Cornelia Luger hat die Männerdomäne des Brauens in der Vorarlberger Mohrenbrauerei gebrochen - Jetzt will sie Österreichs erste Braumeisterin werden -
Im Frühmittelalter erklärten die Mönche in den Klöstern das Brauen zur Männersache. In den folgenden Jahrhunderten bis heute blieb das Braugewerbe fest in Männerhand. In der Vorarlberger Mohrenbrauerei kümmert sich nun eine junge Frau um das Bierbrauen - und das mit großer Leidenschaft. Cornelia Luger heißt die junge Vorarlberger Getränketechnikerin, die eigentlich ursprünglich Fotografin werden wollte.
"Ich fand damals aber keine Lehrstelle, also überlegte ich gemeinsam mit meiner Mutter mögliche Alternativen. Die Idee, mich um eine Lehrstelle als Getränketechnikerin zu bemühen, kam schließlich von meiner Mutter. Ich war sofort überzeugt, dass dieser Beruf das Richtige für mich sei, musste jedoch zuerst einige Absagen in Kauf nehmen. Die Begründung war immer, dass die Arbeit in einer Brauerei für eine Frau körperlich viel zu anstrengend sei."
Cornelia Luger ließ sich jedoch nicht entmutigen, und ihre Hartnäckigkeit wurde schließlich doch belohnt. Sie erhielt die Chance ein Praktikum zu absolvieren und überzeugte. 2009 schloss sie die Lehre erfolgreich ab.
Technischer Beruf
Die Gründe, warum Frauen bisher diesen Beruf nicht oder zumindest kaum in Erwägung gezogen haben, sieht Cornelia Luger einerseits schon darin, dass es natürlich hin und wieder physisch ein bisschen strapaziös sei, hinzu komme aber auch, dass es ein sehr technischer Beruf sei. Sehr viel Mathematik hatte sie während der dreijährigen Lehre und viele Stunden Praktikum seien neben acht Wochen Berufsschule in Wien zu absolvieren gewesen. Nicht nur in der Brauerei. Als angehende Getränketechnikerin wird man auch in der Herstellung von alkoholfreien Getränken geschult, daher müssen Brauereilehrlinge auch Praktika bei Fruchtsaftherstellern absolvieren. Insgesamt also eine sehr intensive und aufwändige Lehrzeit.
Auch fehle es natürlich im Moment noch an weiblichen Vorbildern, aber der Anfang wäre nun ja gemacht und sie hoffe auf zahlreiche Nachahmerinnen. Es gebe natürlich Frauen in der Getränkeproduktion, diese finde man aber vorwiegend bei Tätigkeiten in Labors. Das wäre nichts für sie. Die praktische Arbeit in einer Brauerei liege ihr persönlich mehr, die Entstehung des Produkts von Anfang bis zum Ende mit zu verfolgen und zu begleiten sei das Einmalige an ihrem Beruf.
Konkrete Zukunftspläne
Sie selbst trinkt kaum Bier. Säfte und Wasser als Durstlöscher sind ihr nach wie vor lieber und trotzdem braut sie den Gerstensaft leidenschaftlich gerne. Was ihre berufliche Zukunft betrifft, hat die junge Vorarlbergerin sehr konkrete Pläne. Sie möchte die erste weibliche Braumeisterin Österreichs werden. Dazu benötigt sie vorerst jedoch zwei Jahre Berufserfahrung. Danach sollte sie ihr Weg nach Deutschland führen, genauer ins bayrische Freising.
Dort existiert die älteste noch bestehende Braustätte der Welt, Weihenstephan, gegründet 1040, in direkter Nachbarschaft das Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München. Ein zweijähriges Studium gilt es dort zu absolvieren, dann stehen die Chancen gut, dass Österreich die erste weibliche Braumeisterin feiern darf.
Neugier, Geduld, Ausdauer, technisches Verständnis und eine gute Portion Kreativität sind laut Cornelia Luger beste Voraussetzung für diesen Beruf. Es gebe also kein Hindernis für Frauen. (Birgitt Hochegger, DER STANDARD, Printausgabe, 24.12.-26.12.2010)