Fremdsprachige Wörter in Zeitungen und auf Webseiten ab sofort verboten
"Das kommt mir chinesisch vor." So klagen inzwischen selbst Chinesen. Denn ihre Sprache drohe in ihren Medien zu einem Mischmasch aus Schriftzeichen, ausländischen Abkürzungen und lautähnlichen Lehnwörtern zu verkommen. Das befürchtet zumindest Chinas Presse- und Publikationsamt (GAPP).
"Schadet der Ordnung"
Die oberste Zensurbehörde verbot nun in einem Erlass auf ihrer Webseite die unreflektierte Übernahme fremdsprachlicher Begriffe: Akronyme und Anglizismen wie CPI (Index der Verbraucherpreise), GDP (Sozialprodukt) oder CEO (Firmenchef) müssten aus der heimischen Presse oder von Webseiten verschwinden. Die Übernahme der Wörter "schade der Ordnung und Reinheit des Chinesischen und seinem harmonisch sprachkulturellen Umfeld".
Den selbsternannten Sprachwächtern platzte der Kragen über jüngste Beispiele in Pekinger Zeitungen: In großen Schlagzeilen stand da etwa "CPI po wu!". Gemeint war, dass Chinas Preise (CPI) die Fünf-Prozent-Marke übersprungen hatten (po wu). Tatsächlich nutzen Chinas Medien immer mehr fremdsprachliche Begriffe - von "G 20" bis "iPhone" und "iTouch" - oder greifen zu lautähnlichen Umschreibungen wie "Ku-er" für cool, "Sha fa" für Sofa und "La te" für Caffè Latte.
Über die Zeitung Chinas Jugend riefen Experten zur "Verteidigung unserer Sprache Hanyu" gegen die Überfremdung auf. Doch die Redakteure kritisierter Medien sagen, es verwirre nur, wenn eingeführte internationale Abkürzungen wie IBM oder WTO stets aufs Neue ins Chinesische übersetzt oder erklärt werden müssten.
Selbst das Parteiorgan Volkszeitung distanzierte sich vom Übereifer der GAPP. Anglizismen seien auch Ausdruck für die Öffnung und Integrationsfähigkeit einer Sprache.
Chinas jüngste sprachliche Neuschöpfung ist eine lautmalerische Übersetzung des Wortes "Shopping" als "Xue pin". Die beiden dafür verwendeten ähnlich klingenden Schriftzeichen bedeuten ihrem Sinn nach "Blut" und "rücksichtsloser Kampf" - eigentlich treffend für den weihnachtlichen Einkaufsrummel. (DER STANDARD Printausgabe, 23.12.2010)