VW-Motorsport­chef unter Druck

1. Jänner 2011, 15:04
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Vorwürfe wegen sexueller Nötigung kratzen unmittelbar vor Dakar-Start an der Position von Kris Nissen

Köln - Unmittelbar vor dem Start der Rallye Dakar wird das favorisierte VW-Team von einem Sex-Skandal erschüttert. Wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtet, untersucht der der Auto-Konzern schwerwiegende Vorwürfe der sexuellen Nötigung gegen seinen Motorsportdirektor Kris Nissen. Das bestätigte ein ranghoher VW-Mann am Neujahrstag. Zudem soll noch wegen anderer Vorwürfe gegen Nissen intern ermittelt werden.

Nissen und die gesamte VW-Mannschaft erreichte die Meldung in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires, wo am Samstag die Rallye Dakar gestartet wurde. Ob der Däne bis zum Ende der Veranstaltung am 16. Januar seinen Job behält, steht derzeit noch nicht fest. Laut Stefan Moser, Leiter Marketing und Kommunikation, sei es "Stand heute", dass Volkswagen die Dakar mit Nissen zu Ende fährt. "Er wird erst einmal bleiben", sagte Moser. "Danach wird die Angelegenheit zu Hause geklärt."

Er schränkte aber zugleich ein: "Sollten die Vorwürfe so schlimm sein, müssten wir sofort Handeln." In der VW-Zentrale im deutschen Wolfsburg ist Eile geboten. Es wird deshalb noch bis Montag mit einer Entscheidung gerechnet, also bevor die Rallye so richtig ins Rollen kommt. Spekulationen zufolge könnte Nissen bis zur endgültigen Klärung des Falles auch sein Amt ruhen lassen.

Laut Focus geht es um Vorfälle nach dem Formel-3-Saisonfinale im November in Macau. Dort soll Nissen in der Hotelbar einen weiblichen Gast beleidigt und an die Brust gefasst haben. Außerdem sei der frühere DTM-Pilot noch gegen einen Audi-Mitarbeiter handgreiflich geworden, nachdem der sich weigerte, ihm ein Bier zu zahlen.

Auch die schwedische Rallye-Co-Pilotin Tina Thörner wandte sich jetzt an den VW-Konzern-Vorstand. Als sie noch bei den Deutschen unter Vertrag war, habe Nissen sie dazu aufgefordert, ihm zwischen die Beine zu fassen, "um zu spüren, was ein echter Kerl dazwischen hat". Thörner sagte Focus: "Für kein Geld der Welt hätte ich weiter mit Nissen gearbeitet.

Auch Deutschlands bekannteste Rallye-Fahrerin Jutta Kleinschmidt lässt kein gutes Haar an Nissen: '"Er führte ein Regiment der Angst. Ich habe mehrmals beobachtet, wie er sich völlig unangemessen Mitarbeitern und vor allem Frauen gegenüber verhalten hat." Auch bei den Verhandlungen zu ihrer eigenen Vertragsverlängerung sei das so gewesen.

Nissen, der als Testfahrer für Zakspee auch in der Formel 1 tätig war, wollte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. (sid/red)

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    Vor einem Jahr freute sich Kris Nissen (li) mit seinem siegreichen Dakar-Gespann Carlos Sainz/Lucas Cruz.

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