39 Minuten Arbeit für ein Schnitzel

2. Jänner 2011, 18:57
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Auch wenn anscheinend "alles" teurer wird: Für viele Waren muss heute weniger gearbeitet werden als vor 30 Jahren

Wien - Es stimmt: Vieles hat sich über die letzten Jahrzehnte verteuert. Und doch hat sich der Lebensstandard in Österreich im Laufe der vergangenen 30 Jahre weitgehend verbessert. Denn parallel dazu sind auch die Nettolöhne gestiegen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat zum Jahreswechsel einmal berechnet, wie lange ein Industriearbeiter in den Jahren 1980, 1990, 2000 und 2010 arbeiten musste, um sich bestimmte Waren kaufen zu können.

Für einen Schweinsbraten musste ein Industriearbeiter demzufolge 1980 mehr als doppelt lange schuften wie heute. Um sich ein Wiener Schnitzel im Lokal servieren lassen zu können, stand er vor drei Jahrzehnten 50,3 Minuten an der Maschine, 2010 waren es hingegen 38,7 Minuten. Wollte er 1980 die Olympiade in Moskau mittels eines neuen Farbfernsehers verfolgen, musste er dafür knapp 229 Stunden hackeln, beinahe sechsmal so viel wie im vergangenen Jahr.

Stark gesunken ist der Arbeitsaufwand auch gegenüber dem Preis von Textilien und einer Reihe von Nahrungsmitteln wie Zucker oder Kaffee. Qualifizierte Dienstleistungen (wie für Installateure, Mechaniker, Friseure) haben hingegen erheblich zugenommen. Diese Divergenz ist in erster Linie auf den Anstieg der Lohnsteuern, der Sozialbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie der Gewinnaufschläge zurückzuführen, die in den Nettolöhnen der Industriearbeiter definitionsgemäß nicht enthalten sind.

Wer sich 1980 den Genuss von 250 Gramm Bohnenkaffee leisten wollte, arbeitete dafür mehr als eine halbe Stunde, heute etwa acht Minuten. Musste für einen Liter Benzin 1980 7,5 Minuten gearbeitet werden, sind es heute nur noch 4,9 Minuten. Wenig verändert hat sich hingegen beim Krügel Bier im Restaurant, der Frühstückssemmel oder dem Mischbrot: Wer sich diese gönnt, muss dafür heute im Vergleich sogar etwas mehr werken. (kat, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.1.2011)

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    Während für Butter weniger gearbeitet werden muss, blieb der Arbeitsaufwand für Bier und Brot im Laufe der letzten 30 Jahre fast konstant.

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