Pro Superwahlsonntag

Zum Nutzen der Demokratie

29. Dezember 2010, 18:40

Wenn Regierungen zerbrechen, ohne dass das zu Neuwahlen führt, dann stärkt das die Rolle des Bundespräsidenten

Parlamentspräsidentin Barbara Prammer hat einen grundvernünftigen Vorschlag gemacht: Politiker sollen, statt ständig auf irgendwelche zweit- und drittwichtigsten Wahlen zu schielen, ihre Arbeit machen. Und sich nach Ablauf der Wahlperiode den Wählern stellen. Diese würden nicht durch Wahlkampf in Permanenz behelligt, sondern könnten in wohlkalkulierbarem Rhythmus bewerten: Hat der Gemeinderat, der Landtag, der Nationalrat gut gearbeitet? Und: Welcher Bundespräsident kann mit diesem Nationalrat gut regieren?

Denn das ist der - unausgesprochene - Haupteffekt von Prammers Vorstoß: Wenn Regierungen zerbrechen, ohne dass das zu Neuwahlen führt, dann stärkt das die Rolle des Bundespräsidenten. Wie sein französisches oder amerikanisches Pendant müsste der österreichische Präsident Regierungen berufen und mit diesen gegebenenfalls auch ohne parlamentarische Mehrheit Politik machen. Damit entstünde eine neue (von der Verfassung vorgesehene, real aber nie zum Tragen gekommene) Balance: Hier ein starkes, vom Volk gewähltes Parlament, dort ein starker, vom Volk gewählter Bundespräsident - und dazwischen eine auf ein gesundes Maß gestutzte Regierung.

Und wenn zur Halbzeit des Nationalrats die Landtage (und damit der Bundesrat) neu gewählt würden, dann gäbe es eine Möglichkeit, Unmut oder Zustimmung zur Geltung zu bringen. Die restliche Zeit könnte gearbeitet werden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 30.12.2010)

Kommentar posten
19 Postings
Selbständiger
00
Was hilft es, den Fahrer zu wechseln, wenn Motor und Getriebe kaputt sind.

Die (gewollt?) unterschiedlichen Systeme spalten die Bundesländer, Berufsgruppen und Generationen immer mehr und mehr. Egal, wer, mit wie viel der (zumeist erkauften) Stimmen als Fahrer nominiert wird und wie oft der Fahrer gewechselt wird, mit einem kaputten Motor und Getriebe wird keiner fahren k ö n n e n. Da hilft auch kein Schräubchendrehen hier und ein bisschen dort nichts. So lange das System kaputt ist, bringen Wahlen, außer für die Fahrer nichts. Die Insassen eines solchen Fahrzeugs werden trotzdem nirgendwo hinkommen, können sich zum Zeitvertreib aber weiter über Verschönerungsaktionen bei der Karrosserie trefflich unterhalten.
So lange das System so aufgebaut ist, bringen Wahlen, egal welcher Art genau n i c h t s.

Böses Tetragrammaton
00
30.12.2010, 16:38

Ja, das zusammen mit einem Mehrheitswahlrecht wäre nicht so schlecht (außer, dass wir dann wahrscheinlich eine FPÖ-Alleinregierung hätten). Da gibt's dann kein Schuldabschieben, kein Anpatzen und keine Gnade vom Wähler.

aburrido
00
30.12.2010, 16:16
entföderalisierung

zuerst fällt der bundesrat

und dann werden die kompetenzen der länder STARK zurückgefahren

in einer EU mit 8mio läuten noch auf mikro-föderalsimus zu setzen ist anachronismus, und zu teuer. äußerdem könnten dörfler und pröll und andere landesfinanzhelden weniger anrichten...

Aguirre74
 
00
30.12.2010, 15:38

War ja logisch, dass ein durchaus sinnvoller Vorschlag von unseren Politproleten sofort zerrissen wird. Dann müsste man ja arbeiten und Populismus wäre eher weniger zielführend. Und was sind schon miese Politiker ohne Populismus?

Walter J. Ferstl
00
30.12.2010, 14:48
"Welcher Bundespräsident kann mit diesem Nationalrat gut regieren?"

Eine bisher unbekannte Stellgröße im politischen System Österreichs:

Der Bundespräsident (hier als Institution, nicht als Person gemeint) soll es möglichst komfortabel haben...

Die NR-Präsidentin (hier als Person, nicht als Institution gemeint) hat es ja schon ziemlich gemütlich.

3ch0
00
30.12.2010, 14:35

..selten so einen Stuss gelesen..

Bundespräsident? Häh?

scrollradl
 
30
30.12.2010, 11:38
dauer der legislaturperiode

NR - 5 jahre
sonst - 4 Jahre
eine harmonisierung bedeutet dann wahlen alle 20 jahre
das würde denen passen

scrollradl
 
00
30.12.2010, 11:49
nachtrag

den bundespräsi hab ich vergessen
also wahlen alle 60 jahre mit einzementierten posten für zwei generationen.

das recht geht vom volk aus - entweder gewaltlos legal oder durch revolution

gleichwohl meine ich, dass prammer inzwischen selbst entsetzt ist, über ihren unüberlegten vorschlag

also zurück auf den boden der realität, die politisch traurig genug ist

systemfehler1
01
30.12.2010, 10:51
Mei wär das schön!

4 Jahre keine Wahlkämpfe, dann alles auf einmal erledigen. Keine Querschüsse aus der Bundespolitik vor Landtagswahlen und umgekehrt!

Das Profilieren der nicht in Wahlkämpfe verwickelten während der Wahlkämpfe anderer wäre endlich einmal eingedämmt.

Für mich klingt das nach Utopie!!
Zu schön um wahr zu sein.

scrollradl
 
00
30.12.2010, 13:15
hast vergessen, dass ...

. . .die normalen legislaturperioden unterschiedlich sind.
der nr hat sich unbemerkt von den medien 5 statt 4 jahre genehmigt.
da wird eine harmonisierung etwas problematisch.

Martin Rosenkranz
00
30.12.2010, 10:16
Ich habe nach reiflicher Überlegeung

kein Problem mit einem Superwahlsonntag und noch nicht einmal ein Problem mit Prammers Vorschlag, dass innerhalb der Legisalturperiode dann nicht mehr neue gewählt werden kann.

Allerdings hätte ich dann im Gegenzug gerne eine Ausweitung der direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild.

naihoit
00
30.12.2010, 08:59
Und: Welcher Bundespräsident kann mit diesem Nationalrat gut regieren?

Über welches Land schreibt dieser Herr Seidl?
Österreich kann er ja wohl nicht gemeint haben.
Hier regiert die Regierung und nicht der HBP, ja nicht einmal der NR, wenn auch richtiger weise dort die Entscheidungen getroffen werden sollten anstatt vorher in Koalitionsvereinbarungen ausgehandelt und dann im NR durch gewunken.

HoJo
00
30.12.2010, 08:52
Beispiel Bundesländer

In vielen Bundesländern ist es so, dass es de facto keine Neuwahlen gibt: zB Kärnten: für einen Neuwahlbeschluss braucht es die Anwesenheit von 2/3 der Mandatare, (d.h. eine halbwegs starke Partei, kann Neuwahlen verhindern). Wozu da führt, sieht man ja.

edurkheim
10
30.12.2010, 08:35
Ohne Wahlen tun Politiker überhaupt nichts

Das sehen wir ja jetzt. Jetzt haben wir 3 Jahre ohne Wahlen vor uns und gearbeitet wird noch weniger wie vorher. Es wird zwischen ÖVP und SPÖ überhaupt nur mehr gestritten (Bundesheer, Steuern, Bildung etc)

Illuminati
51
30.12.2010, 08:04
Das Eindämmen der Demokratie findet statt, seit die Linken mitregieren!

So lange bis der Gipfel erreicht ist. Danach ist die Konkurrenz ein Verbrechen.

Linke sind keine Demokraten und dürfen wegen des Eigenbestandes auch nicht die Armut wirklich beenden.

Wer braucht dann noch Sozialisten?

Sobald rote Funktionäre saturiert sind, gibt es keine sozialen Bindungen mehr nur mehr asozilale.

Darum ist der Wechsel so wichtig.

systemfehler1
01
30.12.2010, 10:49
Illuminati?

Was ganeu meinen Sie mit Ihrem Gestammel?

Unterbelichteter wäre der angemessenere Nick.

Ich Gutmensch , weltfremd und ignorant , ...
00
30.12.2010, 01:25
Demokratie ist nur dafuer da damit die Reichen ihren Reichtum verteidigen koennen

Und der intelligente kleine Mann spielt mit . Und haelt es auch noch fuer eine Leistung fuer einen Mindestlohn 40h/Woche Jahrzehntelang zu arbeiten . Um auf diese Erkenntnis zu kommen muss man kein linkslinker KryptoKommunist sein . Die Frage ist nur : Macht man es sich leicht und spielt dieses Spiel mit oder widersetzt man sich diesem System der Reichen und der kleinen Maennern ?

rasenmähermann
17
29.12.2010, 19:32

Nur am Rande, aber Supersonntage sind nicht die Lösung des Problems.
Es sind nun für die nächsten drei Jahre keine Wahlen, Visionen und Reformen sind trotzdem nicht einmal ansatzweise erkennbar.

Der Ruhestifter
 
10
30.12.2010, 03:57
Und der einzige effekt von Prammers vorschlag wäre:

die unfähigen bonzen, die schon jetzt absolut keine reformen zuwege bringen, wären noch überzeugter, dass das nichts macht. Bis die braune suppe dann wirklich einen bedrohlichen pegelstand erreicht.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.