Letzter Akt im Drama um Kneissl

3. Jänner 2011, 18:00
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Eiertanz um Konkursantrag für Skihersteller - Gerüchte um neue Investoren

Wien - Kneissl sei eine echte Herzensangelegenheit für Scheich Al Jaber, hatte Andreas Gebauer Ende November all jene Lieferanten getröstet, die seit Monaten auf ihr Geld warten. Der Chef des kriselnden Skiproduzenten weilt mittlerweile wieder auf einer Dienstreise im Ausland und sei daher unerreichbar, lassen seine Mitarbeiter einmal mehr wissen. Das zugesicherte frische Kapital gibt es nach wie vor nicht: Eigentümer Al Jaber ließ die Frist, in der er Kneissl mit 1,2 Millionen Euro aus der Finanznot holen wollte, verstreichen.

Nächster Akt im Drama um das Tiroler Traditionsuntenehmen ist ein Konkursantrag. Der frühere Eigentümer Fritz Unterberger hatte im Vorjahr bereits einen gegen die Holding gestellt. Doch dann versprach Gebauer die Stundung der offenen Forderungen von mehr als 900.000 Euro, was einen derartigen Antrag üblicherweise obsolet macht.

Zu einem weiteren Konkursantrag gegen die Holding, die Kneissl Tirol oder die Kneissl Star Lounge wollen sich die betroffenen Gläubiger, von Architekten über Designerfirmen bis hin zu Druckereien, vorerst jedoch nicht durchringen. Zumal er auch mit Kosten verbunden ist. Ein jeder warte auf den anderen und versuche, aus der sterbenden Gruppe sein Geld rauszubringen, ohne dabei derjenige sein zu wollen, der sie umbringe, sinniert ein Betroffener.

Die Rückstände seien nicht derart hoch, dass sofort etwas unternommen werden müsste, heißt es etwa bei der Tiroler Gebietskrankenkasse, zumindest nicht in den kommenden Tagen und Wochen. Auch Thomas Lang wartet ab. Der Investor des Wiener Modebetriebs Strasser geht davon aus, dass das Gericht die Sache bald ins Rollen bringt. Etwa in der Person des Exekutors, der im Jänner wie berichtet weitere Pfändungen in der Fabrik von Kneissl in Kufstein plant.

Von sich aus werde das Gericht freilich nicht tätig, ein Konkursantrag passiere einzig auf Initiative der Gläubiger hin, wird beim Landesgericht in Innsbruck betont.

"Es gibt keine amtswegige Konkurseröffnung", sagt Walter Hintringer, Leiter des Kreditschutzverbands von 1870 in Tirol. Er habe keinen Einblick in Kneissls Liquidität und könne daher auch nicht seriös sagen, ob Geld geflossen sei.

Gebauer schweigt. Derweil ranken sich neue Gerüchte um den Betrieb. Im jüngsten ist von angeblichen Investoren in Form einer spanischen Sportfirma die Rede. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2011)

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    Scheich Mohamed Al Jaber gibt den Kneissl-Gläubigern Rätsel auf. Gezahlt hat er bisher nicht.

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