Der mexikanische Drogenkrieg schwappt auf die Nachbarn über. Guatemala
verhängt den Ausnahmezustand in den Regionen an der Grenze zu Mexiko. Ehemalige
Elitesoldaten kämpfen dort für die Kartelle.
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Wer abends nach neun Uhr auf die Straße geht, kann seines Lebens nicht mehr
sicher sein. Das ist nur eine der Regeln im Grenzgebiet zwischen Guatemala und
Mexiko. Sie werden diktiert von den Drogenkartellen, die seit zwei Jahren im
guatemaltekischen Gebiet nahe Mexikos das Sagen haben - unter den Augen der
schlecht ausgebildeten, schlecht bezahlten und schlecht bewaffneten Polizei.
Die Killer von der Gruppe der Zetas seien am helllichten Tag schwer bewaffnet
durch die Stadt Cobán marschiert, hätten Frauen vergewaltigt, junge Männer
zwangsrekrutiert und Bauern gezwungen, ihnen ihr Land abzutreten, berichteten
die Bewohner lokalen Medien.
Nun verhängte Guatemalas Präsident Alvaro Colom den Ausnahmezustand in der
Region Alta Verapaz, 200 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Guatemala Stadt.
Er schickte - gleich wie sein Kollege im benachbarten Mexiko - die Armee in den
Kampf gegen die Drogenkartelle. Die Grundrechte in der Region wurden für mehr
als ein Monat außer Kraft gesetzt, die Soldaten errichteten ein Lager in Cobán.
Die mexikanische Regierung versprach Colom "Unterstützung im gemeinsamen Bemühen
um eine sichere Grenze".
Über 300 Polizisten wurden nach Angaben des Verteidigungsministers Abraham
Valenzuela wegen möglicher Kontakten zu den Drogenkartellen strafversetzt und
müssen mit einem Prozess rechnen, 150 Waffen und 65. 000 US-Dollar wurden
sichergestellt.
Die Soldaten patrouillierten nun in den Dörfern, errichteten Straßensperren
und durchsuchten Häuser. Lokale Medien vermeldeten 15 Festnahmen - allerdings
sei kein wichtiger Drogenboss darunter. Die flohen offenbar in Nachbarregionen,
aus denen in den vergangenen Tagen Präsenz schwer bewaffneter Kommandos gemeldet
wurden. Präsident Colom will nun auch dort den Notstand ausrufen. Wenn er dafür
genug Soldaten hätte, hätte er sie schon längst losgeschickt, sagte er am
Dienstag Journalisten.
Im Dienste des Zeta-Kartells stehen neben Mexikanern auch guatemaltekische
Ex-Elitesoldaten, sogenannte Kaibiles. In Guatemala tobte 36 Jahre lang ein
Bürgerkrieg, der erst 1996 mit einem Friedensvertrag endete. Das wegen
Gewalttaten diskreditierte Militär wurde von 45.000 auf 15.500 Soldaten
reduziert, viele der Entlassenen heuerten bei Banden an. Colom will das Militär
nun wieder auf 21.000 Mann aufstocken.
Mittelamerika ist das schwächste Glied im Drogenkrieg. In Washington ist man
laut Wikileaks-Depeschen wegen der durchlässigen Grenze zwischen Mexiko und
Guatemala höchst besorgt. Schließlich fließt der größte Teil des in den USA
konsumierten Kokain durch das Land. (Sandra Weiss aus Puebla/DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2009)