Zum Finale bitte Schubert

1. Jänner 2011, 16:42
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Franz Welser-Möst plaudert in New York

Der Dirigent des Neujahrskonzerts, Franz Welser-Möst, ist nicht nur Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, wodurch er reichlich mit den Philharmonikern zu tun hat. Er ist auch viel in den USA als Chef des Cleveland Orchestra. Und so gab er bei einem Aufenthalt in New York dem Kollegen Gilbert Kaplan in dessen Radiosendung Mad About Music ein Interview, in dem Interessantes zutage trat – etwa zur ewigen Frage, ob es an der Staatsoper nicht immer zu wenige Orchesterproben gibt.

Welser-Möst: "Warum sollen die Orchestermusiker proben, nur damit der Dirigent das Stück lernt? Wenn sie einen kompetenten Dirigenten vor sich haben, können sie Unglaubliches leisten. Opern wie Parsifal oder Rosenkavalier sind ja wirklich ihre Stücke. Nicht selten spielen sie diese Werke besser ohne Proben, da sie sich zusätzlich konzentrieren müssen. Ich bin an der Staatsoper bei Tristan eingesprungen, und mit Proben hätte ich wohl manches anders gemacht. Aber das Elektrisierende dieser Aufführung werde ich nie vergessen!"

Nach Aufführungen gibt es aber mitunter auch Kritiken zu verdauen: "Wenn man sie liest, muss man akzeptieren, was in ihnen drinsteht. Manchmal lese ich sie, manchmal nicht. In Wien muss man natürlich wissen, was in den Medien los ist, da eine Führungsposition an der Staatsoper ein höchst politisches Amt ist. Da spielen die Medien eine große Rolle. Aber wir wissen auch, dass die Printmedien generell an Terrain und Bedeutung verlieren. Und so widme ich mich auch dem Bereich Social Media. Ich bin fasziniert vom Kontakt mit jungen Leuten und der Art, wie sie kommunizieren – durch Facebook und Twitter."

Auf das gute alte Buch verzichtet er dennoch nicht: "Heute lese ich mehr Philosophisches und große Literatur, Goethe und Schiller. Die sagen mir mehr über Beethoven als jedes Theoriebuch." Auch um so etwas wie den letzten Musikwunsch ging es im Gespräch mit Gilbert Kaplan: "Jemand, der mir wirklich sehr nahe geht, ist Franz Schubert. Wenn ich morgen sterben müsste, würde ich Simon Keenlyside bitten, bei meinem Begräbnis Schubert-Lieder zu singen." (toš/ DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2010 / 1./2.1.2011)

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