Gehirnscans an 58 Freiwilligen: Wer großen Freundeskreis hat, hat auch eine große Amygdala
New York - Wer über ein reges Sozialleben verfügt und viele Kontakte in einem großen Freundeskreis
unterhält, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine große Amygdala. Die Gehirnregion steht bisherigen Erkentnissen zufolge maßgeblich mit der Steuerung des sozialen Verhaltens in Zusammenhang. Für die im Fachjournal Nature Neuroscience veröffentlichte Studie wurden Gehirnscans von 58 freiwilligen Versuchspersonen untersucht. Die
Forscher stellten dabei eine Korrelation zwischen der Größe der Amygdala und den
sozialen Kontakten her, die die Versuchspersonen unterhalten.
Das ergebe durchaus Sinn, sagte Lisa Feldman Barrett, eine der Autoren der
Studie. Immerhin seien die in beiden Hirnhälften vorhandenen, auch als
Mandelkern bezeichneten Hirnregionen für die Steuerung des sozialen Verhaltens
mitverantwortlich. Die Amygdala helfe dabei zwischen einer fremden und einer
bekannten Personen oder zwischen einem Freund oder einem Feind zu unterscheiden,
sagte die Forscherin von der Northeastern University in Boston.
Unklare Kausalitäten
Die Frage, ob ein großer Freundeskreis zu einer größeren Amygdala führt oder
ob umgekehrt eine größere Amygdala dafür verantwortlich ist, dass der
Freundeskreis wächst, kann die Studie nicht beantworten. Möglicherweise beides,
sagt Barrett. Allerdings müssten weitere Untersuchungen angestellt werden, die
ihre Ergebnisse untermauern. Möglicherweise könnten eines Tages ihre Ergebnisse
dazu beitragen, Menschen dabei zu helfen, ein aktives Sozialleben aufrecht zu
erhalten, sagte sie.
Arthur Toga von der Universität von Kalifornien in Los Angeles zeigte sich
von den Ergebnissen angetan. Die Arbeit sei gut gemacht und die statistischen
Ergebnisse sähen belastbar aus, sagte der Neurowissenschafter, der nicht an der
Studie beteiligt war. Die Idee, die Gehirnstrukturen mit dem menschlichen
Verhalten in Beziehung zu setzen, seien interessant und wichtig. Erst kürzlich machte der Fall einer Frau Schlagzeilen, die keine Angst
empfinden kann. Bei ihr funktionierte die Amygdala nicht mehr. (red/APA/dapd)