Neues Mediengesetz

Ungarn: EU-Kommission äußert "Sorge"

6. Jänner 2011, 12:12

Kommissarin Kroes sandte Brief nach Budapest - Ungarische Zeitungen protestierten auf Titelblättern

Brüssel/Budapest - Die EU-Kommission hat "Sorgen" und "Zweifel" zu dem umstrittenen ungarischen Mediengesetz geäußert. Ein Sprecher der EU-Behörde sagte am Montag in Brüssel, die für Medien zuständige EU-Kommissarin und Vizepräsidentin der EU-Kommission, Neelie Kroes, habe in einem Schreiben an die ungarischen Regierungsstellen kurz vor Weihnachten "drei Sorgen" formuliert. Diese würden sich auf das Gesetz selbst beziehen, auf dessen Vereinbarkeit mit der EU-Medienrichtlinie sowie auf die Unabhängigkeit der in Ungarn geschaffenen Medienbehörde NMHH.

Die Kommission habe "eine erste Antwort des ungarischen Ministers bekommen, in der es heißt, dass in seinen Augen das ungarische Gesetz nicht gegen europäische Gesetze verstößt, und dass er uns so schnell wie möglich eine detailliertere Antwort schicken wird". Darauf warte die EU-Kommission "in den nächsten Tagen", sagte der Sprecher weiter.

Bisher keine Prüfung der Kommission

Die Vereinbarkeit des ungarischen Mediengesetzes mit der EU-Grundrechtecharta sei bisher noch nicht von der EU-Kommission geprüft worden. Auch handle es sich bei dem Brief von Kroes noch nicht um ein formelles Vertragsverletzungsverfahren gegen Budapest. Die EU-Kommission trifft am Freitag mit der ungarischen Regierung in Budapest zusammen. Ungarn hat am 1. Jänner für sechs Monate den EU-Ratsvorsitz übernommen.

Ungarische Zeitungen protestierten unterdessen am ersten Werktag des neuen Jahres gegen das am 1. Jänner erfolgte Inkrafttreten des umstrittenen Mediengesetzes. Die linksliberale Tageszeitung "Nepszabadsag" erschien mit weißem Titelblatt, auf dem in Ungarisch und in 22 weiteren offiziellen Sprachen der EU die folgenden Worte zu lesen sind: "In Ungarn wurde die Pressefreiheit aufgehoben." Die linke Zeitung "Nepszava" verkündet auf ihrem Titelblatt in Ungarisch und Englisch: "In einem Land der Europäischen Union gilt die Pressefreiheit als ein Grundwert. Wir müssen in Ungarn unsere demokratischen Rechte verteidigen. Fordern wir die Freiheit der Presse!"

"Nepszava": "Antidemokratische Schritte" der ungarischen Regierung

"Nepszabadsag" begründete die Kritik damit, dass das Mediengesetz "in Wahrheit den autoritären Bestrebungen der rechtskonservativen Partei Fidesz und der mitregierenden Christdemokraten (KDNP) dient". Das Gesetz biete die Möglichkeit, dass jene, die eine andere Meinung vertreten als die Regierung, "reguliert, bestraft, letztlich ruiniert werden". "Nepszava" wiederum hofft, dass "Europa die "antidemokratischen Schritte" der ungarischen Regierung erkennt und eigene diplomatische Schritte unternimmt.

Das am Samstag in Kraft getretene Mediengesetz stellt alle Fernseh- und Rundfunksender, Printerzeugnisse und Internetportale unter Kontrolle der von der Fidesz kontrollierten Medienbehörde NMHH. Medien drohen Strafen von bis zu umgerechnet 730.000 Euro, wenn sie gegen die nicht eindeutig formulierten Vorschriften des Gesetzes verstoßen. Dabei leitete die Medienbehörde gleich am Tag des Inkrafttretens des Gesetzes ein Verfahren gegen das Budapester Privatradio "Tilos Radio" ein. Der Sender hatte in den Nachmittagsstunden den Song "It's on" des US-Rappers Ice-T gespielt, der angeblich die ungarische Jugend gefährden soll.

Kroes: Zweifel und Sorgen

Die von EU-Kommissarin Kroes geäußerten "Zweifel" und "Sorgen" zu dem ungarischen Mediengesetz beziehen sich auf die am 24. Mai 2007 von den EU-Medienministern als Nachfolgeregelung für die TV-Richtline "Fernsehen ohne Grenzen" beschlossene Audiovisuelle Mediendienste-Richtline (AVMD-RL). Die Richtlinie ist am 19. Dezember 2007 in Kraft getreten und musste innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden. Am 24. Juni des vergangenen Jahres mahnte die EU-Kommission zwölf EU-Staaten, darunter auch Ungarn, zur vollständigen Umsetzung der Richtlinie.

EU-Grundrechtecharta

Einen grundsätzlichen Rahmen für die Pressefreiheit gibt die EU-Grundrechtecharta vor. In Artikel 11 der Charta heißt es:

  • "(1) Jede Person hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht schließt die Meinungsfreiheit und die Freiheit ein, Informationen und Ideen ohne behördliche Eingriffe und ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen zu empfangen und weiterzugeben.
  • (2) Die Freiheit der Medien und ihre Pluralität werden geachtet."

Die EU-Staaten und die Union haben sich außerdem zur Anwendung der Europäischen Menschenrechtskonvention verpflichtet, zu der es in Sachen Pressefreiheit eine umfangreiche Rechtsprechung des Straßburger Menschenrechtsgerichtshofs gibt. (APA)

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IOVIS
01
1956

...hat die Welt Ungarn schon einmal im Stich gelassen, soll sich das wiederholen, in Mitten der EU?

Entweder die europäische Gemeinschaft unternimmt etwas für den Erhalt der Presse- und Meinungsfreiheit in ihren Mitgliedsstaaten - schließlich sind die Bürger die EU, oder aber es besteht berechtigter Zweifel ob wir Österreicher noch etwas in der EU verloren haben.

Ich meine, Meinungsfreiheit für alle Europäer, oder Austritt aus der EU.

Alexander Patjomkin
31
Niemand hat das Recht sich in die innere Angelegenheiten Ungarns einzumischen.

Sowohl die EU-Politiker als auch die öst Zeitungen (inklusve dieses Forum) sagen und schreiben Mist. Sie wissen gar nicht, was im Mediengesetz steht.
Das ist ein Amoklauf, die EU wird verrückt.
Echte Probleme können sie nicht lösen, und
kommen mit solchem Aktionismus.
Es ist bereits das Zeichen, der EU-Agonie.

IOVIS
03
Ich meine Sie sind es, der die ungarisches Gesetzesnovelle NICHT kennt!

Ihr Kommetar ist ja ein Potemkisches Dorf! Natürlich wissen wir (Nicht-Ungarn) sehr genau was im ungarischen Mediengesetz steht. Allein schon, dass TV-Nachrichten nur mehr durch eine zentrale, staatliche Stelle produziert werden dürfen und die Medienkontrollstelle jegliche Medien (also Print, Radio, TV und Internet) auf Grund von "unausgewogener Berichterstattung" schließen (!!) kann bzw. dafür ruiniöse Geldstrafen verhängen kann, stellt jedem Demokraten die Zähennägel auf.

Sollten Sie mit so einem Gesetz zufrieden sein, so empfehle ich Ihnen die Auswanderung. Entweder sie verlassen Europa,... jetzt wird's schwierig, welche Länder haben denn noch solche Gesetze? Vielleicht Burma! Oder aber Sie ziehen nach Weißrussland!!

Alexander Patjomkin
40
Woher kennen Sie das Gesetz, von ihrem Konsorten?

Sprechen Sie ungarisch? Das es auch Ungarische Journalisten gibt. die das Gesetz ablehnen, ist selbsverständlich. Wer mag jedwede Einschränkungen in seinem Bereich? Das sagt gar nichts aus.
ÜBRIGENS: DAS ENTSPRECHDE ENGLISCHE GESETZ IST STRENGER.
Es gibt keinen einzigen Passus in ung. Gesetz, die nicht in EU irrgendwo vorkommen. Diese Hetzkampagne der EU ist schon das Gurgeln....

Leser1004
32
"Tilos Radio" forderte "Ausrottung aller Christen"

"Tilos Radio"-armes Opfer der Medienfreiheit? „Sendeverbot erhielt der Sender (…) für 30 Tage, als am Heiligabend 2003 ein Moderator in angetrunkenem Zustand verbreitete, dass er „alle Christen ausrotten würde“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Tilo... 1di%C3%B3) Schützt e solche Aussage die demokratische Meinungsfreiheit oder ist sie Volksverhetzung? Man stelle sich folgende Absurdität vor: "Radio Opus Dei" hätte eine ähnliche Aussage a e jüd. oder islam. Feiertag gesendet! Alle Zeitungen der Welt hätten (mit Recht!) darüber geschrieben; hier muss erst ein unbedeutender Privatposter nachhaken: Denn die Wahrheit scheint Gutmenschen eben nicht mehr zumutbar. (I.Bachmann aus dem Jenseits)

globetrottel
03

Ja, das war damals (vor 7 Jahren) eindeutig inakzeptabel und hetzerisch. Der Sender wurde zu recht (drastisch) bestraft , der Moderator zu recht entlassen.

Die westlichen Medien HABEN darüber ausgiebig berichtet.

Nur : Die Sanktionierbarkeit solcher groben Verstösse ist NICHT das, worin jetzt die halbe Welt ein Problem beim ungarischen Mediengesetz sieht.

Also bitte lenken Sie nicht wieder ab.

Arminius
12

Ach, der Bot war auch hier.

Meine Antwort:
http://derstandard.at/1545086

nobody83
02
interessant

Seit dem die ungarische Regierung bekanntgegeben hat, dass sie bereit ist das Gesetz anzupassen, wenn andere EU-Mitgliedstaaten, in denen die gleichen Gesetzespassagen vorkommen, ebenfalls ihre Gesetze annpassen, berichtet der Standard auffälligerweise nicht mehr darüber, obwohl es gerade jetzt interessant wird, ist nehme ich an sicher zufällig. ;)

Das ganz ist nur noch in der Presse zu lesen.

Berlin hat seine Kritik bereits zurückgezogen, auch interessant.

Mir war klar, dass Orban die Karte spielen wird, denn wer sich die Gesetzeslage in anderen EU-Mitgliedsstaaten ansieht, der wird bemerken, dass da sehr wohl massive Konflikte mit der Pressefreiheit bestehen, nicht nur in Italien, tja, blöde Sache.

globetrottel
11

Sorry, nobody, reine Ablenkung. DIE Passagen, der Kontext, der beim ungarischen Gesetz für "Besorgnis" der halben Welt sorgt, sind in keinem europäischen Gesetz so enthalten.

In keinem europäischen Mediengesetz hat eine eindeutig parteipolitisch einseitig und unablösbar besetzte Behörde das Recht, drakonische Strafen aufgrund von "Verstössen gegen die POLITISCHE Ausgewogenheit der Berichterstattung" zu verhängen, wobei zu allem Überdruss es nirgends definiert ist, worin sich Unausgewogenheit manifestiert, sondern von besagter (politisch eindeutig positionierter) Behörde nach eigenem Gutdünken entschieden werden kann.

nobody83
00
nur zum Verständins

..ich bin immer noch klar gegen! das Mediengesetz, ich finde nur es wird endlich Zeit für eine ehrliche EU-weite Diskussion über Pressefreiheit...Schluss mit der Heuchlerei!

Don Quixote1
20
"Am 24. Juni des vergangenen Jahres mahnte die EU-Kommission zwölf EU-Staaten, darunter auch Ungarn, zur vollständigen Umsetzung der Richtlinie. "

Welche waren die anderen elf?

Was ist mit Assange und Wikileaks? Geht die Lynchjustiz von VISA und Co. weiter?

Weiters: http://diestandard.at/129336999... forumstart

globetrottel
13

Lenken Sie nicht ab. Hier geht es um Ungarn.

Don Quixote1
02

Ich dachte um Pressefreiheit und Meinungsfreiheit.

globetrottel
00

..in Ungarn

Alexander Patjomkin
74
Dieses von Hass triefende Schmutzkampgne gegen Ungarn ziegt mir nur folgendes:

1.diese EU hat keine Kohesionskraft, keine gegenseitiges Wohlwollen von Staaten.
2. in diesm Einheitsbrei EU kann kein Staat, wenn nicht mächtig genug ist, irgendwas neues wagen,
die Bluthunde sind sofort vor der Tür,
3. Alle Bürger jedes Staates fühlen sich "zuständig und berechtigt" in die innere Angelegenheit der anderen (kleineren) Staaten einzumischen,
4. Problemen und Diskussionsthemen werden nur emotionsbetrieben und nicht objektiv geführt.
Aus solchem Staatenverband wird nie etwas,
das sage Euch.

Don Quixote1
14

Im Sommer war ich in Ungarn. Im TESCO konnte ich holländischen Paprika billiger kaufen als ungarischen.
Auf der gr. Ebene habe ich reihenweise verlassene Höfe gesehen.
Ich habe noch nie so gutes Obst gegessen als dort.
Folglich:
Die EU ist nicht interessiert an ungarische Agrarprodukte, seien sie qualitativ noch so gut,
im Gegenteil:
mit Billigimporten von niedrigerem Qualität werden einheimische Produkte und Produzenten verdrängt und es hat NICHTS mit Nationalismus zu tun, eher mit Umweltschutz, Arbeitsplätze und Kultur.

sandokan55
11
Sie haben vollkommen Recht, gerade Firmen wie TESCO gehören solange bestraft werden, bis die kapieren,

dass die bisherige allgemeine Gesetzlosigkeit in Ungarn mit der Abwahl der Sozialisten und Liberalen zu Ende gegangen ist und die Einhaltung der Rechte der ArbeitnehmerInnen und eines fairen korrekten Verhaltens am Markt eine gesetzliche Pflicht geworden ist.
Es wäre an der Zeit, auch in anderen Länder der EU zu überlegen, ob es wirklich vorteilhaft ist, wenn Konzerne Politik betreiben z.B. dadurch dass sie mit diversen Praktiken die jew. heimische Agrar-Produktion der Bauern absichtlich kaputt machen wollen.

Und dann haben wir Knoblauch aus China –
wollen wir es wirklich? Ich nicht.

globetrottel
23

A) Es hanedelt sich um keine Schmutzkampagne gegen Ungarn, sonder um kritik an der ungarischen Regierung. das ist absolut nicht dasselbe.

1-3) Lenken Sie nicht ab. Hier geht es nicht um die EU, sondern um Ungarn.

4) Schauen Sie sich IHRE Postings an, und die von einigen anderen a la Endre Koczo, Janosch bacsi etc. Dann denken Sie eine Zeit darüber nach, WER hier "Problemen und Diskussionsthemen werden nur emotionsbetrieben und nicht objektiv geführt. "

Don Quixote1
01

Da ständig ein Eingreifen der EU verlangt wird ist es wohl relevant mal anzusehen wer die EU ist und wie sie Funktioniert, also wer da eingreifen soll und hinter einem Eingreifen welche mögliche Interessen stehen, mal davon abgesehen, dass Ungarn EU Mitglied ist und von der EU kritisiert wird.
Für Sie geht es nicht um Klärung oder Lösungsfindung, sondern um eine möglichst breite Kampagne gegen die FIDESZ.

globetrottel
02

Ob Sie es glauben oder nicht : Mir geht es nicht um eine breite Kampagne gegen Fidesz, sondern um eine vertretbare , demokratische, rechtsstaatliche Politik in meinem Heimatland - ohne jeglichen parteipolitischen Aspekt. Wenn sich Fidesz wie eine kultivierte europäische (von mir aus auch konservative) Partei verhält , habe ich Null Problem damit.

Ibsen
02
Orban-Freund wegen Hetzartikels angezeigt

http://www.orf.at/#/stories/2034640/

Janosch bacsi
41

Hey, Ibsen!
1919 ist fast schon 100 Jahre her. Was wollen deine kleinen grünen Männchen mit der Anzeige? Sich lächerlich machen?

Don Quixote1
00

Falls es ordentlich behandelt wird, wird vielleicht der Eindruck entstehen, dass die Medienbehörde nicht bloß die Zensurbehörde der Regierung ist, sondern was anderes. Aber kann natürlich sein, dass ich mich irre. Wir werden sehen.
Bis dahin: Postings wie die Ihre missen jeden Spur von Demokratieverständnis, lassen nur das Gehabe eines Machtmenschen erkennen und werfen ebenso ein solches Licht auf alles womit sie in Berührung kommen. Wenigstens das sollte schon klar sein, dass Hinrichtung keine politische Lösung ist.

Hr.Berth
02
Hey, Janosch Bacsi,

Trianon ist fast schon 100 Jahre her. Was wollen deine kleinen rechten Männchen mit dem Wehklagen? Sich lächerlich machen?

Janosch bacsi
20

Meine kleinen Männchen sind ca. 5 Millionen an der Zahl.

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