Das ewige Derby

2. Jänner 2011, 16:01
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Die gemeinsam mit den Kärntner Duellen zwischen Klagenfurt und Villach heißesten Spiele des EBEL-Grunddurchgangs gehen in Slowe­nien über die Bühne. Am Samstag stand wieder einmal das "Derbi" zwischen Jesenice und Olimpija am Programm

Das ewige Derby

Keine anderen beiden Klubs der EBEL trafen in ihrer Geschichte so oft aufeinander wie der HK Jesenice und Olimpija Ljubljana: Am Samstag standen sich die beiden traditionsreichen Rivalen zum 434.Mal gegenüber. Ein Spiel, aus dem der Tabellenletzte mit einem klaren 5:1-Sieg hervorging - vor mehr als 4.000 begeisterten Fans.

Slalom-Weltmeister

Es ist eine lange Schlange an Autos, die sich vom Skiort Kranjska Gora der engen Straße dem Flusslauf der Sava Dolinka entlang in Richtung Südosten bewegt. Wintersportler aus den dichter besiedelten Regionen Sloweniens tuckern über die Landstraße zur Autobahnauffahrt kurz vor Jesenice. Doch aus dem Fenster des einen oder anderen Fahrzeugs hängt ein roter Schal, die Beifahrer prosten sich mit Bierdosen zu. Auch ihr Ziel ist Jesenice, dort jedoch nicht die breite Straße gen Süden sondern die alt-ehrwürdige Dvorana Podmežakla, in der es an diesem Abend sehr eng werden wird. Jesenice gegen Olimpija, das Spiel der Spiele im slowenischen Hockey, steht an, eine Partie, die nach wie vor die Massen bewegt.

In einem der Autos in der Schlange sitzt auch Kalle Palander, finnischer Slalom-Weltmeister von 1999, derzeit auf Trainingslager in Kranjska Gora. Über seinen in Jesenice spielenden Freund Toni Dahlman auf den Klub gestoßen, besitzt Palander längst einen Schal des Klubs aus der Gorenjska - ihn wird er knapp zwei Stunden später auch tragen, wenn er das slowenische Derby mit dem Ehren-Faceoff eröffnen wird.

Srečno 2011

Parkplätze sind im Umfeld der Eishalle in Jesenice, eingezwängt zwischen Fluss und Autobahn, Mangelware, gerade an Abenden wie diesem. Die freundlichen Ordner leiten die Fahrzeuge der Eishockeyfans auf die Schotterstraße im Westen der Anlage, wo vierspurig geparkt wird. Wer zu spät kommt, muss sich hinten anstellen und somit nach dem Spiel warten, bis die Insassen der Autos vor ihm das letzte Union Pivo in der Hallenkneipe hinuntergespült haben, zu ihren Fahrzeugen zurückkehren und so die Ausfahrt frei machen.

Dementsprechend gut gefüllt ist der Vorplatz der Podmežakla eine gute Stunde vor dem Spiel. Bunt gemischt stimmen sich die Anhänger der Heimischen und Olimpijas mitgereiste Fans auf das vierte Saisonderby ein. Von der Hallenwand leuchtet ein freundliches „Srečno 2011" und wünscht den Menschen ein gutes neues Jahr, fast idyllisch wirkt das Bild. Doch dem war nicht immer so, denn bis vor wenigen Jahren kam es auf diesem Platz regelmäßig zu Ausschreitungen, meist gingen sie vom Anhang der Hauptstädter aus, die neben dem Fußballklub NK Maribor der einzige Verein in Slowenien sind, in dessen Umfeld sich sogenannte „erlebnisorienierte Fans" tummeln.

Beeindruckende Stimmung

Diesmal bleibt jedoch alles ruhig. Wie stets in der jüngeren Vergangenheit - die gewaltbereiten Teile von Olimpijas Fans scheinen das Interesse am Eishockey verloren zu haben. Obwohl die „Drachen" mit drei Siegen am Stück im Gepäck nach Jesenice kommen, werden sie nur von recht wenigen Anhängern begleitet, am Ende sind es gut 200, die vor dem Spiel akustisch deutlich den Ton angeben.

Spielerisch hat jedoch von Beginn an der Tabellenletzte aus Jesenice die Oberhand. Fast im Minutentakt kommen die „Steelers" zu guten Einschussgelegenheiten, mit jeder vergebenen Chance werden die Anfeuerungsrufe von der größten Stehplatztribüne der EBEL noch lauter. Es scheint, als wolle das Publikum den slowenischen Meister förmlich zum ersten Treffer und in weiterer Folge zum Sieg brüllen. Im Gästesektor ist es unterdessen ruhiger geworden, lediglich ein besonders origineller Fan, der die sexuellen Vorlieben der hiesigen männlichen Bevölkerung bei Schafen verortet und dies der gegenüberliegenden Tribüne mittels selbstgemaltem Plakat mitteilen möchte, fällt auf.

Der Tabellenletzte dominiert

Das Spiel selbst ist nach knapp 24 Minuten mehr oder weniger gelaufen: Jesenice konnte seine Feldüberlegenheit innerhalb von acht Minuten in vier Treffer ummünzen, während Ljubljana wie so oft in Auswärtsspielen ein gänzlich anderes Gesicht als in der heimischen Hala Tivoli zeigte. Nach 28 Minuten hat dann auch der in den letzten Wochen so starke tschechische Schlussmann Olimpijas, Jan Chábera, genug, für ihn kommt Matija Pintarič. Kurz keimt im Lager der Grün-Weißen Hoffnung auf, als John Hughes sein erstes Powerplay-Tor der Saison erzielt. Nahezu von der verlängerten Torlinie spielt er einen Querpass, Jaako Suomalainens Schoner kosten dem finnischen Goalie das Shutout. Doch in Minute 37 stellt Brett Lysak in Überzahl mit seinem 18.Saisontreffer den alten Vier-Tore-Abstand wieder her, an seinem 5:1 sollte sich in der Folge bis zum Ende auch nichts mehr ändern.

Trompetensolo am Eis

In den letzten Minuten des Schlussabschnitts ist es eine lautstarke Welle der Euphorie, auf der die Gastgeber dem Sieg entgegenreiten. Immer wieder tönt das so eindrucksvolle, langgezogene „Jeee-seee-niii-ceee" durch die Podmežakla. Als die Sirene ertönt, trennen sich einige der Fans von ihren übriggebliebenen Silvesterkrachern, im aufsteigenden Rauch am Eis nimmt Niko Legat Aufstellung. Der Trompeter der „Oberkrainer aus Begunje" gibt am Mittelkreis unter dem lautstarken Jubel des Publikums ein „Siegesecho" zum Besten. Auch die Ordnungshüter wirken euphorisiert, sie übersehen den Stehplatzbesucher im Teenageralter, der sich über das Plexiglas Zutritt zur Eisfläche verschafft. Minutenlang steht er dort und schwenkt seine große Flagge mit dem Anti-Olimpija-Aufdruck: Einem durchgestrichenen grünen Frosch.  (Hannes Biedermann, derStandard.at)

  • Srečno 2011 - das „gute, neue Jahr" startete mit dem „Derbi" Jesenice vs. Olimpija.
    derstandard.at/hannes biedermann

    Srečno 2011 - das „gute, neue Jahr" startete mit dem „Derbi" Jesenice vs. Olimpija.

  • Im Schein der bengalischen Feuer zeigt sich die relative Unbeliebtheit von Fröschen in Jesenice.
    derstandard.at/hannes biedermann

    Im Schein der bengalischen Feuer zeigt sich die relative Unbeliebtheit von Fröschen in Jesenice.

  • Zu Spielbeginn hängen dichte Rauchschwaden an der Hallendecke.
    derstandard.at/hannes biedermann

    Zu Spielbeginn hängen dichte Rauchschwaden an der Hallendecke.

  • Einsam und allein musste sich Olimpija-Goalie Chábera der drückenden 
Übermacht aus Jesenice entgegenstellen.
    derstandard.at/hannes biedermann

    Einsam und allein musste sich Olimpija-Goalie Chábera der drückenden Übermacht aus Jesenice entgegenstellen.

  • Auch im Jubel schwingt die Antipathie für die Hauptstadt und ihren 
Klub mit.
    derstandard.at/hannes biedermann

    Auch im Jubel schwingt die Antipathie für die Hauptstadt und ihren Klub mit.

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