Elitesoldaten im Sold der Kartelle

22. Dezember 2010, 18:16
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Der mexikanische Drogenkrieg schwappt auf die Nachbarn über. Guatemala verhängt den Ausnahmezustand in den Regionen an der Grenze zu Mexiko. Ehemalige Elitesoldaten kämpfen dort für die Kartelle.

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Wer abends nach neun Uhr auf die Straße geht, kann seines Lebens nicht mehr sicher sein. Das ist nur eine der Regeln im Grenzgebiet zwischen Guatemala und Mexiko. Sie werden diktiert von den Drogenkartellen, die seit zwei Jahren im guatemaltekischen Gebiet nahe Mexikos das Sagen haben - unter den Augen der schlecht ausgebildeten, schlecht bezahlten und schlecht bewaffneten Polizei.

Die Killer von der Gruppe der Zetas seien am helllichten Tag schwer bewaffnet durch die Stadt Cobán marschiert, hätten Frauen vergewaltigt, junge Männer zwangsrekrutiert und Bauern gezwungen, ihnen ihr Land abzutreten, berichteten die Bewohner lokalen Medien.

Nun verhängte Guatemalas Präsident Alvaro Colom den Ausnahmezustand in der Region Alta Verapaz, 200 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Guatemala Stadt. Er schickte - gleich wie sein Kollege im benachbarten Mexiko - die Armee in den Kampf gegen die Drogenkartelle. Die Grundrechte in der Region wurden für mehr als ein Monat außer Kraft gesetzt, die Soldaten errichteten ein Lager in Cobán. Die mexikanische Regierung versprach Colom "Unterstützung im gemeinsamen Bemühen um eine sichere Grenze".

Über 300 Polizisten wurden nach Angaben des Verteidigungsministers Abraham Valenzuela wegen möglicher Kontakten zu den Drogenkartellen strafversetzt und müssen mit einem Prozess rechnen, 150 Waffen und 65. 000 US-Dollar wurden sichergestellt.

Die Soldaten patrouillierten nun in den Dörfern, errichteten Straßensperren und durchsuchten Häuser. Lokale Medien vermeldeten 15 Festnahmen - allerdings sei kein wichtiger Drogenboss darunter. Die flohen offenbar in Nachbarregionen, aus denen in den vergangenen Tagen Präsenz schwer bewaffneter Kommandos gemeldet wurden. Präsident Colom will nun auch dort den Notstand ausrufen. Wenn er dafür genug Soldaten hätte, hätte er sie schon längst losgeschickt, sagte er am Dienstag Journalisten.

Im Dienste des Zeta-Kartells stehen neben Mexikanern auch guatemaltekische Ex-Elitesoldaten, sogenannte Kaibiles. In Guatemala tobte 36 Jahre lang ein Bürgerkrieg, der erst 1996 mit einem Friedensvertrag endete. Das wegen Gewalttaten diskreditierte Militär wurde von 45.000 auf 15.500 Soldaten reduziert, viele der Entlassenen heuerten bei Banden an. Colom will das Militär nun wieder auf 21.000 Mann aufstocken.

Mittelamerika ist das schwächste Glied im Drogenkrieg. In Washington ist man laut Wikileaks-Depeschen wegen der durchlässigen Grenze zwischen Mexiko und Guatemala höchst besorgt. Schließlich fließt der größte Teil des in den USA konsumierten Kokain durch das Land. (Sandra Weiss aus Puebla/DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2009)

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21 Postings
Tage der Toten

Ich empfehle dazu das superspannende Buch "Tage der Toten" von Don Winslow, das von der mexikanischen Mafia mit ihren Verbindungen in die USA und zu US-Geheimdiensten handelt.

Aha,

...eine Bewertung aus der Mexikanischen und eine aus der US Botschaft.
Beide Länder kommen in dem gut recherchierten Buch verdammt schlecht weg.

Alles, das Geld bringt wird immer jemanden finden, der´s macht.

Ob zu religiösen Zeremonien oder zum persönlichen Ge- od. Mißbrauch, jede Gesellschaft hat und hatte immer ihre Drogen.
Daran werden Verbote nichts ändern.
Die einzige Chance gegenden Drogenhandel ist die Austrocknung des Marktes.
Und da sich immer jemand finden wird, der gegen ausreichend Geld Produktion, Transport und Verkauf übernimmt, kann der Markt nur über die Käufer ruiniert werden.
Daß Verbote nichts nützen wissen wir schon.
Bleibt nur noch der Versuch, den Markt über Dumping-Preise zu zerstören, also völlige Freigabe (mit Alterslimits wie für Alkohol und Tabak) für sog. weiche Drogen und Abgabe an registrierte Süchtige in Apotheken, von mir aus auch auf Rezept, wäre immer noch billiger als die Kosten der Folgekriminalität.

Und hier werden offensichtlich keine US Soldaten ins Ausland geschickt, wo es ausnahmsweise mal Sinn machen würde. Oder wenigstens die UNO.

Würde man zumindest die weichen Drogen endlich mal legalisieren,

würde viel an krimineller Strukturen wegfallen. Das gilt insbesondere auch für Mexiko, die ja insbesondere auch ein solches Problem (mit Bürgerkriegszuständen) haben, wegen des gigantischen Absatzmarktes in den USA.

rund 13.000 (!) tote gab es allein heuer im mexikanischen drogenkrieg

in der grenzstadt ciudad juarez kamen bis ende november allein 3.010 menschen ums leben.

in wien gab es heuer 18 morde (artikel von heute im standard) bei einer aufklärungsquote von 94,5 %.
soviel zum thema: unsichere straßen bzw. angst haben müssen usw...

wir leben im land der seeligen, ein homer s. "woohoo" kann ich da nur anbringen.

sind zwar leider 18 morde zuviel aber ich kann mich da nur anschliessen: "Woohooo...!!!"

Dagegen sind sogar US-Großstädte harmlos, die haben meist weniger als 400 Morde pro Jahr.

Wien ist natürlich eine Insel der Seligen, das ärgert die FPÖ ja so.

in wien wird ja auch nicht gegen den drogenhandel vorgegangen

hier kann man täglich den dealern bei der arbeit zuschauen, 100m weiter steht die polizei und schaut ebenfalls zu.

blödsinn

die frühen wahlversprechen der fpö "vor jeder volksschule ein drogendealer" wurden trotz regierungsbeteiligung NICHT eingehalten.

Und welche Folgen hat das?

kein militarisierter Bandenkrieg um Verteilerzentren, kaum ein Mord der dem Drogenhandel zuzuordnen ist, kaum Drogentote, kaum Milliegewalt und nur mäßige Polizeikorruption (Fast ausschliesslich Polizeigewalt gegen Demontranten, Tierschützer und Mitbürger fremdländischer Herkunft).

Darum ist auch Rassismus in unserem Land als das gefährlichere Phänomen einzustufen.

Eben

WEIL in Österreich gegen den Drogenhandel vorgegangen wird ist es sicherer als in Mexiko.

Natürlich könnte es noch besser werden (zero tolerance gegen Dealern als auch gegenüber Konsumenten), three strikes - out, und das wäre auch wünschenswert.

Prohibition?

Sagt Ihnen das etwas? Wissen Sie vielleicht auch noch, was diese genau bewirkt hat?
Und wenn wir gerade dabei sind, sind sie wenigstens so konsequent das selbe auch fuer Alkohol einzufordern? Alkoholkonsum hat ja schwerere Folgen als so manche verbotene Substanzen und fordert allein durch Unfaelle mehr Tote als die meisten anderen Drogen, wenn nicht alle.
Ich wette auf Ihr Glaeschen Wein werden Sie nicht gerne verzichten wollen...

sg gärtner,

SCHULD tragen vornehmlich die konsumenten. niemand zwingt jemanden illegale drogen zu konsumieren. der vergleich hinkt außerdem, weil sich in mexiko drogenbanden vornehmlich untereinander bekriegen und sowas gibts in wien einfach nicht.

niemand zwingt jemanden illegale drogen zu konsumieren.

Doch, die Sucht.

..die selbstverschuldete.

Wer ohne Schuld ist, ....

das war hier nicht der punkt

Doch, in bezug zu meinem Vorposter schon.

um süchtig zu werden bedarf es aber durchaus zeit. ausgenommen richtig hartes zeug wie crystal, H oder crack schätze ich.

Ja und? Die Drogenhändler in Wien bedrohen niemanden, zwingen niemanden ihre Produkte zu kaufen, usw. Es gibt wirklich wichtigere Probleme. Ob irgendwer in Wien Drogen verkauft hat auf meine Lebensqualität null Einfluss.

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