Laurent Gbagbo - Ein Verlierer, der weiter der Macht nachläuft

Adelheid Wölfl, 27. Dezember 2010, 18:57
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    foto: sunday alamba/ap/dapd

    Wahlverlierer in Côte d'Ivoire: Laurent Gbagbo (65)

Er war zunächst wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit von der Macht ausgeschlossen. Die Volksgruppe der Bété war nicht Teil der Eliten des ersten ivorischen Regimes nach der Unabhängigkeit 1960. Und der Geschichteprofessor Laurent Gbagbo, der an der Uni von Abidjan unterrichtete, wollte das ändern. Als überzeugter Sozialist saß er deshalb schon Anfang der 1970er-Jahre in Haft.

Später gründete er die Partei Ivorische Volksfront (FPI). 1982 ging er ins Exil nach Frankreich und schrieb das Buch Eine demokratische Alternative für Côte d'Ivoire, ein Plädoyer für die Einführung eines Mehrparteiensystems.

Tatsächlich wurden Parteien zugelassen, und Gbagbo trat 1990 an, bekam aber nur 18,3 Prozent der Stimmen und musste weitere zehn Jahre warten. Im Jahr 2000 - sein jetziger Herausforderer Alassane Ouattara war damals als Kandidat nicht zugelassen - gewann Gbagbo die Wahlen. Der damalige Juntachef Robert Guéi versuchte sich noch kurz durch Wahlbetrug im Amt zu halten. Es kam zu blutigen Zusammenstößen, dann lief die Armee über, und Gbagbo wurde Staatschef.

Doch kaum an der Macht, musste er sie schon wieder teilen. Denn im Norden formierten sich jene, die sich durch den Ausschluss Ouattaras ebenfalls zu kurz gekommen fühlten. 2002 folgte ein Bürgerkrieg zwischen dem muslimisch geprägten Norden und dem christlich-animistischen Süden. Gbagbo regierte immer nur die Hälfte, den Süden. Nach zahlreichen Interventionen - der Uno und Frankreichs - sollte er auch die Führung in einer Einheitsregierung teilen. Doch Gbagbo widersetzte sich und verscherzte es sich mit Europa und den Vereinten Nationen.

Im Land verfolgte er eine xenophobe Politik gegen muslimische Migranten und Ethnien im Norden. Heuer im Februar setzte er dann die Wahlkommission ab. Sein Vorwurf: Die Wahllisten seien "mit einer halben Million Ausländer aufgebläht" worden. Gbagbo fürchtete natürlich, die Stimmen könnten an Ouattara gehen. Was auch geschah. Am 28. November unterlag er seinem Konkurrenten. Seitdem klammert er sich an die Macht und schickt seine "Jungen Patrioten" los, um sein Regime mit Gewalt zu verteidigen.

Der Mann, der niemals zu einem souveränen Führer wurde, sucht mit dem Slang der Straße nach Legitimität, obwohl er selbst an der Sorbonne promovierte. Er ist mit der Parteigenossin Simone Ehivet verheiratet. Und er hat drei Kinder. (Adelheid Wölfl, STANDARD-Printausgabe, 28.12.2010)

Pepi friß weniger
11
27.12.2010, 22:33
Seltsam

Afrikanische Herrscher mit einer solchen Historie sind üblicherweise lieb Kind der Franzosen

Gibt es irgendwelche Rohstoffe, die der Mann nicht billigst verkaufen möchte ?

Malkaye
00
28.12.2010, 22:37
exzellent erkannt

gbagbo hat die konzessionen diversifiziert und chinesen und amerikanern was vom kuchen gegeben.

seitdem randaliert frankreich dort.

Pepi friß weniger
00
29.12.2010, 05:12

echt ? Hast du einen Link ?

Malkaye
01
31.12.2010, 02:33
II

noch konkretere infos:

http://tinyurl.com/32nc68p

"Und Gbagbo tritt heftig in den Ameisenhaufen der «besonderen» wirtschaftlichen Beziehungen. Er holt Amerikaner in das Kakaogeschäft (Cargill, ADM), schafft eine Konkurrenz zwischen einem französischen und einem chinesischen Angebot für den Bau einer Brücke und droht – der Gipfel! – Bouygues die Konzessionen für Wasser und Elektrizität zu entziehen. Wie C. Braeckman sagt, vernachlässigt Gbagbo mit dieser Vorgehensweise die Gegenseitigkeit, die politische Stabilität, den Pakt mit Frankreich und seiner Armee, die in Port-Bouët stationiert ist."

Pepi friß weniger
00
Ausgezeichnet

ich followe dir mal, was Afrika betrifft. Du solltest Juornalist werden

Malkaye
01
31.12.2010, 02:32
zwar sogar auf deutsch, aber nur von 2004, da ich durch den aktuellen "halbinfo"-wust grad nicht durchkomme

http://tinyurl.com/335qehb

"Die Nachfolger des "weißen Afrikaners" Houpouët-Boigny, wie er dank seiner Nähe zu Frankreich genannt wurde (und deshalb auch in der Normandie begraben sein wollte) verdanken ihre Mandat inzwischen wieder dem französischen Staat, auch wenn Laurent Gbagbo darüber räsoniert, auslaufende Konzessionen ab 2005 international ausschreiben zu wollen.

Es erstaunt, wenn Präsident Chirac plötzlich voller Sorge von den "ivorischen Todeskommandos" spricht und auf Distanz zur Militärjunta von Gbagbo geht, die beide kein Problem waren, solange die "Ivorité" als Staatsdoktrin die französischen Interessen salvierte."

hier noch eine schrift zu FRs afrikapolitik: http://tinyurl.com/3af7kj5

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