"Farce" von Garmisch schnell abhaken

2. Jänner 2011, 12:08
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Morgenstern hofft auf fairen Wettkampf in Innsbruck - Ammann: "Bin immer noch ein Herausforderer" - Larinto muss Saison beenden

Innsbruck - Sven Hannawald kann aufatmen und auch die österreichische Serie an Tournee-Tagessiegen ist gebrochen. Nach einem von gefährlichen Windböen beeinflusstem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, das u.a. Titelverteidiger Andreas Kofler vom 5. auf den 29. Zwischenrang aussichtslos zurückgeworfen hat, hatten die ÖSV-Adler nicht viel Zeit, eine Halbzeit-Bilanz der 59. Tournee zu ziehen. Schon am Sonntag stand die Qualifikation in Innsbruck auf dem Programm, Gesamtleader Thomas Morgenstern gelang es wohl am schnellsten aus dem Österreicher-Lager den zweiten Bewerb abzuhaken.

"Es ist ein Freiluftsport, ich habe versucht, mein Bestes zu geben", sagte Morgenstern, bei dessen Sprung am Schanzentisch ein bereits im irregulären Bereich befindlicher Seitenwind von rund vier Metern pro Sekunde herrschte. Er landete immerhin bei 124 m und rettete so die Gesamtführung vor Tagessieger Simon Ammann. Der einzige Schweizer bei der Tournee hat sich den ersten Gesamtsieg bei dieser Großveranstaltung zum Saisonziel gesetzt, gleiches gilt freilich auch für Morgenstern. Auch der Kärntner hat die Tournee bisher noch nie gewonnen.

Als Leader nach Innsbruck

"Ich freue mich, als Tournee-Leader nach Innsbruck zu kommen", sagte Morgenstern, der im Weltcup 198 Punkte vor "Pechvogel" Kofler und 262 vor Ammann führt. In der Tournee-Wertung ist sein Vorsprung auf den ersten Verfolger Ammann auf nur noch 13,5 Punkte geschrumpft. "Ich hoffe auf einen fairen Wettkampf, dann ist in Innsbruck sicherlich auch viel drinnen", weiß der dreifache Olympiasieger, dem ein Sieg auf dem Bergisel noch in seiner Trophäensammlung fehlt. Morgensterns bisher bestes Resultat war Platz zwei 2006/07 gewesen.

Für den vierfachen Olympia-Goldmedaillengewinner aus der Schweiz war nach dem Neujahrs-Sieg nach nur einem Durchgang freilich alles eitel Wonne: "Es war für mich ein perfekter Start des Jahres. Es ist ein Turnier, jeder Sprung zählt hundertprozentig. Es ist normal, dass manche Athleten sich aufregen. Am Ende des Tages muss man seine Sachen zusammenhaben, man braucht alle Fähigkeiten", lobte sich Ammann.

Es sei ein Wettkampf gewesen, bei dem man gesehen habe, "dass es immer noch einige Unterschiede zwischen den Wettkämpfern gibt". Natürlich ist er nun in der psychologisch besseren Rolle, aber: "Ich bin immer noch ein Herausforderer. Innsbruck ist nicht die leichteste Schanze. Ich werde versuchen, die guten Emotionen mitzunehmen", wollte er das gestärkte Selbstvertrauen nach Österreich mitbringen.

Spekulationen um Rücktritt

Spekulationen, wonach der 29-jährige Ammann nach Erfüllung seines letzten großen Ziels, seine Karriere heuer beenden könnte, wies der kleine Schweizer mit den so großen Erfolgen zurück. "Ich versuche eine gute Saison zu machen, danach werde ich entscheiden, ob ich noch drei Jahre weitermache oder aufhöre."

Und als würde er schon jetzt seine Gefährlichkeit auch für die Nordische WM Ende Februar in Oslo ankündigen wollen, hatte er schon zuvor erwähnt, wie gut er mit dem Wind auch auf dem Holmenkollen hatte umgehen können. "Den Willen zu gewinnen mit der Risikoabschätzung abzustimmen, das habe ich gut im Griff. Ich habe eine riesige innere Kraft", strotzt Ammann vor Selbstbewusstsein.

Morgenstern nahm die Tatsachen sportlich fair entgegen, zu jammern scheint der fünffache Saisonsieger ohnehin aus seinem Vokabular gestrichen zu haben. "Es bringt mir nichts. Sie haben den Wettkampf durchgezogen, er wird gewertet, der Rest ist Energieverschwendung." Die Fokussierung auf die wesentlichen Dinge hat er wohl auch ein bisschen bei seinem neuen, ösv-externen Mentalbetreuer gelernt. 

Saison für Larinto beendet

Der Finne Ville Larinto zog sich bei seinem Sturzin Garmisch-Partenkirchen einen Kreuzbandriss zu. Für den 20-Jährigen, der am 1. Dezember in Kuopio seinen ersten Weltcupsieg gefeiert hatte, ist die Saison damit beendet. Larinto war bei dem nach teilweise irregulären Bedingungen auf einen Durchgang verkürzten Wettkampf bei einem Sprung auf 140,5 Meter zu Fall gekommen. (APA)

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    Andreas Kofler hätte um ein Haar eine Brezen gerissen.

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