Namensrecht muss angepasst werden

2. Jänner 2011, 17:13

Justiz arbeitet an Novelle - Grüne: Erleichterung bei Doppelnamen

Wien - Würde Maria Vassilakou, Chefin der Wiener Grünen, einen Sohn kriegen, hätte der ein Problem. Zumindest was den Namen angeht. Denn der Nachname der gebürtigen Griechin endet auf -ou. Was bedeutet, dass es sich um eine Frau handelt: "Die Tochter des Vassilakos".

Ihr Sohn müsste nach griechischen Namenskriterien dann Vassilakos heißen, würde nach österreichischem Namensrecht aber den Namen der Mutter - Vassilakou - erhalten. Er würde also "Tochter des Vassilakos" heißen - was bei einem Urlaub in seiner Mutters Heimatland für Hänseleien sorgen könnte.

Es sind Fälle wie diese, die den grünen Nationalratsabgeordneten Albert Steinhauser vehement auf eine Änderung des österreichischen Namensrechts dringen lassen: "Aus Rücksicht auf die kulturellen Besonderheiten wäre mehr Flexibilität gefragt."

Doppelname für Kinder

Aber auch in anderen Bereichen sieht Steinhauser Handlungsbedarf. Das gängige Namensrecht sei "veraltet und spiegelt die männliche Dominanz in Österreich wider". Die Grünen fordern eine "Abschaffung des Namensprivilegs des Mannes" und wollen so beispielsweise ermöglichen, dass die Ehepartner in beliebiger Reihenfolge einen Doppelnamen führen können. Außerdem sollen für Kinder Doppelnamen erlaubt sein, die sich aus den Namen der Eltern zusammen setzen.

Der Wunsch nach Doppelnamen werde auch immer öfter an das Justizministerium herangetragen, sagt Birgit Bürger. Sie ist stellvertretende Kabinettschefin im Ministerium und zuständig für die seit Sommer eingesetzte Arbeitsgruppe, die das Namensrecht evaluieren soll: "Wir haben die Arbeit daran beendet. 2011 soll der Entwurf finalisiert werden." Nach nochmaliger Prüfung durch Justizexperten soll der Entwurf somit im Frühjahr in parlamentarische Begutachtung gehen.

Bisher ist das Gesetz, vor allem was Doppelnamen betrifft, starr. So kann etwa kein gemeinsamer Doppelname geführt werden - lediglich einer der Ehegatten kann den Namen seines Partners seinem bisherigen Familiennamen vor- oder nachstellen.

Einschränkungen gibt es ebenfalls bei der Namensweitergabe an Kinder: So ist es nicht möglich, dass Eltern ihren Kindern einen Doppelnamen geben, der sich aus ihren beiden Familiennamen zusammensetzt.

Generell wird der Name des Vaters bevorzugt behandelt: Wenn Eltern bei der Heirat keinen Namen bestimmen, erhält das Kind automatisch den Namen des Vaters. Ähnlich bei dem Familiennamen: Können sich die Partner nicht auf einen der beiden Namen einigen, wird automatisch der Familienname des Mannes zum gemeinsamen Ehenamen.

Ministerin als Hoffnung

"Gewisse Modernisierungen sind wegen der Mitgliedschaft bei der EU und den daraus folgenden Veränderungen auch in anderen Ländern nötig geworden", heißt es aus dem Justizministerium. Im neuen Gesetzesentwurf soll es nun unter anderem Änderungen bei der Berücksichtigung anderer Kulturkreise sowie bei den Doppelnamen geben. Das sei aber "alles noch nicht in Blei gegossen", sagt Bürger.

Traditionell bremst die ÖVP eher, wenn es um ein allzu liberales Namensrecht geht. Diesmal setzt Steinhauser jedoch große Hoffnung in Justizministerin Claudia Bandion-Ortner: "Sie hat einen Doppelnamen - und deswegen vermutlich eine gewisse Sensibilität und auch ein Interesse an dem Thema." (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 287
1 2 3 4 5 6 7
Chocoholic
00
Warum soll automatisch der Name des Mannes gelten?

wenn ich mich nicht einigen kann oder will, warum lässt man da nicht den Status quo?

ich bin schon neugierig: im europaischen Ausland wohnend dort nach den gesetzlichen Regelungen geheiratet, inklusive Namensbeibehaltung ( ist dort EIN Formular, ohne dem nicht geheiratet werden darf, in dem jeder seinen alten und seinen neuen Namen angeben MUSS) und in Wien wurde mir mitgeteilt, dass mir OHNE mein Einverständnis mein Name geändert wurde, und zwar auf den
Namen meines Mannes... Also lebe und reise ich seit ein paar Jahren angeblich unter falschem Namen! wie komme ich dazu? Nur weil ich eine Frau bin, kann man mir meinen Nachnamen mutwillig verändern?

Urs
00
18.1.2011, 15:06
Unter gewissen Bedingungen ja:

http://help.gv.at/Content.N... 20000.html

das ist fix
00

Ist Herrn Steinhauser nicht aufgefallen, dass im Beispielfall das griechische Namensrecht veraltet ist -und nicht das österreichische.

der znev
01

Veraltet? Sie meinen z.B. auch in Island sollen jetzt die Söhne von Frau Gudmundsdottir nach ihr benannt werden, also etwa Björn Gudmundsdottir, und der Sohn der ledigen Frau Kowalska in Polen soll gefälligst auch Pjotr Kowalska heißen, und nicht Kowalski, weil wenn wir Ösis den Nachnamen nicht dem Geschlecht des Trägers/der Trägerin oder dem eines Elternteiles angepassen dann hat das gefälligst auch der Rest der Welt zu tun.

das ist fix
02
Da werden schon wieder Probleme ERFUNDEN

"der Name endet auf -ou; was im griechischen bedeutet, dass es sich um eine Frau handelt"

Ja, und? - in Österreich wissen das doch nur eine Handvoll Menschen.

Sollte der fiktive Sohn von Frau Vassilakou einmal nach Griechenland auswandern, dann kann er ja dann dort seinen Namen ändern - was auch verständlich wäre.

T. Rex
00

wie so oft konzentrieren sich die grünen auf die wahren probleme österreichs.

Westi Hojatsch
03
Gar nix "muss".

Abendland
 
00

Das ist typisch Std., wie der ganze Artikel hier.

Fred Fusel
10
Frau Vasilakou

ist doch Doppelbürgerin! Griechin und Österreicherin!
Bekommt sie einen Knaben ist dieser auch Doppelbürger. Nach österr. Recht heißt er dann Vasilakou und nach griechischem Recht Vasilakos!
Wo ist da das Problem?
Allenfalls besteht es in der Doppelbürgerschaft!

North Ace
10

Was soll denn der Blödsinn: "Wenn Eltern bei der Heirat keinen Namen bestimmen, erhält das Kind automatisch den Namen des Vaters. Ähnlich bei dem Familiennamen: Können sich die Partner nicht auf einen der beiden Namen einigen, wird automatisch der Familienname des Mannes zum gemeinsamen Ehenamen."

Im Gesetz wird doch wohl kaum stehen, daß die Tochter auch den Vornamen des Vaters bekommt.

Richard5253
11
Können sich die Partner nicht auf einen der beiden Namen einigen ...

sollten sie besser nochmal darüber nachdenken, ob sie wirklich heiraten wollen

Chocoholic
00
Ich "konnte mich auch nicht einigen", sprich, wir haben uns

Geeinigt, den Status Quo beizubehalten. Aber leider geht das nur, wenn ich vorher darum ansuche, wenn ich nichts mache oder im Ausland heirate, wird mir mein Name wie der eines Viehs einfach ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung geändert. so ist das in Österreich. statt bei Eechtsunsicherheit den Status zu belassen, der rechtssicher war, wird eine
Frau einfach umbenannt.

M. K. 4
00

Wir wurden, als wir den Termin für unsere Hochzeit vereinbarten, am Standesamt genau nach unseren Daten gefragt, und ebenfalls gefragt wer welchen Namen, Doppelnamen annehmen wird bzw den Namen behalten wird. Keine Spur von Vieh.

Chocoholic
00
Ich wurde nicht gefragt, ich war zu dem Zeitpunkt

Sie mussten einen Namensantrag als Mann stellen, weil Sie Ihren Namen behalten wollten, also ganz einfach nichts ändern wollten? Dem ist eben nicht so. ich habe ja das, was in einem anderen europäischen Land als dort resident notwendig war, um zu heiraten, alles erfüllt. dort müssen BEIDE dasselbe Formular ausfüllen, wie sie vorher heissen und wie sie nachher heissen wollen, nix von automatische Namensänderung der Frau, nur weil sie eine Frau ist. Das wurde aber in Österreich nicht akzeptiert, wo eben der Frau UNGEFRAGT der Nachname einfach auf den Namen des Gattin geändert wird. So schauts aus. UNGEFRAGT. Ich wurde NICHT gefragt. Es wurde über mich bestimmt, mit der Argumentation der "Rechtsunsicherheit".

Freund der kärntner Fandangos grandes (ex Foromat)
00
26.2.2011, 00:43

Dann Gehens bitte aufs Standesamt und ändern ihren Namen wieder so wie sie ihn haben wollen und sudern da jetzt nicht rum.

M. K. 4
01

dann sollen sie einfach die Geburtsnamen behalten, machts bei der Scheidung einfacher

M. K. 4
23
Bitte!!!

JAAAAA!!! Doppelnamen für alle!! und für Kinder Vierfachnamen!!

Und sowieso für alle die nicht von Geburt an Habsburg-Lothringen heißen!!

Unfaßbar wie peinlich der Drang zur Selbstdarstellung bei manchen ausartet.

Sein minimales Selbstbewußtsein sollte man anders fördern, als seiner Umwelt aufzuzwingen sich diese Namen zu merken.

Chocoholic
00
Also ich hab vier buchstaben, mein Mann 5, das werden Sie sich

Doch grad noch merken können!

M. K. 4
00

Und wo ist die Grenze? Ihren Namen muß man sich merken, weil eh so kurz. Und was ist mit den anderen?

Chocoholic
00
Schaun Sie, mir wurde mein Name in Österreich automatisch verändert,

OHNE dass ich gefragt wurde. Doppelnamen halte ich für schwachsinnig, aber ich denk mir, wer gibt Ihnen das Recht über meinen Nachnamen zu nörgeln und ihn mir zu verbieten, weil er einen oder zwei Buchstaben länger ist als Ihrer?

Freund der kärntner Fandangos grandes (ex Foromat)
00
26.2.2011, 00:47

Also wenn dann Kinder Doppelnamen bekommen wird das lächerlich , die heiraten dann jmd mit Doppelnamen und trara die Kinder haben einen vierfach Namen usw usf
die Kinder sollen den namen von Vater oder Mutter bekommen, können sich ein paar Schwachköpfe nicht einigen so muss das los entscheiden oder sie bekommen noch ein 2. Kind und schon ist der Gerechtigkeit genuege getan

M. K. 4
00

Ich verbiete nichts und nörgel auch nicht über Ihren Nachnamen. Ich frage mich nur warum es nicht möglich ist, sich entweder für den Namen des Partners zu entscheiden oder den eigenen zu behalten. Dieses Machtspiel unter den Partnern das da so oft mitspielt, wer derjenige ist der sich durchsetzt, diese Wichtigtuerei ("hab schon publiziert..., bin geschäftlich bekannt, der Name meines Papi öffnet mir Türen, darauf will ich nicht verzichten.., wer weiß wie lang die Ehe hält.., -und, der Beste- WIR GRÜNDEN EINE DYNASTIE ")

Schaun Sie, Sie haben sicher gute Gründe gehabt für Ihre Wahl. Ich stelle aber in meiner Umgebung fest, daß die Wahl des Namens sehr von Egoismus und Machtstreben geprägt ist, das jeder durch diese Namenskolonnen ausbadnmuß

super cat
10

...und dann heiraten zwei Kinder mit Doppelnamen usw. usw. und nach drei Generationen haben sie 16...
Schwachsinn.

Einfach bei der Eheschließung auf einen der Namen für zukünftige Kinder einigen, wie jetzt, wenn die Eheleute ihre bisherigen Namen beibehalten. Da kann man vorab den "besseren" (unproblematischeren) Namen aussuchen und dann heißt der Sohn nicht Vassilakou sondern trägt den Nachnamen seines Vaters. Es gibt alle möglichen Namen die in anderen Sprachen nicht so toll sind, bekanntes Beispiel Johnny Depp. Dem Kind zuliebe kann das nicht so schwer sein.
Ehepaar meinetwegen beide Doppelname oder keiner, ist größtenteils doch eh Wichtigtuerei.

North Ace
02

Denken's doch ein bisserl mit. Bei der Eheschließung von Kindern mit Doppelnamen fallen natürlich zwangsweise wieder alle Familiennamen bis auf zwei weg – zumindest, wenn der Gesetzgeber nicht ebenso blöde Ideen hat, wie Sie.

Jörg Schmidt XS
00

man kann seinem kind bereits jetzt dutzende vornamen geben.

niemand hat ein interesse an endlosen nachnamen, deswegen betreiben sie fantasterei

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 287
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.