjahr war zuletzt 2006 in der Luft." Bei 36 Messstellen wurde der EU-Grenzwert - 35 Tage mit zu hoher Feinstaubbelastung - überschritten. 2009 war dies nur bei sechs Messstellen der Fall. Die höchste Belastung wurde in Wien, an der Messstelle Belgradplatz, registriert. Hier wurde der Tagesgrenzwert von 50 Milligramm pro Kubikmeter Luft an 87 Tagen überschritten, an der Messstelle Rinnböckstraße an 70 Tagen. Ebenfalls an 70 Tagen war in Graz Messstelle Don Bosco die Belastung dramatisch zu hoch.

Hier wird vermutet, dass auch die Abluft des Plabutschtunnels im Westen der Stadt wesentlich zur Luftbelastungen beiträgt.

In den Jahren zuvor seien die Werte wegen günstiger Wetterbedingungen niedriger gewesen, erklärt VCÖ-Experte Blum. (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2011)

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    Orte, in denen 2010 an mindestens 35 Tagen der Grenzwert für Feinstaub überschritten wurde.

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