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vergrößern 600x400Dirigent Franz Welser-Möst setzte vor allem auf Vitalität und Heiterkeit der Strauß-Musik.

Der Lette Mariss Jansons leitet das Neujahrskonzert 2012.
Wien - Er wird es wohl nicht gleich als Strafe empfunden haben, nach dem offiziellen Programmteil mit der Signalkelle als Polka-Schaffner seine ersten Zugabeneinsätze (Eduard Strauß, Ohne Aufenthalt) gegeben zu haben. Ein bisschen unangenehm war Franz Welser-Möst die Humorpflichtübung beim Neujahrskonzert womöglich aber doch - jedenfalls wirkte das so, gemessen an der etwas reservierten Art, mit der er den Applaus für diese einzige heitere Entgleisung des Konzertes entgegennahm.
Wer den Musikvorgängen am ersten Strauß-Vormittag des Jahres 2011 im obligat blumenverzierten Wiener Musikverein allerdings mehr mit seinen Ohren und weniger mit den Augen folgte, dürfte kaum Humor-Askese als roten Faden entdeckt haben. Eher wird ihm dieses Konzert als eines der zwar äußerlich schmucklosen, von seiner musikalischen Anlage her aber heitersten in Erinnerung bleiben.
Das hängt zunächst mit der Werkauswahl zusammen, die eine Übermacht an effektvoll-drängenden Stücken aufwies. Zum anderen wähnte man Welser-Möst zumeist auf der Sonnenseite des Ausdrucks, auf der das Kecke eines Akzents zur lustigen Pointe wird und das Vitale dieses virtuosen philharmonischen Kollektivs zum Feuerwerk der Bestlaune.
Ein solcher Zugang kann mitunter als ein bisschen straff empfunden werden, da im Umgang mit der musikalischen Zeit selten wirklich großzügiges Innehalten gestattet scheint.
Und natürlich besteht der Preis dieser auf Transparenz der Stimmen und Verve angelegten Ästhetik darin, den Streichern etwas von jener schmerzhaften Schönheit ihres Ausdruck zu nehmen, die Walzern erst ihre Tiefe und Ambivalenz verleiht - besonders dort, wo man die Blechfraktion lautstärkemäßig an die Violinen anbindet und einen Mischklang produziert, der eher hell-diesseitig und ausgewogen, jedoch weniger abgründig-melancholisch wirkt (Joseph-Strauß-Polka Aus der Ferne).
Da gab es natürlich Ausnahmen, nämlich den Csárdás aus der Oper Ritter Pasman. Auch die Abwesenheit dieses glühenden Streicherausreißers hätte jedoch nichts daran geändert, dass dies ein sehr gutes Konzert war.
Mag der Neujahrs-Debütant Welser-Möst mitunter gewirkt haben, als wäre er der Darsteller eines Genießers, der die Philharmoniker einfach vor sich hin tänzeln lässt, hat er in Wahrheit dafür gesorgt, dass hier nichts beiläufig ausgespielt wurde. Als genauer Organisator von Verläufen sorgt er dafür, dass die zu motivierenden philharmonischen Damen und Herren in jeden Ton Gewicht hineinlegen; und er betont das Dialogische der Strukturen, indem er den Mittelstimmen viel Aufmerksamkeit widmet.
Da ein Flöten-Pfiff (Reiter-Marsch) wie ein herzhaft aus der Sektflasche knallender Korken, dort ein jubelndes Glissando mit anschließender furioser kollektiver Beschleunigung (Amazonen-Polka). Oder einfach die muntere Präsenz eines Stückes wie Spanischer Marsch (Johann Strauß) und ein grandios differenziert und unmittelbar ausgestalteter erster Mephisto-Walzer von Franz Liszt.
Hier hört man die Energie von Welser-Möst. Wenn er eine Intensität des Dramatischen erzeugen soll und Details in diesem Sinne zu organisieren hat, gelingt mit seinem Mix aus Genauigkeit und Vorwärtsdrang durchaus Besonderes. Insofern war das Programm insgesamt gut gewählt - ob es nun im Dommayer uraufgeführt wurde, zu dem Welser-Möst über seine Urgroßmutter Aloisia Wild (geborene Dommayer) in Verbindung steht, oder nicht.
Sollte wiederkommen
"Ich neige nicht dazu, ein großes Zirkuspferd zu sein", meinte Welser-Möst im Vorfeld. In diesem Sinne wünschte er auch der TV-Welt (nach der Pause waren in Österreich durchschnittlich 1,17 Millionen Zuschauer dabei) mit dem Orchester sehr knapp alles Gute für 2011 und ließ das Geklatsche beim Radetzky-Marsch unroutiniert schnell losbrechen. Wie auch immer. Die Philharmoniker sollte nichts davon abbringen, irgendwann wieder an Welser-Möst eine Einladung auszusprechen. Auch ein Georges Prêtre war beim zweiten Mal noch viel besser.
Ob auch Mariss Jansons bei seiner Neujahrswiederkehr noch zulegen kann, hört man pünktlich um 11.15 Uhr, am 1. Jänner 2012. (Ljubisa Tosic/ DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2011)
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wieso ausgerechnet welser-möst, der doch eher zu den ernsthaften, stillen gehört, dermaßen polarisiert. da haben ja manche (und noch viel mehr im anderen strang) schaum vor dem mund. ich find's aber doch im ganzen immer wieder schön, in einer stadt zu leben, in der musik und theater so erregen können. eine schlägerei im konzertsaal muss es ja nicht gleich sein - na ja, virtuell spielt sich hier schon was sehr ähnliches ab...
Konzert war ok.
FWM lächtelte dauer wie ein eingerauchter - aber nicht unsymphatisch :-))
Die Bildsprache allerdings war den 60er Jahren entsprungen. Selten sooooo langweilige Bildeinstellungen gesehen wie bei dem Neujahrskonzert heuer!!!
Es wird Zeit, den Regisseur auszutauschen!
Seine musikalischen Sporen verdiente sich Welser-Möst mit dem oö. Brucknerbund-Orchester in der Jahnturnhalle zu Ried im Innkreis, die er ob ihrer Akkustik immer noch sehr schätzt....
Ich warte auf empörte Reaktionen......
Ceterum censeo, grossartiges Konzert!
Selbst im aktuellen DUDEN findet sich akkurat mit 2 K, ebenso in der neuesten Ausgabe des Österreichischen Wörterbuchs.
Ihre Ausgabe ist wohl noch handschriftlich verfasst?
ABER sicherlich stammen wir alle aus dem vorigen Jhdt. - sonst wären wir ja erst so um die 10 Jahre alt, was ich nicht einmal für Sie und Ihres Geisteszustand hoffe!
versehen mit der Ergänzung: (veraltet) erläutert mit der Klärung: "penibel" und wird dem pädagogischen Bereich zugeordnet - ist also nicht nur altertümlich, was ich ja, wie geschrieben, reizend finde - wie ich sie ja allgemein für einen reizenden Zeitgenossen halte - sondern ist im Gesamtzusammenhang Ihres Satzes sogar falsch.
war nichts anderes als eine Reihung von Wörtern mit Doppel-K und somit als Gegensatz zu dem Posting gedacht, in welchem Akustik als "Akkustik" zu lesen war - was Ihnen aber wohl entgangen sein dürfte, vielleicht, weil Ihnen die falsche Schreibweise als die passende erschien....
Diese kleine Erklärung sollte in all ihrer Akkuratesse denen nützen, die Gelesenes auch zu verstehen wissen!
und wer - auch stilistisch - nicht geistreich zu schreiben weiss, sollte es lassen. Gerne dürfen Sie mir - reizend wie Sie ja immer sind mein Teuerster - eine geniale (?) Antwort posten. Dann wird ihr Geschreibsel wenigstens hier abgedruckt - es soll Ihrer Seele guttun. Vielleicht findet sich dann wieder ein netter Poster, der Ihnen ein bisschen antwortet, damit es Ihnen nicht gar so langweilig wird. Sie Ärmster.
mir hats gefallen.
Zwischendurch habe ich etwas "Pepp" vermißt - aber das liegt wahrscheinlich an meiner Präferenz für schwungvolle, abwechslungsreiche Stücke.
Der Dirigent hat sich als wahrer Dirigent heraus gestellt: Er hat die Musik in den Vordergrund gehoben und nicht sich selbst. Er war halt "auch" da. (Ich nehme an, er wollte auch genau das erreichen) So etwas gefällt mir.
Andere Dirigenten sind anders - und so gefällt es mir, immer wieder einmal jemand anderen in dieser Rolle zu sehen.
Mir wäre aber auch sehr daran gelegen, den Pausenfilm professioneller präsentiert zu bekommen. Teilweise verwackelte Bilder - teilweise vollkommen uninteressante Bilder.
- Die Intention dahinter ist mir klar. Nur: Es kommt nicht an.
Nur Harnoncourt hat mich bislang noch weniger interessieren können.
Aber der hat ja auch weder Humor noch Leichtigkeit und ist als Dirigent für Strauss vollkommen ungeeignet.
Von Welser-Möst hätte ich mir da schon mehr erwartet. Aber Witz und Esprit - wie sie zB Pretre 2008 zeigte - fehlte leider völlig.
Aber da ja W.-M. jetzt Staatsopernchef ist, müssen ihm alle Wiener Musikjournalisten kräftig den Bauch pinseln (von innen?).
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