Tausend Tode fürs ewige Leben

22. Dezember 2010, 17:13
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    foto: apa/georg hochmuth

    Edita Gruberová im Oktober bei einem Pressegespräch zur Aufführung von 'La Traviata'

"La Traviata": Edita Gruberovás letzte Violetta im Musikverein

Wien - Die Opernwelt, die ist ein sonderbar Ding: Der Tod kann hier eine wunderschöne, bewundernswerte Sache sein. Haucht ein bemitleidenswertes Persönchen nach langen Qualen ihr Leben aus, wird dies in der Regel nur Sekunden später mit wildem Beifall und Bravorufen quittiert.

Eine Karriere ist eine seltsame Angelegenheit: Sie ist selten der Fall und noch seltener von Dauer. Manchen wird sie geschenkt und wieder genommen, manche erarbeiten sie sich hart und lassen sie dann durch noch härtere, klügere Arbeit nie wieder aus.

Edita Gruberová ist schon Tausende der allerschönsten Bühnentode gestorben, das ewige Leben in den Herzen ihrer Anhängerschaft ist ihr dafür sicher. Nun starb die Gruberová zum allerletzten Mal als Violetta, es geschah Dienstagabend im Wiener Musikverein, und Begeisterung und Beglückung kannten kaum Grenzen.

Gruberová hat weniger Karriere gemacht, als dass ihr Leben zu einem scheinbar immerwährenden vokalen Gesamtkunstwerk geworden ist. Legionen, Generationen von Musikberichterstattern haben sich hier beim Flechten verbaler Lorbeerkränze abgemüht: genug! Na gut, vielleicht zwei Sätze noch: Wieder spannte die Gruberová ein dramatisches Spektrum auf so weit wie das Sternenzelt, wieder bewegte sich ihr Sopran in diesem mit einer Agilität, Intensität, Variabilität und Souveränität, die Ihresgleichen sucht.

Und: In den schönsten, dramatischsten, zartesten, virtuosesten, unglaublichsten Momenten ihrer Violetta schien einem der Große Musikvereinssaal vor 140 Jahren einzig darum gebaut worden zu sein, um Stimmen wie dieser einen adäquaten Resonanzraum zur Verfügung zu stellen.

War noch was? Kaum. Paolo Gavanelli bildete als Giorgio Germont stimmlich ab, was ihm auf darstellerischem Gebiet verwehrt blieb: plattes, stumpfes, erdrückendes Bürgertum. Bühnenfilius und Gruberová-Landsmann Pavol Breslik kompensierte die beschränkte Durchschlagskraft seines grenzlyrischen Tenors mit Agilität und Emphase. Und Marco Armiliato führte das Münchner Opernorchester preußisch streng, energisch festgezurrt durch Verdis Trauerspiel um eine heiligengleiche Hure, die Traviata.

Kommt noch was? Aber natürlich: Bellinis La Straniera 2012. Schöner sterben für immer. (Stefan Ender / DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2010)

mbli
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23.12.2010, 09:21
konnte leider nicht dabei sein, aber e. gruberova ist einzigartig.

ihre stimme ist engelsgleich und unglaublich schön!

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23.12.2010, 21:19

Geht mir leider auch so. Beim letzten Konzert im Theater an der Wien hat es sicher 20 Minuten lang Stehapplaus gegeben. Unglaublich, diese Frau!

@Stefan Ender: Schöner Artikel, berührend.

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