Fiat hat Mehrheit von Chrysler im Visier

3. Jänner 2011, 17:24
posten

Fiat könnte 2011 Chrysler-Anteil auf 51 Prozent aufstocken - Brillantes Börsendebüt von der nun eigenständigen Fiat-Industriesparte

Fiat könnte heuer noch die Mehrheit vom US-Autokonzern Chrysler erhalten. Das hat Fiat-Chef Sergio Marchionne am Montag anlässlich der Abspaltung (Spin-off) der Nutzfahrzeuge- und Baumaschinensparte mit Iveco und CNH (Fiat Industrials) vom Autogeschäft mit den Marken Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Ferrari, Maserati und einigen Komponententöchtern (Fiat SpA) wissen lassen.

Fiat wird zweifellos die Option nutzen, die Beteiligung bei Chrysler heuer von 20 auf 35 Prozent zu erhöhen. Sollte Chrysler an die Börse gehen, dann könnte Fiat diese Beteiligung sogar auf 51 Prozent ausbauen. Wie diese Aufstockung finanziert wird, ist offen. Vor diesem Hintergrund werden Gerüchte über einen möglichen Verkauf von Alfa Romeo an Volkswagen bzw. über einen Börsengang von Ferrari immer lauter.

Mit einem Börsendebüt von neun Euro pro Aktie überraschte Fiat Industrial den Markt. Zahlreiche Analysten von Credit Suisse, Mediobanca oder JPMorgan hatten mit einer Erstnotierung von acht Euro oder weniger gerechnet. Die Fiat SpA startet in Mailand mit einem Kurs von 6,95 Euro. "Das Börsendebüt ist ein neuer Start für Fiat", bestätigte CEO Marchionne den Neubeginn des Autokonzerns. Mit der Aufspaltung des Unternehmens erhält jeder Fiat-Aktionär jeweils eine Fiat-Industrial-Aktie.

112 Jahre nach Gründung des Turiner Traditionsunternehmens wurde die bereits im vergangenen Frühjahr angekündigte Spaltung vollzogen. Die Zeit der Konglomerate sei vorbei, erklärte Marchionne das Spin-off. Investoren hatten seit Jahren auf eine Abspaltung gedrängt, um den potenziellen Wert des Auto- oder Maschinenbereichs an der Börse besser ausschöpfen zu können. Zudem sollen dadurch Allianzen ermöglicht werden.

Die Börse honoriert die Pläne seit Monaten. Seit dem Frühjahr 2010 hat sich der Aktienkurs von Fiat von acht auf 15 Euro nahezu verdoppelt. Analysten prognostizieren für die beiden Fiat-Aktien Kurse von 17 bis 23 Euro.

Zwei neue Logos

Um die zwei Gesellschaften auch optisch zu trennen, wurden zwei getrennte Logos entwickelt: Fiat Auto kehrt vom Rot zum ursprünglichen Blau mit nach unten gezogenen Lettern zurück, und Fiat Industrial legt sich ein blaues Quadrat mit gelbem Schriftzug zu.

Vorgesehen ist, dass Fiat Auto gemeinsam mit Chrysler bis 2014 weltweit 51 neue Modelle auf den Markt bringen und insgesamt sechs Millionen Autos und Kleinlaster pro Jahr verkaufen wird. Der Umsatz der Fiat-Autosparte soll bis 2014 auf 51 Mrd. Euro steigen. Das ist ungefähr doppelt so viel, als das Autogeschäft im Vorjahr ausmachte.

Vor allem die Chrysler-Marke Jeep soll in Zukunft zur globalen Marke werden und im Turiner Fiat-Werk Mirafiori hergestellt werden. Bei der Marke Dodge will Marchionne dagegen die US-Identität beibehalten. Zumindest in den US-Großstädten an der Ost- und Westküste soll der Retro-Flitzer Cinquecento überzeugen. (Thesy Kness Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Fiat-Chef Sergio Marchionne an der Mailänder Börse.

Share if you care.