STANDARD-Interview

"Umvolkung ist für uns pfui gack"

27. Dezember 2010, 17:38
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    foto: standard/newald

    "Man kann eine andere Kultur und ihre Probleme nur verstehen, wenn man hinfährt. Und wir als Patrioten gestehen auch anderen Völkern zu, Patrioten zu sein" - Johann Gudenus über die Israel-Offensive der FPÖ.

Johann Gudenus, Klubobmann der Wiener FP, will nicht Parteichef werden und meint, bei Begriffen wie "Umvolkung" solle man nicht so empfindlich sein

STANDARD: Seit der Wahl ist FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache von der Wiener Bildfläche verschwunden. Ihnen bleibt nun das profane Tagesgeschäft. Stört Sie das nicht?

Gudenus: Nein, überhaupt nicht. Das ist ja meine Aufgabe.

STANDARD: Sie wären also nicht gern Parteichef?

Gudenus: Nein, die Frage stellt sich nicht. Ich bin Teamspieler.

STANDARD: Ihr Klub besteht zu einem großen Teil aus landespolitischen Quereinsteigern. Was kann man da inhaltlich erwarten?

Gudenus: Das sind alles Leute, die sich in den letzten Jahren innerhalb der FPÖ bewährt haben. Wir haben weit mehr politischen Einfluss als die Grünen, die waren ja nur Steigbügelhalter für Bürgermeister Häupl.

STANDARD: Sind Sie neidisch auf die Grünen? Wären Sie auch gerne mit der SPÖ in einer Koalition?

Gudenus: Nein, überhaupt nicht. Das erregt maximal Mitleid. Natürlich ist eine Koalition da und dort ein Kompromiss, aber wir gehen nur in eine Regierung, wenn wir unsere Grundsätze umsetzen können. Die Grünen haben alles über Bord geworfen.

STANDARD: Glauben Sie, dass man der FPÖ die Regierungsfähigkeit nicht zutraut?

Gudenus: Ich glaube, es liegt eher daran, dass Bürgermeister Häupl mit voller Geschwindigkeit in die falsche Richtung weiterfahren will. Die Wähler sehen viele Missstände, vor allem bei Migration und Bildung, siehe Pisa-Studie.

STANDARD: Wie soll sich das ändern? Die Gesamtschule, die viele Experten angesichts der Pisa-Ergebnisse fordern, lehnt die FPÖ ab.

Gudenus: Aus guten Gründen. Das Wichtigste ist nicht die Form der Schule, sondern der Inhalt. Man muss bei den Lehrern ansetzen. Das heißt nicht, dass sie schuld sind, es heißt aber, dass sie auf viele Probleme im Bildungsbereich gibt in ihrer Ausbildung nicht vorbereitet wurden.

STANDARD: Finnland ist mit der Gesamtschule bei der Pisa-Studie sehr erfolgreich.

Gudenus: Ich habe mir das angeschaut. In solchen Ländern funktioniert die Gesamtschule, aber die Rolle des Lehrers ist eine sehr wichtige und mit Autorität ausgestattet. Und die Rate der Zuwanderer ist in Finnland viel geringer.

STANDARD: Die Ausländer sind also Schuld an der Pisa-Misere?

Gudenus: Nein, die Politiker sind schuld. Die Kinder können nichts dafür, die sind Opfer des Systems.

STANDARD: Was muss Wien bei der Integration tun? Man kann ja nicht alle Ausländer rausschmeißen.

Gudenus: Das wird uns vielleicht unterstellt, aber davon distanziere ich mich. Wir gehen gezielt auf gut integrierte Zuwanderer zu.

STANDARD: Auf christliche.

Gudenus: Das gemeinsame kulturelle Band ist das christliche Abendland, daher sprechen wir Zuwanderer aus Europa an, weil die sich leicht integrieren.

STANDARD: Warum sollen sich Muslime nicht integrieren können?

Gudenus: Jede Studie besagt, dass es da am schlechtesten funktioniert. Ansetzen muss man bei der frühkindlichen Bildung, und das Wahlrecht muss Staatsbürgerrecht bleiben. Sonst besteht kein Anreiz mehr, sich zu integrieren.

STANDARD: Sie sind, wie viele blaue Gemeinderäte, Burschenschafter. Wie weit rechts steht die Wiener FP?

Gudenus: Ich kann mit diesem Schema links und rechts nicht viel anfangen. Die FPÖ ist eine soziale Heimatpartei, das hat mit links und rechts nichts zu tun.

STANDARD: Anders gefragt: Wie national gesinnt ist die Wiener FP?

Gudenus: Dass wir Patrioten sind, ist keine Frage.

STANDARD: Aber der Begriff Patriotismus ist Ihnen lieber als Nationalismus?

Gudenus: Diese Ismus-Wörter sind meistens negativ besetzt, nicht immer zu Recht. Wir sind Patrioten und sagen: Österreich zuerst.

STANDARD: Warum knüpft die FPÖ derzeit Bande mit Israel?

Gudenus: Wir reden mit jedem. Man kann eine andere Kultur und ihre Probleme nur verstehen, wenn man hinfährt. Und wir als Patrioten gestehen auch anderen Völkern zu, Patrioten zu sein.

STANDARD: Wollen Sie auch in die Türkei fahren?

Gudenus: Ich war als Tourist schon dort. Aber wenn wir eingeladen werden, warum nicht? Die Herausforderung mit den türkischen Zuwanderern ist evident. Das diskutieren wir mit dem Herrn Erdogan gern in Ankara.

STANDARD: Aus Ihrer Zeit als RFJ-Chef sind Zitate dokumentiert, in denen Sie Wörter wie "Umvolkung" verwenden. Wird man das auch im Rathaus von Ihnen hören?

Gudenus: Dass in Wien eine Massenzuwanderung stattgefunden hat, ist evident.

STANDARD: Ist das Wort "Umvolkung" in Ihrem gängigen Vokabular vorhanden?

Gudenus: Wenn man jünger ist, schießt man da und dort über das Ziel hinaus. Aber es ist das Recht der Jugend zu provozieren.

STANDARD: Auch, wenn der Begriff eine Nazi-Konnotation hat?

Gudenus: Mir ist die Konnotation nicht bekannt, das wird immer so herbeigeredet. Wir bewegen uns innerhalb der Verfassung, innerhalb der Menschenrechte, und wir schätzen das freie Wort. Wenn sich jemand im Rahmen der Meinungsfreiheit gewisser Ausdrücke bedient, sollte man nicht immer so überempfindlich sein. Außerdem sind wir ja Gegner dieser zitierten Umvolkung. Wir lehnen das ab. Umvolkung ist für uns pfui gack. (Andrea Heigl/DER STANDARD-Printausgabe, 28.12.2010)

 

 

JOHANN GUDENUS (34), studierter Jurist, war Langzeitchef des RFJ und ist jetzt Klubobmann der FPÖ im Rathaus.

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tignosa
12
18.1.2011, 17:33
"pfui gack"- was ist den das für eine Vulgärsprache

oder will der kleine Gudenus auf die Nähe zum Braunen hinweisen?

Hudri Wudri
23
12.1.2011, 15:40
No, dann wird wohl fuer die FPOe

auch nicht so schlimm sein, wenn sie als oesterr. Neonazi-"Partei" bezeichnet wird.

Ist jedenfalls legitimer als die Verharmlosung des ggst. Terminus.

Georg Schütt
06
30.12.2010, 13:56
"Umcolkung" ist, wie ich schon schrieb, sehr genau einzuordnen: Otto Hofmann, 20.1.42, Wannsee-Konferenz.

Der begriff wird außerhalb dieser politischen Sphäre nicht benutzt, ist Inventar des "Wörterbuchs der Unmenschen". Man kann ihn eigentlich nur kennen, wenn man sich mit der NS-Sprache ein wenig genauer beschäftigt hat (wie ich, beruflich bedingt).

Es ist also nicht glaubhaft, wenn Gunderer sich herauszureden versucht, er kenne die (eindeutig negative, nationalsozialistische) Konnotation des Begriffes nicht.

Dann sollte er den Begriff nicht benutzen, wenn er die konnotativen Bedeutungsnuancen nicht kennt. Tut er es dennoch, dann
a) weil er bewusst mit den Neben-Bedeutungen spielt, oder
b) weil er über keinerlei historisches oder politisches Verantwortungsgefühl verfügt, oder
c) weil er Leute wie Hofmann als Vorbilder begreift.

tignosa
00
18.1.2011, 17:34
die Brau äh Blauen berufen sich halt gern auf ihre Unkenntnis

siehe Rosenkranz: "hab ich in der Schule nicht gelernt, wuä!"

shepherd
00
13.1.2011, 19:32
jeder, der mehr als 8 jahre schule

hinter sich hat und das wort nicht kennt, hat wohl in der schule nur blödsinn gemacht ... ist also irgendwie erschreckend, dass sie das wort erst in ihrem beruf kennengelernt haben

danielle durand
00

danke für den hinweis. vermutlich sollte man nicht so überempfindlich sein. http://www.ghwk.de/deut/protokoll.pdf. der apfel fällt nicht weit vom ross.

Georg Schütt
00
Zu Ihrem Link erhielt ich die Meldung:

Fehler 404

Die Seite wird nicht gefunden.

Die angeforderte Seite konnte nicht gefunden werden. Ursache kann sein, dass die Seite nicht mehr existiert und / oder der Link falsch ist.

danielle durand
00

:-(

sorry. der letzte punkt ist im weg. er ist als interpunktation kein teil des links

Georg Schütt
03
30.12.2010, 13:45
"Umvolkung" mag pfui gack sein. Die Sprache selbst aber ist es nicht.

Der Begriff "Umvolkung" ist Nazi-Sprech in Reinkultur. Er findet sich in den Protokollen der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942, als die "Endlösung" organisatorisch beraten wurde, vorgebracht im Referat von SS-Gruppenführer Otto Hofmann.
http://de.wikipedia.org/wiki/Otto... on%C3%A4r)

Da hier also nicht nur der Wortgebrauch als solcher, sondern v.a. der spezifische situative Hintergrund der "Endlösung" (eine Wortschöpfung Görings) bedeutsam werden, sollte dem sauberen FPÖ-Herren eigentlich eine Strafanzeige wegen Wiederbetätigung einbringen.

Im Exil
14
29.12.2010, 20:16
ich liebe diese menschen

wie sie sich winden, wenn sie auf ihre gesinnung angesprochen werden.

er ist natürlich ein "patriot". der an seine "heimat" denkt. und "sozial" ist er auch. aber "national" will er sich nicht nennen. bzw will er ja genau das, aber er muss es natürlich vermeiden. der muss bei solchen interviews doch am ganzen leib zittern, weil er am liebsten hinausbrüllen würde, dass er nationalsozialist ist.

der würde doch am liebsten ein ungar sein, weil er dann in schneidiger, brauner uniform nächtens fackelumzüge abhalten könnte.

ich frage mich ja, ob er und seinesgleichen sich manchmal abends "triumph des willens" anschauen und dazu onanieren..

invodaseibua
01
31.12.2010, 11:09

warum abends?

1,8 promille
00
30.12.2010, 00:27

triumph des willens schon, ja

Liliom
02
29.12.2010, 16:22
Obacht!!!

Im Biotop der Demokratie müssen wir mit solchem
Unkraut leben. Nur aufpassen daß es nicht überhand nimmt.

anton muffl
12
29.12.2010, 05:03
gudenus-zitate. zitiert von http://www.stopptdierechten.at/2010/11/2... usdunnung/

"„Im alten Rom wurden diejenigen, die sich am Volkswohl versündigten, verbannt. Schade, dass es diesen alten Brauch nicht mehr gibt“ (APA OTS, 16.2.2004)."

"„Nicht jede daher gelaufene Erektion konstituiert gleich eine Ehe…..Homosexuelle Beziehungen haben für die Gesellschaft keinen Wert“ (APA, 28.9.2004)"

Bei der Sonnwendfeier 2006, veranstaltet von der rechtsextremen „Österreichischen Landsmannschaft“(ÖLM) und dem Wiener Korporationsring, durfte er in seiner „Feuerrede“ fordern: “Wir wollen Zukunft für unsere Deutsche Heimat!“. In der Rede nahm er ein „kollektives Notwehrrecht“ in Anspruch und rief zu „Widerstand“ auf angesichts einer „Dritten Türkenbelagerung.“

Bambi, die Sau
06
28.12.2010, 17:52

Irgendwie habe ich mit dem Typen sogar Mitleid. Was für ein verpfuschtes Leben.

xEurocent
03
29.12.2010, 01:10

Ja, aber nur bis zu dem Moment wo sie ihren Gehaltszettel mit dem eines Klubchefs im Wiener Gemeinderat vergleichen.

Ingrid Goeschl1
03
29.12.2010, 18:19

Ich bin der festen Überzeugung, dass Geld nicht alles im Leben ist.

Wünschen Sie sich Herrn Gudenus sen. als Vater?

Grashalm
08
28.12.2010, 17:50

Österreich zuerst! Hinter "uns" die Sinnflut.

Ja de fpö is ned links oder rechts.
De fpö is diaf...

setarkos
01
28.12.2010, 17:17
Und dass der homo sapiens wahrscheinlich aus Israel kommt

muss auch ein schwerer Schlag für die völkischen Brüder sein!

shepherd
00
13.1.2011, 19:36
eigentlich eher afrika,

aber wer wirds denn so genau nehmen, wenn er jemandem dafür ans bein pinkeln kann, gell ;)

Pfeffer
00
29.12.2010, 10:21
überhaupt jetzt

wo er grad erst seine Verwandten im Likud-Block gefunden hat...

opryde
02
28.12.2010, 17:06
großartiges interview.

die fpö ist rechts, behauptet aber sie ist's nicht, der interviewte effler steigt auf die provokationsversuche der journalistin nicht ein und am ende fragt man sich, warum hier zwei menschen ihre zeit derart verschwendet haben.

odrr
00
28.12.2010, 17:14

das war eher zeitverlust, aber keine zeitverschwendung.

Bully Bullson
12
28.12.2010, 17:01
"Wenn man jünger ist, schießt man da und dort über das Ziel hinaus. Aber es ist das Recht der Jugend zu provozieren...."

Ich bin auch noch "jung" und mache somit vom "Recht der Jugend" hiermit Gebrauch:

Er ist und bleibt ein UNGUSTL!!

tignosa
00
18.1.2011, 17:36
das ist nicht übers Ziel hinaus, das ist definitiv untertrieben!

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