Einäugiger unter Blinden

2. Jänner 2011, 18:16
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Die klassischen Arbeitsmarkt-Instrumente haben funktioniert. Mehr aber auch nicht.

Die aktuelle Standard-Umfrage zeigt es deutlich: Der Arbeitsmarkt zählt nicht mehr zu den größten Sorgenkindern der Österreicher. Nur 16 Prozent haben „große Sorge" um den Job. Die aktuelle Arbeitslosen-Statistik scheint ihnen recht zu geben. Im Dezember ist die Zahl der Arbeitslosen zum zehnten Mal in Folge gesunken.

Die klassischen Arbeitsmarkt-Instrumente haben also funktioniert. Mehr aber auch nicht. Die wirklichen Herausforderungen lauern an anderer Stelle, etwa im Bildungssystem. Es ist bezeichnend, dass Teile der ÖVP auch im neuen Jahr eine umfassende Bildungsreform für nicht vordringlich halten. Wozu auch? Ein paar Länder sind ja im Pisa-Vergleich noch hinter Österreich. Die Schulversager von heute sind aber die Arbeitslosen von morgen. Schon jetzt jammern Firmen über mangelnde Lese- oder Schreibkenntnisse von potenziellen Lehrlingen.

Die zweite große Herausforderung ist die Konjunktur. Keine Frage: Österreich hat die Krise relativ gut überstanden, das Wachstum ist besser als in den meisten EU-Ländern. Man könnte aber auch auf das alte Sprichwort verweisen: Unter den Blinden ist der Einäugige König. Die „Krise relativ gut" zu überstehen, reicht nämlich nicht. Mit Wachstumsraten von knapp zwei Prozent wird die Zahl der Arbeitslosen noch länger hoch bleiben. Nicht nur für Österreich, sondern für ganz Europa gilt: Durchgetaucht wurde erfolgreich, durchgestartet noch nicht. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.1.2011)

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