Er war zunächst wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit von der Macht
ausgeschlossen. Die Volksgruppe der Bété war nicht Teil der Eliten des
ersten ivorischen Regimes nach der Unabhängigkeit 1960. Und der
Geschichteprofessor Laurent Gbagbo, der an der Uni von Abidjan
unterrichtete, wollte das ändern. Als überzeugter Sozialist saß er
deshalb schon Anfang der 1970er-Jahre in Haft.
Später gründete er die Partei Ivorische Volksfront (FPI). 1982 ging er
ins Exil nach Frankreich und schrieb das Buch Eine demokratische
Alternative für Côte d'Ivoire, ein Plädoyer für die Einführung eines
Mehrparteiensystems.
Tatsächlich wurden Parteien zugelassen, und Gbagbo trat 1990 an, bekam
aber nur 18,3 Prozent der Stimmen und musste weitere zehn Jahre warten.
Im Jahr 2000 - sein jetziger Herausforderer Alassane Ouattara war damals
als Kandidat nicht zugelassen - gewann Gbagbo die Wahlen. Der damalige
Juntachef Robert Guéi versuchte sich noch kurz durch Wahlbetrug im Amt
zu halten. Es kam zu blutigen Zusammenstößen, dann lief die Armee über,
und Gbagbo wurde Staatschef.
Doch kaum an der Macht, musste er sie schon wieder teilen. Denn im
Norden formierten sich jene, die sich durch den Ausschluss Ouattaras
ebenfalls zu kurz gekommen fühlten. 2002 folgte ein Bürgerkrieg
zwischen dem muslimisch geprägten Norden und dem
christlich-animistischen Süden. Gbagbo regierte immer nur die Hälfte,
den Süden. Nach zahlreichen Interventionen - der Uno und Frankreichs -
sollte er auch die Führung in einer Einheitsregierung teilen. Doch
Gbagbo widersetzte sich und verscherzte es sich mit Europa und den
Vereinten Nationen.
Im Land verfolgte er eine xenophobe Politik gegen muslimische Migranten
und Ethnien im Norden. Heuer im Februar setzte er dann die
Wahlkommission ab. Sein Vorwurf: Die Wahllisten seien "mit einer halben
Million Ausländer aufgebläht" worden. Gbagbo fürchtete natürlich, die
Stimmen könnten an Ouattara gehen. Was auch geschah. Am 28. November
unterlag er seinem Konkurrenten. Seitdem klammert er sich an die Macht
und schickt seine "Jungen Patrioten" los, um sein Regime mit Gewalt zu
verteidigen.
Der Mann, der niemals zu einem souveränen Führer wurde, sucht mit dem
Slang der Straße nach Legitimität, obwohl er selbst an der Sorbonne
promovierte. Er ist mit der Parteigenossin Simone Ehivet verheiratet.
Und er hat drei Kinder. (Adelheid Wölfl, STANDARD-Printausgabe, 28.12.2010)