Mehr Mut zum Risiko im nächsten Jahr

21. April 2004, 14:18
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Auch in Tschechien 2004 wird das Viertelfinale angestrebt, dabei soll Jugend Trumpf sein - Wesentlicher Vorteil: Der Abstieg ist unmöglich

Helsinki - Mit Rang zehn hat die österreichische Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Finnland das Plansoll erfüllt. Der souveräne Sieg über Slowenien bedeutete den Klassenerhalt, in der Zwischenrunde wurde die Ukraine besiegt, unter dem Strich blieb die beste Platzierung seit 1999. Das große Ziel Viertelfinale war aber zu hoch gesteckt, vor allem die Art und Weise der 1:5-Niederlage gegen Deutschland im entscheidenden Spiel tat weh. An der Vision hat das nichts geändert. In Tschechien 2004 (Gruppenauslosung am Freitag) und vor allem bei der Heim-WM 2005 in Wien und Innsbruck will die ÖEHV-Auswahl unter die besten acht Nationen.

Die nächste WM beginnt jetzt

Teamchef Herbert Pöck war mit einer unerfahrenen Mannschaft, darunter vier WM-Neulinge, zu seinem ersten großen Turnier gefahren. Mit der Hilfe weniger Routiniers sollte der Klassenerhalt geschafft und der Aufbau einer starken Mannschaft voran getrieben werden. Das wurde erreicht, mehr ist (noch) Utopie. "Wir haben vielleicht mehr erwartet, als uns zugestanden wäre. Wir sind eben Österreich, die großen Nationen sind ein großes Stück weg. Aber mit dem Ende der WM beginnt der Kampf für die nächste WM, auch da ist das Viertelfinale das Ziel", erklärte Pöck.

Mehr Risiko im nächsten Jahr

Der Kärntner wird seinen Weg mit jungen Spielen fortsetzen und im kommenden Jahr intensivieren. Da Österreich 2005 als Gastgeber fix dabei ist, kann die Mannschaft in Tschechien nicht absteigen. "Wir wollen im nächsten Jahr mehr riskieren", sagt Pöck und kündigte an, dass noch mehr "Rookies" und weniger Routiniers zur WM fahren werden. Der reaktivierte Robin Doyle, mit 39 Jahren noch immer der beste Verteidiger in der rot-weiß-roten Mannschaft, hat das Ende seiner Teamkarriere erklärt, Christian Perthaler (34) wird auch nicht mehr dabei sein.

Comeback von Ullrich

Dafür sollte der Rekord-Internationale Martin Ulrich, der heuer verletzt ausfiel, wieder kommen. Dahinter warten Leute wie Pfeffer oder Reichel, die sich Chancen für einen Platz in der nominell schwach besetzten Verteidigung ausrechnen dürfen. Zudem soll Teamchef-Sohn Thomas Pöck endgültig zum Abwehrspieler umfunktioniert werden. Auch die Center bereiten Pöck Kopfzerbrechen.

Die Zeit ist reif für Vanek

Der Teamchef erhofft sich dafür zwei Verstärkungen aus Übersee. Super-Talent Thomas Vanek (19), der im Juni als erster Österreicher in Runde eins des NHL-Drafts gezogen werden wird, musste heuer aus schulischen Gründen passen, soll aber 2004 dabei sein. Torhüter Reinhard Divis, der bisher einzige Österreicher, der in der NHL spielte, fehlte in Finnland verletzungsbedingt. Die unumstrittene Nummer eins im Team sollte den Rückhalt geben, um auch stärkere Nationen ärgern oder schlagen zu können.

Welser ist "Spieler des Teams"

Auf der Plusseite stehen ganz klar die zwei Neulinge Raimund Divis und Daniel Welser sowie Robert Lukas, der mit Doyle das beste Verteidiger-Duo bildete. Raimund Divis, Bruder von Torhüter Reinhard, war ex aequo mit Martin Hohenberger mit drei Toren und einem Assist bester Scorer der Österreicher, dahinter folgte Welser. Der 20-jährige KAC-Stürmer erzielte gegen Tschechien und die Slowakei jeweils den Ehrentreffer und wurde für seine starke WM-Leistung von seinen Kollegen zum besten Spieler des Teams gewählt.

Die U20 rückt nach

Welser war mit Thomas Koch, ebenfalls WM-Neuling, Setzinger und Vanek hauptverantwortlich für den Aufstieg der U20-Nationalmannschaft in die A-Gruppe, stand aber im Schatten des Trios. Als Wackelkandidat flog er zu den Testspielen nach Kiew mit. "Er hat sich aber hineingespielt und ist einer, der einen Schritt gemacht hat. Welser ist ein exzellenter Eisläufer und ein beinharter Arbeiter. Er hat mehr gebracht, als er erhoffen durfte", freute sich Pöck über die Leistungsexplosion des linken Flügels.

Kalt: "Unter Wert geschlagen"

Das Viertelfinale hat jedenfalls auch Kapitän Dieter Kalt nicht aus den Augen verloren. "Wir haben uns heuer mehr erwartet, wollten uns nach oben orientieren. Vor ein paar Jahren wären wir mit Rang zehn zufrieden gewesen, aber es ist gut, wenn man sich höhere Ziele setzt. Wir haben uns heuer manchmal nicht als Mannschaft präsentiert und wurden unter Wert geschlagen."(APA)

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    Martin Hohenberger und Raimund Divis im letzten Spiel gegen die Ukraine.

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