Wikileaks

Chinas nächster Präsident soll ein "roter Prinz" sein

29. Dezember 2010, 08:42

Xi Jinping entstammt Familie der revolutionären Elite - "Keine Ambitionen auf Konfrontation mit USA"

Madrid/Wien - Der voraussichtliche künftige Präsident Chinas, Xi Jinping (57), ist nach Einschätzung von US-Diplomaten ein Spross der "roten Eliten" und "sehr ambitioniert", den "nur die Macht korrumpieren" könne. Das geht aus Depeschen an das State Department hervor, die von der Internetplattform WikiLeaks veröffentlicht wurden und aus denen die spanische Zeitung "El Pais" am Mittwoch in ihrer Internetausgabe zitierte.

Die darin aufgezeichneten Gespräche fanden zwischen 2007 und 2009 in der US-Botschaft in Peking statt. Als anonymer chinesischer Zeuge wird ein alter Freund Xis genannt und nur als "der Professor" bezeichnet. Demnach sieht sich der derzeitige Vizepräsident Xi Jinping als Vertreter der Kinder der ersten Generation der Revolutionäre und damit als "legitimer Erbe" der von seinen Eltern erkämpften Errungenschaften.

Xi, der auch dem Politbüro angehört, wurde 1953 als "roter Prinz" in einer Familie geboren, die der revolutionären Elite angehörte. Sein Vater Xi Zhongxun hat verschiedene hohe Regierungsämter bekleidet und war unter anderem Vizepremier. Seine frühe Jugend verbrachte Xi Jinping in privilegierten Verhältnissen. Trotz aller Rhetorik von der "klassenlosen Gesellschaft" gab es eine strenge Hierarchie unter den hohen Funktionären. Mit dem Ausbruch der Kulturrevolution 1966 endete das angenehme Leben jäh. Xis Eltern wurden als "Konterrevolutionäre" eingesperrt und erst 1978 unter dem Reformer Deng Xiaoping rehabilitiert.

Studium des "angewandten Marxismus"

Der "Professor" erzählte, dass sein Freund einen anderen Weg als er selbst einschlug. Anstatt sich wie viele andere junge Leute dem Vergnügen hinzugeben, beschloss Xi, Karriere zu machen und dafür der KPCh beizutreten - obwohl sein Vater noch im Gefängnis saß. Er schloss ein Studium des "angewandten Marxismus" ab und wurde Armeeoffizier. Zugleich setzte er alles daran, um in der Parteihierarchie aufzusteigen. 1982 ließ er sich deshalb in die Provinz entsenden.

2000 wurde Xi Gouverneur der Küstenprovinz Fujian (Fukien), zwei Jahre später war er Parteisekretär der wohlhabenden östlichen Provinz Zhejiang. 2007 wurde er Parteichef in Shanghai und 2008 Vizepräsident der Volksrepublik. Laut dem "Professor" blieb Xi trotz seiner Eigenschaft als kühler Rechner weiter zugänglich, "ein guter Kerl, großzügig und loyal". Geld bedeute ihm nichts, "doch die Macht könnte ihn korrumpieren", zitierten die US-Diplomaten den Zeugen.

Distanz zu Hu

Die Tatsache, dass Xi ein Sprössling des roten Parteiadels ist, schließt nach Ansicht des "Professors" eine "wirkliche Mitgliedschaft" in der Gruppe um den derzeitigen Staats- und Parteichef Hu Jintao aus. Die Kinder der ersten Generation der Revolutionäre pflegten sich über Hu oder Ministerpräsident Wen Jiabao abfällig zu äußern und bezeichneten diese etwa als "Krämersöhne", so der Zeuge.

Xi sei das Ausmaß der Korruption im Reich der Mitte bewusst, er verabscheue zudem die Kultur der Neureichen. Sollte er tatsächlich wie vorgesehen 2012 zum Generalsekretär der Partei aufsteigen, so die Einschätzung des "Professors", könnte er vielleicht "aggressiv gegen diese Übel vorgehen, möglicherweise auf Kosten der vermögenden Klasse".

"Freund des Westens"

Xi Jinping, so heißt es in den Depeschen, kenne die westliche Welt gut. Seine Schwester lebe in Kanada, sein Bruder sei nach Hongkong ausgewandert, als es noch britische Kronkolonie war. Er habe zudem bereits die USA besucht und hegt dem "Professor" zufolge keine Ambitionen, gegenüber Washington auf Konfrontationskurs zu gehen.

Allerdings sei die Einsetzung Xis als nächster Präsident Chinas noch keine ausgemachte Sache, warnen US-Diplomaten in Peking. Die Rolle als Vizepräsident sei in dieser Hinsicht nutzlos. In der Geschichte der chinesischen Regierungspartei sei nur die Ablöse von Jiang Zemin durch Hu Jintao 2002/03 an der Spitze von Partei und Staat nach einem Plan erfolgt.

"El Pais" zitierte ferner aus US-Diplomatenpapieren, die die KPCh als ein "Unternehmen zur Wahrung persönlicher Interessen" ihrer Mitglieder beschreiben. Im Politbüro habe der das letzte Wort, der über die meisten Aktien verfüge. Hu Jintao wird demgemäß mit einem Konzernvorstand verglichen. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 26
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Mike Myers
01
30.12.2010, 16:53
Ich hoffe,

allen Wikileaks Fans ist klar, dass durch diese Veröffentlichungen die Quellen dieser Informationen massiv gefährdet werden - das Gespräch mit Ausländern über Interna kann - wenn eine der Machtcliquen in der KP es so möchte - den Tod bedeuten.

Raptor Jesus
00
Die Namen werden geschwärzt.

Sollte China anfangen wahllos Leute zu verhaften und verurteilen sorgt das für schlechten Prestige (natürlich nicht wirtschaftlich) und es schafft die Probleme nicht aus der Welt, weil die Informanten (sollten diese unschuldig sein) immer noch frei herumlaufen (es soll abschrecken, ist aber ermunternder, da es für die Informanten klar ist, das chinesische Anti-Spione Flaschen sind).

Sollten amerikanisches Botschaftspersonal verhaftet werden, das dürfen sie nicht! Diplomatische Immunität.
Man kann die höchstens zu "personae non gratae" erklären, aber es folgen andere nach, die garantiert den selben Job nachgehen werden.

slartibartfaß der Umwandler
00
30.12.2010, 19:40

geh mach dich nicht lächerlich. seit 18. oktober deutet alles auf xi als nächsten präsident hin. ganz ohne wikileaks.

Mike Myers
00
30.12.2010, 23:33
Jaja,

Genau darum gehts bei der Strafverfolgung in China...

beowulf2
 
00
31.12.2010, 03:02

Na zum Glück ist der "Professor" ein guter Freund von Xi, da kann ihm ja nix passieren.

Ausserdem ist das ganze nur oberflächliches Geplauder ohne besonderen Nachrichtenwert. Wenn die US Diplomatie dies als "vertrauliches" oder "geheimes" Wissen versteht, dürfte es mit der China Kenntnis der Diplomaten nicht so weit sein.

Samthand Schuh
10
29.12.2010, 16:50

Wenn China jetzt noch einen Staatschef bekommt, der erfolgreich die Korruption bekämpft, dann ist China auf dem Weg nach oben wohl nicht mehr aufzuhalten. Dazu kommt, dass Xi wahrscheinlich mehr Macht in die Hände bekommt als vergleichsweise Obama, der bei so gut wie allen Reformen von den geldgierigen Republikanern blockiert wird.

So einen Xi könnten wir auch gut in Österreich brauchen, wenn ich mir ansehe, was für ein Gesindel uns die vergangenen Jahre regiert hat.

Heavyweather
01
29.12.2010, 21:21

Au ja...einen Führer.
So einen starken Mann wie den Putin oder den Chef von den Chinesen.
Dann wird alles wieder gut.

Vielleicht sogar einen gütigen Kaiser...

beowulf2
 
01
30.12.2010, 09:41

Der letzte chinese, der als starker mann aufgetreten ist, war Mao. Ein zweitere Mao würde zum jetzigen Zeitpunkt höchstens in einer chinesischen Demokratie an die Macht kommen. Innerhalb der KP hat man Mao noch all zu gut in Erinnerung und eine Heidenangst vor so einer Figur. Dementsprechend kommen solche Leute auch nicht mehr hoch.

Man kann Deng, Jiang, Hu oder Xi vieles vorwerfen. Das sie gefühlskalte Pragmatiker oder Bürokraten sind. Das sie mehr Beamte oder Strategen als Revolutionäre "Change" Bringer sind.

Wenn man das als Fehler sieht, kann ich es auch verstehen. Obwohl mir das immer noch lieber ist, als reine Showmännchen oder große "Charismatiker".

Aber "starke" Männer sind das nicht.

Träume sind Schäume..
23
29.12.2010, 14:31
Der kommunistische Adel

Außer der Geburt, was braucht man eigentlich dafür um dazuzugehören?

Ein paar tausend Seiten Dialektik studieren und schlaue Aufsätze über die Genialität von Marx und Lenin schreiben?
Während der Kapizalismus in der wirklichen materiellen Realität das eigene Land zur wohlhabenden Nation macht.

Klingt typisch nach einer religiösen Sekte.
Sollte China dieses Übel der Menschheit nicht langfristig ausmerzen kann es durchaus wieder in eine "Kulturrevolution" zurückfallen ;)

2010sdafrika
12
29.12.2010, 13:40
WikiLeaks gibt auch Informationen zu Südafrika

Vielen Dank an DerStandard.at für die Infos zu Chinas Elite. Ich möchte auch die Erkenntnisse von US-Depeschen zu südafrikanischen Spitzenpolitikern wie Präsident Jacob Zuma zu Kenntnis geben, die genauso so interessant sein dürften:
http://2010sdafrika.wordpress.com/2010/12/1... retungen/.

`
00
29.12.2010, 13:30

Wer wählt den Chinesischen Präsidenten?

Oder setzt sich da einfach jemand auf den Präsidenten-Stuhl und wenn er nicht gemeuchelt wird ist er der Boss?

Stalo Ramón
00
29.12.2010, 15:20
So weit ich weiß...

... der Nationale Volkskongress, was dem so ziemlich dem Nationalrat bei uns entspricht.

sag nüt
11
29.12.2010, 11:11
könnte es sein

das wikileaks das alles aus dem altpapier hat ....

langzen
02
29.12.2010, 12:16
nein, im Altpapier

hätten sie eventuell "Who is who in China: Current Leaders" gefunden.
Xi hat einen Abschluss der technischen Universität Qinghua

Mag.iur.
13
29.12.2010, 11:10

Dieser PingPong hat angewandten Marxismus studiert? :) Was erhält man da für einen Abschluß, sowas wie "Master of applied Marxism" kurz MAM? Klingt wie die Studienfächer in den kirchlichen US-amerikanischen Titelmühlen, wo man einen Doctor of Trinity "erwerben" kann.

Raptor Jesus
00
Marxismus funktioniert!

Zumindest, wenn es darum geht, die Bankenschulden unters Volk zu bringen.
Aber das hat man ja wieder vergessen.

Und nennt man bei uns die Doktoranten der Dreifaltigkeit nicht Theologen? Mit entsprechenden Doktortiteln?

Lukas Chen
02
29.12.2010, 14:34
Bildung der chnesischen Politikern

Qinghua ist eine elite Universitaet in China, so ist es auch Uni Beijing, oder Uni Fudan in Schanghai. Einen Abschluss von diesen Universitaeten ist ein Zeugnis fuer Aufstiegsmoeglichkeiten in chinesischer politischen Buehne. Kein Politiker in China kann heute erfolgreich sein, ohne ein Diplom von einer Universitaet zu haben, so ist es auch in jeden Laendern in Ostasien.

beowulf2
 
18
29.12.2010, 12:09

Ist nix anderes, als Politikwissenschaft. Und da die chinesische Regierung zu einem großen Teil aus Naturwissenschaftlern, insbesondere Ingenieure besteht, ist das nicht einmal schlecht.

Ich würde übrigens nicht den Fehler machen, die Chinesen und im besonderen Xi Jinping zu unterschätzen. Das sind andere Kaliber als ein Faymann, eine Merkel oder ein Sarkozy.

langzen
30
29.12.2010, 18:02
Vergangenheit

wäre interessant zu wissen, was die Herren Xi, Hu etc während der Kulturrevolution gemacht haben. Mit den gängigen Lebensläufen kämen sie bei keinem Personalchef durch.

beowulf2
 
00
29.12.2010, 22:05
Was Herr Hu in der Kulturrevolution gemacht hat, kann man nachlesen. Habe ich auch schon mal hier gepostet. Er war als Ingenieur in der hintersten Provinz tätig. Sein Vater (ein Händler) wurde während der Kulturrevolution verhaftet.

Sein Vater (ein Händler) wurde während der Kulturrevolution verhaftet. Bei Herrn Xi weiß ich es jetzt nicht. Studiert - wie im Artikel angedeutet wird - hat er nicht, da die Unis zu waren. Aber da sein Vater von der alten Garde und er ein "roter Prinz" war, und gerade diese Gruppe die Erzfeinde der Rotgardisten stellten und von diesen verbittert verfolgt wurden, hatte er sicher keine angenehme Zeit.
Aber man erkennt meistens schnell wer in der Kulturrevolution fanatischer Rotgardist war. Das sind meistens die, welche noch heute politisch zum Fanatismus neigen und schwer gestört sind. Entweder sind das extreme Nationalisten oder chinesische Dissidenten ala Jung Chang die mit ihrer dumpfen Anti-Mao Hetzschrift bei uns bekannt und beliebt ist

Heavyweather
11
29.12.2010, 14:09

Einfach gefährlicher...wie der Putin.
Wo soll der Unterschied liegen?

Erisian Liberation Front
11
29.12.2010, 09:35
Eine Nachricht

die so alt ist, daß sie schon in Geschichtsbüchern abgehandelt wurde.

TanteMitzi
14
29.12.2010, 09:21

Seit wann gibt der Muliar Interviews in China ?

DER BUKARESTER
47
29.12.2010, 09:18
Roter Prinz???

Wohl eher "Lotel Balon"

Schifoara
13
29.12.2010, 13:48
könnte auch sein

plinz

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