Gegen "iPhone" und "WTO"

China kämpft gegen englische Begriffe

Johnny Erling aus Peking, 22. Dezember 2010, 19:49

Fremdsprachige Wörter in Zeitungen und auf Webseiten ab sofort verboten

"Das kommt mir chinesisch vor." So klagen inzwischen selbst Chinesen. Denn ihre Sprache drohe in ihren Medien zu einem Mischmasch aus Schriftzeichen, ausländischen Abkürzungen und lautähnlichen Lehnwörtern zu verkommen. Das befürchtet zumindest Chinas Presse- und Publikationsamt (GAPP). 

"Schadet der Ordnung"

Die oberste Zensurbehörde verbot nun in einem Erlass auf ihrer Webseite die unreflektierte Übernahme fremdsprachlicher Begriffe: Akronyme und Anglizismen wie CPI (Index der Verbraucherpreise), GDP (Sozialprodukt) oder CEO (Firmenchef) müssten aus der heimischen Presse oder von Webseiten verschwinden. Die Übernahme der Wörter "schade der Ordnung und Reinheit des Chinesischen und seinem harmonisch sprachkulturellen Umfeld".

Den selbsternannten Sprachwächtern platzte der Kragen über jüngste Beispiele in Pekinger Zeitungen: In großen Schlagzeilen stand da etwa "CPI po wu!". Gemeint war, dass Chinas Preise (CPI) die Fünf-Prozent-Marke übersprungen hatten (po wu). Tatsächlich nutzen Chinas Medien immer mehr fremdsprachliche Begriffe - von "G 20" bis "iPhone" und "iTouch" - oder greifen zu lautähnlichen Umschreibungen wie "Ku-er" für cool, "Sha fa" für Sofa und "La te" für Caffè Latte.

Über die Zeitung Chinas Jugend riefen Experten zur "Verteidigung unserer Sprache Hanyu" gegen die Überfremdung auf. Doch die Redakteure kritisierter Medien sagen, es verwirre nur, wenn eingeführte internationale Abkürzungen wie IBM oder WTO stets aufs Neue ins Chinesische übersetzt oder erklärt werden müssten. Selbst das Parteiorgan Volkszeitung distanzierte sich vom Übereifer der GAPP. Anglizismen seien auch Ausdruck für die Öffnung und Integrationsfähigkeit einer Sprache.

Chinas jüngste sprachliche Neuschöpfung ist eine lautmalerische Übersetzung des Wortes "Shopping" als "Xue pin". Die beiden dafür verwendeten ähnlich klingenden Schriftzeichen bedeuten ihrem Sinn nach "Blut" und "rücksichtsloser Kampf" - eigentlich treffend für den weihnachtlichen Einkaufsrummel. (DER STANDARD Printausgabe, 23.12.2010)

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20 Postings
Peter-Prinzip
01
26.12.2010, 17:25
oder greifen zu lautähnlichen Umschreibungen

Davon können auch die Japaner ein Lied singen. Wird dann als Katakana wiedergegeben. Da gibt es schon lange eigene Wörterbücher dafür.

BRAVO CHINA!

parapente
14
23.12.2010, 11:29
In Frankreich

wird ebenfalls nur französisch geschrieben und gesprochen.
Bei uns wäre Deutsch auch nicht so schlecht, wenn ich da an die ÖBB denke mit ihrem depperten "City shuttle"

Shoe Shine Pad
14
23.12.2010, 13:44
Ein schöner deutscher Satz:

Nach dem Nordic Walking essen Sie einen Snack aus der Lunch Box und nehmen den Shuttle in die City zum Shopping und denken schon an das coole Brunchen am Weekend.

paramenes
00
23.12.2010, 10:13

erinnert irgendwie an die blöden wortwitze wie zb um lei tung

Mark Syl
00
23.12.2010, 09:30
hm

find ich gut. damit tun wir uns leichter mit den chinesen und die chinesen mit uns. damit rücken wir näher zusammen. wenn die kulturen endlich verschwimmen und auch die religiös bedingten Kulturkämpfe endlich der Vergangenheit angehören, dann sind Menschen wieder lebensfähig abseits von Kriegen und Kulturkämpfen. Wir! sind die Menschen auf diesem Planeten und wir sollten zusammenhalten, was leichter geschied, wenn wir uns besser verstehen und besser aufeinander eingehen können. Dass alles viel einfacher wird, ist ja generell dann zu sehen und klar wollen Chinesen auch einen Ipod, der womöglich sogar bei ihnen produziert wird und sie wollen nicht Lutscher dazu sagen, sondern eben Ipod, weils eben einer ist!

Chien de Pique
11
23.12.2010, 15:41

Wir tun uns leichter, wenn die Chinesen keine englischen Wörter mehr gebrauchen? Denn das ist es, was kommen soll und Sie offenbar gut finden?

Johannes Benn
21
23.12.2010, 08:53
.

wirkt zwar wie der kampf gfegen die windmühlen könnte aber ein anfang seinm vielleicht ein vorbild?

Seria
00
23.12.2010, 08:36

Tsingtau ist nun mal besser als Foster Ale etc

hcl
01
25.12.2010, 20:34

Welches Bier ist bitte nicht besser als Foster's?

KomaPoster
01
23.12.2010, 07:18
Bezeichnend dafür: die Zensurbehörde!

Haben wir doch auch in der Slowakei. Selbst in Frankreich ist das so. Und erst der Vatikan ist mit seinem Latein noch lange nicht am Ende.

In ca. 100 Jahren sprechen wir ale auf diesem Planeten nurmehr ein ganz seltsames Englisch. Täglich verschwinden ein bis zwei Sprachen.

Sinfioetli
00
23.12.2010, 10:34

nomen est omen

Dagmar Rehak Wien
 
00
23.12.2010, 03:16
Brav, China, weiter so!

Ich hab neulich irgendwo gelesen: HGF (häufig gestellte Fragen)
Da war ich echt beeindruckt, zumal man ja "FAQ" wie "fuck" ausspricht.

Sol´kanar -The Swamp King
00
23.12.2010, 09:51
es spricht sich: "FÄG",

Frau Tschehak.

KomaPoster
11
23.12.2010, 10:49
es spricht sich: e' fakjuh

Herr Klana schlammkink

Sol´kanar -The Swamp King
01
23.12.2010, 11:54
hat die Weihnachtsfeier bei euch schon um 8.00 begonnen?

paramenes
00
23.12.2010, 10:13

like faggot?

Ranswick
00
23.12.2010, 08:47

finde ich nicht beeindruckend sondern eher angenehm wenn es für solche dinge "einheitliche" kürzel gibt. bei faq ist es vielleicht noch egal wobei mich das nerven würde da ich solch ein kürzel auf anhieb nicht deuten könnte.

aber gerade im fachbereich kann man deutsche bücher einfach oft schmeissen weil sie fachliche wörter übersetzen die einfach nicht übersetzt gehören.

Styx
00
23.12.2010, 01:41

sollen doch gleich die Neusprache einführen...

Christoph Karl Steininger
02
23.12.2010, 01:21
Ein vergeblicher Kampf.

Man hat beinahe Mitleid mit den Beamten. In der Zukunft werden wil arre, will meinen wir alle, eine Art Pidgin English sprechen im Alltag. Für die Literatur wird die Hochsprache hochgehalten.
Und für Bedienungsanleitungen gilt wie immer: ein Spracherkennungsprogramm aus Korea gepaart mit einem Übersetzungsprogramm aus dem Internet!

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