"Downer" - Gefährlich durch Überdosierungen und verunreinigtes Injektionsbesteck - In Österreich haben ein bis zwei Prozent der Menschen Konsumerfahrung mit Heroin
Wien - Die Substanz (Diacetylmorphin) wurde 1874 erstmals synthetisiert. 1898 wurde Heroin von dem damals international wohl innovativsten Pharmaunternehmen der Welt, Bayer (Leverkusen/Deutschland), als Medikament zur Behandlung von Husten auf den Markt gebracht. Opiate dämpfen den Hustenreiz. Codein in Tropfenform wird hier weiterhin verwendet.
"Da Heroin zur Hustenbehandlung oral verabreicht wurde, somit langsam ins Gehirn gelangt und eine nur schwache psychische Wirkung hat, wurde das große Suchtpotenzial dieser Substanz lange Zeit nicht erkannt", heißt es dazu bei den Wiener Experten der Beratungseinrichtung "CheckIt". In Richtung Illegalität in Sachen Opiatkonsum ging es dann Anfang des 20. Jahrhunderts, als in den USA - vor allem aus "moralischen" Überlegungen - die Ablehnung des damals relativ weit verbreiteten nicht-medizinischen Konsums von Heroin zunahm. 1912 wurde das sogenannte Opiumabkommen unterzeichnet. Es sah, so die Wiener Fachleute, die regelmäßig auch Untersuchungen von Substanzen durchführen und so auch den Markt überwachen können, die "allmähliche Unterdrückung des Missbrauchs von Opium, Morphin, Kokain sowie solcher Verarbeitungen und Derivate dieser Stoffe, welche zu ähnlichen Missbräuchen Anlass geben oder Anlass geben können" vor.
1920 traten 43 Staaten dem Opiumabkommen bei. 1961 wurde das Mohnstrohkonzentrat, Opium, Rohopium, Heroin, Methadon, Morphin und Codein in die New Yorker Suchtgiftkonvention ("Single Convention") aufgenommen.
Dämpfendes Suchtmittel
Das Suchtmittel ist ein "Downer", wirkt also dämpfend. Heroin wird in mehreren Schritten aus Opium, dem eingetrockneten Milchsaft der unreifen Schlafmohnkapsel, gewonnen. Es wird entweder in die Vene gespritzt, geraucht oder auf erhitzter Alu-Folie inhaliert, eventuell auch geschnupft. Zum Injizieren wird es in einem Löffel mit Ascorbinsäure oder Zitronensaft erhitzt und durch ein Stückchen Zellstoff gefiltert aufgezogen.
Heroin hat eine stark betäubende und beruhigende Wirkung. Sämtliche Empfindungen wie Schmerz, Leeregefühl, Sorgen, Unwille, Angstgefühle werden kurzfristig blockiert und zugedeckt. Anfänglich beobachtet man eine starke Euphorie, das Selbstbewusstsein ist gesteigert. Der Rausch dauert etwa vier Stunden, bei Injektion kommt am Anfang zusätzlich noch ein intensiver "flash" von einigen Sekunden bis Minuten dazu. Sehr schnell kann Heroin körperliche und seelische Abhängigkeit erzeugen. Wird kein "Stoff" zugeführt, treten Entzugserscheinungen auf. Gefährlich sind Überdosierungen, weil dann - wie bei zu hohen Mengen an Opiaten - das Atemzentrum gelähmt wird.
Heroin-Gebrauch in Form von intravenösen Injektionen gehört zum "problematischen Drogenkonsum" und somit besonders gefährlichen Suchtmittelkonsum. Dazu gehören auch Infektionen mit verunreinigtem Spritzenbesteck und Needle-Sharing mit Aids- oder Hepatitis-Erregern. Darauf zielen alle Maßnahmen zur Schadensbegrenzung ab: Angebote von Substitutionsbehandlung mit oral einzunehmenden Opioiden auf Arztrezept, Spritzentauschprogramme und andere Maßnahmen, um die Suchtkranken möglichst gut in soziale und medizinische Betreuung zu bekommen. (APA)
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Wissen: Konsumerfahrung mit Heroin in Österreich
In Österreich haben damit maximal ein bis zwei Prozent der
Menschen Konsumerfahrung. Berücksichtigt man, dass die Zahl der Menschen
mit problematischem Opiatkonsum (i.v.-Drogenkonsum, zumeist
Mischkonsum) bei geschätzten 25.000 bis 37.000 Personen liegt, stellen
sich die Raucher und jene der Alkoholabhängigen - fünf Prozent der
Bevölkerung über 15 Jahren und somit rund 350.000 Menschen - in
Österreich als ein wesentlich größeres Problem dar.
Im Jahr 2009 befanden sich in Österreich 13.460 Opiatabhängige in
Drogenersatztherapie (davon 2.955 Neuzugänge). Im Jahr 2008 waren es
11.119 (1.570 Neuzugänge) gewesen. Im Jahr 2000 lag die Gesamtzahl noch
bei 4.464 Substitutionspatienten (davon 811 Neuzugänge).
In Wien allerdings konnte die Zahl der beteiligten Ärzte über die Jahre hinweg konstant gehalten werden. Dort sind weiterhin 380 Ärzte zur Substitutionsbehandlung berechtigt, davon 320 im niedergelassenen Bereich. In der Bundeshauptstadt werden damit bereits 70 Prozent der infrage kommenden Suchtkranken erreicht, in anderen Bundesländern - so der österreichische Drogenbericht - dürften es weniger als 50 Prozent sein. In mehreren Bundesländern ging die Zahl der sich hier engagierenden Ärzte in den vergangenen Jahren deutlich zurück.
Problematische Opioidkonsumenten sind laut der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle i(EBDD) n Lissabon schätzungsweise zwischen 1,2 Millionen und 1,5 Millionen Europäer. Vier Prozent aller Todesfälle unter Europäern im Alter zwischen 15 und 39 Jahren sind drogeninduzierte Todesfälle, wobei in etwa drei Viertel der Fälle Opioide nachgewiesen werden. Etwa 670.000 Opioidkonsumenten erhalten im Jahr 2008 in Europa eine Substitutionsbehandlung. (APA)