Bis jetzt wurden 272 Männer und zwölf Frauen als Delegierte gewählt - Hohe Wahlbeteiligung in westlichen Bundesländern
Wien - Die Wahlen in der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) haben bestätigt, was schon lange vermutet wird: Menschen mit türkischem Hintergrund stellen unter den heimischen Muslimen die Mehrheit. Nach den bisherigen Wahlgängen in sieben Bundesländern würden die türkischen Vereine bei den bis jetzt 273 Delegierten klar voran liegen, sagte Omar Al-Rawi, Vorsitzender des Wahlkomitees. Die Wahlbeteiligung liegt bisher durchschnittlich bei 85 Prozent.
Die Frauenquote ist sehr niedrig, obwohl diese laut Glaubensgemeinschaft uneingeschränkt kandidieren dürfen. Bis jetzt wurden zwölf Frauen als Delegierte gewählt. Es handelt sich dabei um Nadire Mustafi vom Verein albanischer Muslime im niederösterreichischen Hollabrunn. Ihr gegenüber stehen 272 Männer in den sieben Bundesländern, die bis jetzt gewählt haben.
Die Wahl der Muslime-Vertretung ist ein langwieriger Prozess: Die Bundesländer wählen gestaffelt Vertreter in den Gemeindeversammlungen, den Abschluss macht die mit Abstand größte Gemeinde in Wien im April 2011.
Nachfolger für Schakfeh gesucht
Stehen einmal die Gemeindeversammlungen, also die Vertretungen in den Ländern, fest, wird am Ende das höchste Gremium, der Oberste Rat, gewählt, aus dem schließlich der neue Präsident der Glaubensgemeinschaft hervorgeht. Derzeit ist dies Anas Schakfeh. Er hat bereits vor Jahren angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Gewählt haben bisher alle Bundesländer außer der Steiermark und Wien.
Nicht nur stellen Menschen mit türkischem Hintergrund den größten Anteil der heimischen Muslime, auch ihr Engagement bei der Wahl selbst sei überdurchschnittlich, bestätigte Al-Rawi. Vor allem der zur Glaubensgemeinschaft neu hinzugekommene Verein ATIB sei dabei klar voran, an zweiter Stelle stehe die Islamische Föderation. Eher zurückhaltend bei der Beteiligung haben sich laut Al-Rawi die arabischen Vereine gezeigt. Kärnten bildet eine Ausnahme: Dort sind nach dem Wahlgang die bosnischen Muslime am stärksten vertreten.
Wien-Ergebnis fehlt noch
Für Al-Rawi ist die hohe Wahlbeteiligung erfreulich und überraschend. Von den in den sieben Bundesländern 14.855 Wahlberechtigten sind 12.740 auch wählen gegangen. Die höchste Beteiligung mit mehr als 88,35 Prozent hat es in Tirol gegeben, die niedrigste mit noch immer 80,27 Prozent in Salzburg.
Außergewöhnlich stark vertreten waren die Muslime in Vorarlberg, wo es 3208 Wahlberechtigte gab. Zum Vergleich: In Oberösterreich waren es nur 2806. Anfang November waren rund 46.000 Muslime bei der Glaubensgemeinschaft registriert - ohne die Wiener Zahlen. Al-Rawi und IGGiÖ-Präsident Schakfeh hoffen inklusive Wien auf letztendlich 100.000 bis zum Wahlgang im April. (APA)