Wieso Hoffenheim in heller Aufregung ist

1. Jänner 2011, 20:28
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David Alaba hat seinen nächsten Karriereschritt gesetzt. Der 18-jährige Wiener wechselt leihweise von Bayern München zu 1899 Hoffenheim. Trainer Ralf Rangnick hat indes den Klub verlassen - aber nicht wegen Alaba.

München/Wien - In der Weihnachtspause hat sich David Alaba mit den Klub-Verantwortlichen von Bayern München zusammengesetzt. Es galt, eine persönliche Bilanz über die Herbstsaison zu ziehen. Vor allem ging es im Gespräch aber darum, die Weichen für die künftige Entwicklung des 18-Jährigen zu stellen.

Am Neujahrstag wurde das Ergebnis präsentiert, Alaba wechselt bis Saisonende zum Liga-Konkurrenten 1899 Hoffenheim. "Wir haben ihn verliehen und nicht verkauft", betonte Bayerns Trainer Louis van Gaal. "Ich glaube, Alaba ist ein großes Talent. Aber das Problem ist, dass er bei Bayern München keine Spielzeit bekommt. Und das ist nicht gut für ein großes Talent."

Nur zweimal wurde Alaba von Van Gaal in der aktuellen Bundesliga-Saison für wenige Minuten eingewechselt. In der Champions League, wo er in der Vorsaison noch als jüngster Bayern-Spieler aller bisherigen Zeiten debütiert hatte, kam er diesmal zu gar keinem Einsatz. Spielpraxis sammelte Alaba, der im Herbst zudem eine sechswöchige Verletzungspause zu übertauchen hatte, in der 3. Liga bei Bayerns Amateur-Mannschaft.

In Hoffenheim, wo auch die Österreicher Andreas Ibertsberger und Ramazan Özcan im Kader stehen, wartet auf den fünffachen ÖFB-Teamspieler eine neue Herausforderung. Die beginnt zunächst aber in Spanien. Heute, Montag, hebt das Team gen Murcia ab, wo sich Alaba bis 10. Jänner im Trainingslager in La Manga für kommende Bundesliga-Aufgaben empfehlen kann.

Alabas neuer Coach heißt übrigens seit dem 1. Jänner 2011 Marco Pezzaiuoli und nicht mehr Ralf Rangnick. Der bisherige Trainer, der die Mannschaft vor viereinhalb Jahren in der Regionalliga übernommen und in die Chefetage des deutschen Fußballs geführt hatte, zog mit der Trennung seine persönliche Konsequenz aus dem umstrittenen Verkauf des Brasilianers Luiz Gustavo. Der 23-jährige Brasilianer wechselte am Neujahrstag trotz heftigster Proteste von Rangnick um 15 Millionen Euro zu Bayern München.

"Es ist wohl einzigartig, dass so ein Spieler ohne das Wissen des Trainers verkauft wird", erläuterte Rangnick sein Handeln. "Ich bin vor zwei Tagen noch fest davon ausgegangen, der Mannschaft weiter vorzustehen." Dem Bruch mit Klub-Boss und Gönner Dietmar Hopp waren unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft des Vereins vorausgegangen. Hopp will Hoffenheim als Ausbildungsverein etablieren, Rangnick suchte laut Hopp sportliche "Herausforderungen in anderen Dimensionen".

Den Abgang von Luiz Gustavo im defensiven Mittelfeld könnte übrigens David Alaba kompensieren. Die Entscheidung obliegt dem neuen Cheftrainer Marco Pezzaiuoli. Den 42-Jährigen hatte Rangnick im Sommer noch selbst als Assistenztrainer nach Hoffenheim geholt. (krud, sid; DER STANDARD Printausgabe 3. Jänner 2010)

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