Kommunikationssystem brach zusammen - Warnhinweise nicht bemerkt
Washington - Die Explosion auf der Ölplattform
"Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko im April geht nach Recherchen
der "New York Times" auf ein Versagen sämtlicher Schutzmechanismen
auf der Bohrinsel zurück. Die Zeitung veröffentlichte am Sonntag das
Ergebnis eigener Untersuchungen zu der Explosion vom 20. April, die
elf Ölarbeiter in den Tod riss, dutzende Arbeiter verletzte und die
größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA auslöste. Laut
"New York Times" funktionierten einige Schutzmechanismen nicht und
manche wurden zu spät oder gar nicht aktiviert.
Das Kommunikationssystem brach dem Bericht zufolge durch die
Explosion zusammen, Warnhinweise wurden nicht bemerkt, und Arbeiter
in betroffenen Bereichen der Ölplattform reagierten unkoordiniert. In
den neun Minuten nach der Explosion sei keine Warnung an die
Besatzungsmitglieder gegangen, die zunächst nicht direkt betroffen
waren, berichtete das Blatt. Viele Arbeiter hätten die Explosion erst
durch eine Druckwelle bemerkt.
Laut "New York Times" war die Besatzung der vom britischen
BP-Konzern betriebenen Bohrinsel schlecht auf einen Ernstfall mit
Explosionen, Bränden und einem kompletten Stromausfall vorbereitet
gewesen. Die Arbeiter seien zudem durch das komplizierte Schutzsystem
und die vielen Regeln gelähmt gewesen. So müsse etwa ein
Sicherheitssystem allein durch 30 Knöpfe bedient werden. In einem
Handbuch für die Arbeiter, das vom Bohrinsel-Besitzer Transocean
herausgegeben wurde, wurden die Arbeiter laut der Zeitung einerseits
zu schnellem Handeln aufgefordert, aber andererseits ermahnt, von
Überreaktionen abzusehen.
Nach der Explosion am 20. April konnte das Leck am Bohrloch in der
Tiefe des Ozeans erst drei Monate später geschlossen werden. In dem
Zeitraum strömten gut fünf Millionen Barrel Öl in den Golf von
Mexiko. Die US-Regierung hat BP zu Schadenersatz in Milliardenhöhe
verklagt. (APA/AFP)