Anwalt: Mutmaßliche Assange-Opfer keine Gehilfinnen der CIA

25. Dezember 2010, 10:05
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Vergewaltigungsvorwürfe seien keine Schmutzkampagne der USA

Die beiden mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer von Julian Assange sind nach Angaben ihres Anwalts keine Gehilfinnen des US-Geheimdienstes CIA, sondern sogar Unterstützerinnen der Enthüllungsplattform Wikileaks. Es sei sehr ärgerlich, dass Assange die Vorwürfe seiner Mandantinnen als Schmutzkampagne der USA gegen Wikileaks bezeichne, sagte Claes Borgstrom der Nachrichtenagentur AP.

Rücksichtslos

"Er verbreitet falsche Gerüchte. Das ist rücksichtslos gegenüber den zwei Frauen", sagte Borgstrom am Donnerstag. Die Schwedinnen hatten zuvor schwere Vorwürfe gegen Assange erhoben. Nach Angaben der Anwältin Gemma Lindfield, die den schwedischen Staat vor britischen Gerichten vertritt, habe eine Frau Assange beschuldigt, sie festgehalten und die Verwendung eines Kondoms abgelehnt zu haben. Die andere Frau werfe Assange vor, Sex mit ihr gehabt zu haben, während sie schlief.

Der Wikileaks-Gründer hatte die Frauen im vergangenen August während einer Vortragsreise in Stockholm kennengelernt. Aus Polizeiunterlagen geht hervor, dass er innerhalb einer Woche mit beiden Geschlechtsverkehr hatte. Nachdem sie voneinander erfahren hatten, gingen die Frauen gemeinsam zur Polizei.

Vorwürfe

Sie hätten damals keine Anzeige erstattet, sondern lediglich um Beratung gebeten, sagte ihr Anwalt Borgstrom. Eine Polizistin habe den Fall jedoch an die Staatsanwaltschaft übermittelt, die daraufhin einen Haftbefehl gegen Assange beantragt habe. Gegen die Zahlung einer Kaution an ein britisches Gericht befindet sich Assange derzeit auf freiem Fuß und kämpft gegen seine Auslieferung nach Schweden.

"Ich habe die Polizeiberichte gelesen und kenne die Schilderungen meiner Mandantinnen", sagte Borgstrom. "Meiner Meinung nach war es Vergewaltigung und versuchte Vergewaltigung oder sexuelle Belästigung." Borgstrom war von 2000 bis 2007 Ombudsmann für Gleichberechtigung in Schweden und bezeichnet sich als Feminist. Seiner Auffassung nach tragen alle Männer eine kollektive Verantwortung für den Missbrauch von Frauen. 2006 forderte er den Boykott der Fußballweltmeisterschaft, weil er während des Turniers in Deutschland einen Anstieg des Menschenhandels zum Zwecke der Prostitution befürchtete.

Schweden

In Schweden werden nach einer von der EU-Kommission finanzierten Studie in über 24 europäische Staaten die meisten Sexualverbrechen angezeigt. Es kommt jedoch nur in zehn Prozent der Fälle zu einer Verurteilung. (APA/dapd)

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