Volkspartei denkt auch über Leistungsgruppen in Gymnasien nach
Wien - Die ÖVP überlegt die Verankerung einer generellen Aufnahmeprüfung für Gymnasien in ihrem neuen Bildungskonzept, das Anfang 2011 präsentiert werden soll. Druck dafür kommt laut "Presse" vor allem aus einzelnen Landesorganisationen. Im Büro von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) die federführend an der Erstellung des Konzepts beteiligt ist, verweist man allerdings darauf, dass die inhaltliche Diskussion noch im Gange sei.
Drei Kriterien für AHS-Aufnahme
Laut "Presse" erwägt die ÖVP drei Kriterien für den AHS-Zugang: Die Noten im Volksschulzeugnis, die Leistungen bei den ab 2012 geltenden Bildungsstandards in der vierten Schulstufe und eine "Eignungsprüfung" am jeweiligen Gymnasium.
Bis 1971 musste jeder Volksschüler, der an eine AHS wollte, einen Aufnahmetest bestehen. Unter Bruno Kreisky wurden die Prüfungen zunächst ausgesetzt und später abgeschafft. Derzeit dürfen alle Kinder, die in der vierten Klasse Volksschule in den Gegenständen Deutsch/Lesen und Mathematik ein "Sehr gut" oder "Gut" haben bzw. mit "Befriedigend" einen Beschluss der Schulkonferenz der Volksschule in der Tasche haben, eine AHS besuchen - nur jene, die diese Voraussetzung nicht erfüllen, müssen eine Aufnahmeprüfung machen.
Variante: Letzte Schularbeit entscheidet
Neben der dreistufigen Variante eines Aufnahmeverfahrens wird in der ÖVP noch eine zweite Version diskutiert, bei der die letzte Schularbeit in der Volksschule für alle Schüler pro Schulbezirk oder Bundesland zumindest bei einem Teil der Aufgaben ident ist. Die Aufgaben sollen demnach von einem Team aus Volks-, Hauptschul- und AHS-Lehrern erstellt werden, Ziel ist - wie auch bei der teilzentralen schriftlichen Matura ab 2013/14 - eine bessere Vergleichbarkeit der Schülerleistungen. Auch über die Einführung von Leistungsgruppen an den AHS wird laut dem Bericht diskutiert.
Im Wissenschaftsministerium will man inhaltliche Details des Papiers vor dessen Präsentation nicht kommentieren. Fest stehe, dass Leistungsdifferenzierung ein wichtiger Punkt sein werde - in welcher Form, sei allerdings noch nicht fix.
Schmied: Vorerst keine Stellungnahme
Im Unterrichtsministerium will man zu den angeblichen Plänen des Koalitionspartners vorerst nicht Stellung nehmen. "Wir werden das Bildungskonzept erst kommentieren, wenn es fertig ist", heißt es aus dem Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ).
AKS übt massive Kritik an ÖVP-Vorschlag
Keinen Anklang findet der Vorstoß der ÖVP Aufnahmeprüfungen an Gymnasien einzuführen bei der Aktion Kritischer Schüler. Die vor kurzem veröffentlichte PISA-Studie habe, wie so viele nationale und internationale Studien zuvor, wieder einmal bewiesen, dass Österreichs Schulsystem stark sozial selektiv sei und dies allen SchülerInnen schade. "Mit Aufnahmetests erreicht man kein hochwertigeres Schulsystem, sondern errichtet nur mehr Barrieren", so Iris Schwarzenbacher, Bundesvorsitzende der AKS in einer Aussendung. (APA/red)