Die sich ihre Jobs selbst schaffen

2. Jänner 2011, 17:51
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Kleinstunternehmer, Neue Selbstständige, Ein-Personen-Unternehmen: Immer mehr Menschen kommen ohne Anstellung aus

Sie sind Pfleger, Therapeuten, Berater, Kreative wie Filmschaffende oder Drehbuchautoren. Sie arbeiten im Internet als Webdesigner oder als Sicherheitsspezialist für die Informationstechnologie. Die Ein-Personen-Unternehmer und die "Neuen Selbstständigen" in Österreich sind von angestellten Beschäftigten kaum zu unterscheiden - außer, dass sie sich ihren Arbeitsplatz selbst geschaffen haben.

Die Gründe, warum es so viele von ihnen gibt, sind vielfältig - sie sind aber vor allem darin zu suchen, dass viele Firmen sehr zurückhaltend bei der Schaffung von Arbeitsplätzen vorgehen. Und dass die Wirtschaft mehr und mehr dazu tendiert, Dienstleistungen von außen zuzukaufen.

Anstatt also orientierungs- und arbeitslos auf einen angestellten Job zu warten, machen sich viele Menschen lieber mit einer Geschäftsidee selbstständig. Auch bevorzugen es ältere Arbeitnehmer ab rund 50 Jahren, sich mit ihrem großen Erfahrungsschatz selbstständig zu machen - im Wissen, dass sie am "normalen" Arbeitsmarkt mit 50 plus sowieso kaum mehr Chancen haben.

Jungunternehmer

Häufig stellen die Jungunternehmer, die oft gar nicht mehr so jung sind, fest, dass sie die Freiheiten, die die Selbstständigkeit mit sich bringt, schätzen. Dementsprechend ist bei einer Untersuchung, die die KMU-Forschung über Ein-Personen-Unternehmen in Österreich zuletzt 2009 vorgenommen hat, herausgekommen, dass diese kleinen Wirtschaftseinheiten ein hohes Maß an Marktorientierung aufweisen. Laut Wirtschaftskammer Österreich (WKO) gibt es rund 225.600 EPUs (Ein-Personen-Unternehmen).

Allerdings gibt es auch viel Schatten. Der durchschnittliche Unternehmerlohn mit 23.200 Euro brutto im Jahr ist nicht berauschend und niedriger als das durchschnittliche Einkommensniveau im Angestelltenbereich (32.000 Euro). "Die insgesamt schwächere Rentabilität im Vergleich zu größeren Unternehmen ist auf fehlende Skaleneffekte zurückzuführen", erläutert Studienautor Peter Voithofer von der KMU-Forschung Austria, fügt jedoch an, dass viele nur Teilzeit arbeiten. Doch sind 36 Prozent der Unternehmer überschuldet und können ihre Kosten nicht decken, so die Untersuchungen. Auch hat die Wirtschaftskrise etwa ein Viertel an den Umsätzen der EPUs weggeknabbert.

Doch ist der Zug Selbstständigkeit voll in Fahrt und nicht aufzuhalten. Die Politik, die sich um diese wachsende Wählerschicht lange Zeit nicht wirklich kümmerte, hat bei den letzten Steuerreformen auch an die EPUs gedacht. Elisabeth Zehetner, Bundesgeschäftsführerin der Jungen Wirtschaft in der WKO, weist darauf hin, dass es eine Jahressechstel-Regelung gibt - analog zur Steuerbegünstigung beim 13. und 14. Gehalt von unselbstständig Beschäftigten.

Steuerdruck

Dennoch klagen die Kleinstunternehmer über den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Druck, der auf sie ausgeübt wird. Hohe Beiträge zur Pensionsversicherung und andere sozialversicherungsrechtliche Abgaben sowie starke Steuerbelastung führen dazu, dass sich viele als steuerliche Melkkuh fühlen: Man müsse unternehmerisch agieren, ohne die Vorteile der angestellten Sicherheit zu haben. Eine der Forderungen ist etwa, dass Arbeitszimmer im Wohnverbund leichter abgesetzt werden können.

Ein-Personen-Unternehmer sind übrigens am häufigsten in Pflegeberufen tätig. Nach einem Pflegeskandal im Jahr 2007 wurde die "Selbstständige Personenbetreuung" als eigenständiges Gewerbe eingeführt. Die zweitgrößte EPU-Gruppe ist im Bereich Unternehmensberatung tätig, gefolgt von Informationstechnologie und Werbung. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 3.1.2011)

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    Manch eine/r will nicht im "Hamsterrad Angestelltenjob" landen, anderen bleibt gar nichts anderes übrig - die Motive für Selbstständige sind vielfältig.

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