Gelder von Ex-BayernLB-Vorstand in Austro-Stiftung

3. Jänner 2011, 18:21
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"Sonnenschein" heißt die österreichische Privatstiftung in der der Risiko-Vorstand sein Geld geparkt haben soll

München - Neue Turbulenzen bei der krisengebeutelten BayernLB: Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft die Herkunft des Vermögens eines früheren Vorstandsmitglieds. Eine Sprecherin der Behörde bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Demnach soll der frühere Risiko- Vorstand der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, in seiner Amtszeit 50 Millionen US-Dollar aus Mauritius und der Karibik erhalten und in einer österreichischen Privatstiftung angelegt haben. "Wir schauen, woher das Vermögen kommt und ob im Zusammenhang damit Straftaten geschehen sind", sagte die Sprecherin.

Das bayerische Finanzministerium verlangte von der Landesbank umgehend eigene Ermittlungen, um die Herkunft des Vermögens zu ergründen. Die Informationen der Zeitung seien im Ministerium bisher nicht bekanntgewesen, heißt es in einer Stellungnahme des Hauses. "Die Bayerische Landesbank wurde umgehend aufgefordert, eigene Ermittlungen anzustellen." Die Bank solle vor allem untersuchen, ob sich daraus weitere Schadensersatzansprüche gegen Gribkowsky ergeben könnten, heißt es in der Mitteilung weiter. Die BayernLB - bis Ende 2009 Mutter der Kärntner Hypo Alpe Adria - wollte sich nicht zu dem Bericht äußern, man werde den Angaben aber nachgehen, hieß es.

Laut "SZ" untersuchen die Ermittler, ob das Geld aus kriminellen Geschäften stammt, die mit der Formel 1 zu tun haben. Gribkowsky war von 2002 bis 2008 als Vorstandsmitglied für die Risikosteuerung und Vermeidung von Kreditausfällen zuständig. 2007 habe Gribkowsky ohne Wissen der BayernLB in Salzburg die "Sonnenschein Privatstiftung" gegründet und in einer Tochterfirma der Stiftung das Vermögen angelegt, das ihm zuvor aus Mauritius im Indischen Ozean und den Jungfraueninseln zugeflossen sei, hieß es in dem Bericht. Von den 50 Millionen Dollar seien nach Steuern in Österreich knapp 25 Millionen Euro übriggeblieben.

Familien-Vermögen

Gribkowsky selbst hatte sich in der vergangenen Woche an die Staatsanwaltschaft gewandt und diese über die Stiftung informiert, wie die Behörde bestätigte. Der Zeitung sagte der Ex-Vorstand dem Bericht zufolge zunächst, es handele sich um Familien-Vermögen. Anschließend habe er dazu keine weiteren Auskünfte mehr gegeben, heißt es weiter.

Gribkowsky wurde im Februar 2010 im Zusammenhang mit dem Fall Hypo Alpe Adria von der Staatsanwaltschaft München als Beschuldigter einvernommen und hat dabei das Vermögen der von ihm gestifteten Sonnenschein Privatstiftung nicht erwähnt. Ende Dezember 2010 kam Gribkowsky in die "SZ"-Redaktion, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Begleitet wurde er dabei laut "News" vom österreichischen Anwalt und Steuerberater Gerald Toifl. Wie das Magazin am Montag vorab berichtet, residiert die "Sonnenschein Privatstiftung" an der Salzburger Büroadresse von Gerald Toifl.

Bei allen drei österreichischen GmbHs, die der Stiftung gehören, sei Toifl Geschäftsführer, darunter auch bei der Stiftungsbeteiligung GREP GmbH. Dies geht auch aus dem aktuellen Eintrag im Firmencompass hervor. Toifl werde - wie die Staatsanwaltschaft Wien heute bestätigt habe - in Österreich derzeit in der Causa Buwog als Beschuldigter geführt, so "News". Toifl trat als Anwalt des langjährigen Grasser-Vertrauten Walter Meischberger in Erscheinung, der bei der Buwog-Privatisierung mehrere Millionen Euro Provisionen über Zypern und Liechtenstein erhalten hatte. Auf Anfrage in der Kanzlei war der Anwalt heute nicht erreichbar.

Formel 1?

Die Staatsanwaltschaft prüfe vor allem, ob die 50 Mio. Dollar aus der Formel 1 kommen könnten, mit der Gribkowsky bei der BayernLB auf Vorstandsebene jahrelang befasst war, hieß es in dem Bericht. Hintergrund ist die Pleite des einstigen Medienmoguls Leo Kirch, dem die BayernLB zwei Milliarden Euro geliehen hatte. Die Landesbank hatte das Kirch-Engagement bei der Formel 1 übernommen, um durch einen späteren Verkauf der Rennserie wieder zu ihrem Geld zu kommen. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft wollte sich zu Details der Untersuchung zunächst nicht äußern.

Gribkowsky gehört zu den früheren Vorstandsmitgliedern, von denen der Verwaltungsrat wegen des Milliarden-Fehlkaufs der österreichischen Hypo Group Alpe Adria Schadenersatz verlangt. Betroffen davon sind auch die früheren BayernLB-Chefs Werner Schmidt und Michael Kemmer sowie mehrere weitere Ex-Manager.

Angesichts der ungeklärten Herkunft des Vermögens des früheren BayernLB-Vorstands dringt die SPD auf ein Eingreifen der bayerischen Staatsregierung. "Ich fordere Horst Seehofer auf, die BayernLB endlich zur Chefsache zu machen, denn schließlich geht es um das Geld der bayerischen Bürgerinnen und Bürger", sagte die Vizechefin der BayernLB-Kontrollkommission und SPD-Landtagsabgeordnete Inge Aures am Montag in München.

"Es muss geklärt werden, ob durch dieses Geschäft der Landesbank ein weiterer Schaden entstanden ist, und wenn ja, in welcher Höhe", sagte Aures. "Angesichts der immer unglaublicheren Skandale rund um die Bayerische Landesbank bleibt einem die Spucke weg." Die Staatsanwaltschaft München prüft derzeit die Herkunft des Geldes. Gribkowsky gehört zu den früheren Vorstandsmitgliedern, von denen der Verwaltungsrat der Bank wegen des Milliarden-Fehlkaufs der österreichischen Hypo Group Alpe Adria Schadenersatz verlangt. Betroffen davon sind auch die früheren BayernLB-Chefs Werner Schmidt und Michael Kemmer sowie mehrere weitere Ex-Manager. Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Schatten über Sonnenschein" - im Bild: Besucher stehen am Messestand der BayernLB in München.

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