Athen rudert zurück: Grenzzaun "nur" zwölf Kilometer lang

3. Jänner 2011, 11:39
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Regierung hatte Zaun ähnlich jenem an der Grenze USA-Mexiko angekündigt - 80 Prozent der Asylsuchenden kommen über die Türkei in die EU

Athen - Als Maßnahme gegen Einwanderung über die grüne Grenze plant Griechenland den Bau eines Zauns entlang des größten Teils der 206 Kilometer langen Grenze zur Türkei. Dies sagte der griechische Minister für Bürgerschutz, Christos Papoutsis, am Samstag der griechischen Nachrichtenagentur ANA.

USA als Vorbild

"Wir planen einen Zaun zu bauen, um die illegale Migration abzuwehren". sagte Papoutsis. Als Vorbild solle jener Zaun gelten, den die USA entlang der Grenze zu Mexiko errichtet haben.

Die Aussage sorgte am Wochenende für erhebliche Kritik, worauf der Minister sich am Montag veranlasst sah, zu relativieren: Wie am Montag verlautete, plant Athen vorerst einen 12,5 Kilometer langen und drei Meter hohen Zaun entlang des am stärksten frequentierten Punktes am Grenzfluss Evros bei der Kleinstadt Orestiada.

"Der Zaun wird keine Probleme lösen", kommentierte am Montag die linksliberale Athener Zeitung "Eleftherotypia".

"Täglich 200 Flüchtlinge"

Die griechisch-türkische Grenze führt durch das Flachland am Fluss Evros (türkisch: Meric) und das Flussdelta entlang. Laut Angaben der EU-Kommission reisen inzwischen mehr als 80 Prozent der irregulären Einwanderer in die EU über Griechenland ein, die meisten aus Afghanistan und dem Irak. Im Jahre 2010 kamen nach Angaben des Ministers "täglich rund 200 Flüchtlinge" über die Türkei nach Griechenland.

Griechenlands Behörden sind mit der Menge an Asylsuchenden überfordert. Rund 300.000 Menschen leben ohne jeglichen Status im Land, viele von ihnen betteln auf den Straßen der Städte. Hunderte versuchen, auf eine der Fähren nach Italien zu kommen.

"Grenzschutz"

Griechenland hatte vor zwei Monaten die Dienste der EU-Grenzagentur Frontex angefordert. Seit November arbeiten dort zusammen mit den Griechen rund 200 Beamte der Frontex. Die EU-Beamten helfen Griechenland, die Landgrenze zur Türkei zu kontrollieren und Flüchtlinge in die Auffanglager zu bringen. Unklar ist aber, wie es dann weitergehen soll. Die Aufnahmelager sind restlos überfüllt. Menschenrechtsorganisationen üben scharfe Kritik an der griechischen Asylpolitik und den Zuständen in griechischen Aufnahmelagern.

Unklar blieb die Haltung der EU-Kommission zu den griechischen Plänen, einen Grenzwall aufzuziehen. Die EU führt Beitrittsgespräche mit der Türkei.  (APA)

  • Kind hinter Gittern: Menschenrechts-Beobachter kritisieren die Lage in den Auffanglagern am Grenzfluss Evros. Im Bild ein minderjähriger Flüchtling im Aufnahmezentrum Kyprinos, an der türkisch-griechischen Grenze
    foto: epa/nikos arvanitidis

    Kind hinter Gittern: Menschenrechts-Beobachter kritisieren die Lage in den Auffanglagern am Grenzfluss Evros. Im Bild ein minderjähriger Flüchtling im Aufnahmezentrum Kyprinos, an der türkisch-griechischen Grenze

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