Kosmischer Baby-Boom mit Ablaufdatum

6. Jänner 2011, 11:56
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Hektische Sternbildung in M 82: Bis zu einer Million junger Sterne drängelt sich in Clustern von nur 20 Lichtjahren Durchmesser

Washington - In zwölf Millionen Lichtjahren Entfernung befindet sich eine Galaxie, die unserer Milchstraße ähnlicher sein dürfte, als früher gedacht wurde. M 82 hat mit etwa 40.000 Lichtjahren zwar nicht einmal die halbe Ausdehung unserer Heimatgalaxie, doch ähnelt sie ihr in ihrer Grundform. Lange Zeit war gedacht worden, die im späten 18. Jahrhundert entdeckte Galaxie wäre von irregulärer Form. Erst 2005 wurden bei einer Untersuchung im Nahinfrarot-Bereich zwei symmetrische Spiralarme festgestellt - es spricht einiges dafür, dass es sich um eine Balkenspiralgalaxie wie unsere Milchstraße handelt.

In einem anderen Punkt unterscheidet sie sich jedoch deutlich: M 82 zählt zu den sogenannten Starburstgalaxien, in denen überdurschnittlich viele neue Sterne entstehen. Im Zentrumsbereich von M 82 liegt die Rate sogar zehnmal höher als in der Milchstraße. Die jungen Sterne sammeln sich hier dicht an dicht in vergleichsweise winzigen Clustern, die sich ihrerseits zu dutzenden in "Klumpen" ballen. Nur mithilfe des "Hubble"-Teleskops können die einzelnen Cluster innerhalb dieser Klumpen ausgemacht werden; von einzelnen Sternen kann gar nicht erst die Rede sein. Was auf dieser "Hubble"-Weitwinkelaufnahme wie verwischte Sterne aussieht, sind in Wirklichkeit Cluster, die bei einem Durchmesser von nur 20 Lichtjahren jeweils bis zu einer Million Sterne enthalten können.

Die hohe Konzentration von Sternen, die in die Gas- und Staubnebel des Zentrums von M 82 eingebettet sind, erzeugt einen galaktischen "Superwind", der weiteres Gas komprimiert und zur Bildung neuer Sterne führt - und das millionenweise. Diese hektische Aktivität besiegelt aber zugleich das absehbare Ende des kosmischen Baby-Booms: Alles für die Sternbildung notwendige Material wird entweder verbraucht oder zerstört, die Geburtenrate sinkt und M 82 verliert ihren Rang als Starburstgalaxie. Nach Schätzungen von NASA-Astronomen könnte dies bereits relativ bald - in einigen Dutzend Millionen Jahren - der Fall sein. (red)

  • Weitwinkelaufnahme von M 82 in neuer Schärfe
    foto: nasa, esa, and the hubble heritage team (stsci/aura)

    Weitwinkelaufnahme von M 82 in neuer Schärfe

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