Vor allem jugendliche sind gefährdet, Dinge zu kaufen, die sie gar nicht brauchen
Wien - Die Kaufsucht ist jung und weiblich: Jugendliche sind in Österreich besonders gefährdet, ganz besonders junge Frauen, wie eine Untersuchung der Arbeiterkammer (AK) Wien zeigte. Fast jede Zweite der 14- bis 24-Jährigen (52,7 Prozent) ist gefährdet, 15,1 Prozent davon sogar stark. Bei den Burschen sind die Zahlen ebenfalls sehr hoch: 40,4 Prozent sind kaufsuchtgefährdet, davon fünf Prozent stark. Kaufsucht bezeichnet den Zwang, nicht benötigte Artikel zu kaufen. Wird der Betroffene dabei gehindert, entwickelt er oft Entzugserscheinungen wie Herzrasen, Schweißausbrüche oder innere Unruhe und Nervosität.
"Jugendliche haben ein anderes Anerkennungsmodell", sagte AK-Konsumforscher Karl Kollmann bei der Präsentation der Erhebung. "Hinzu kommt die Tatsache, dass bereits 50 Prozent der Sechs- bis 14-Jährigen ein eigenes TV-Gerät in ihrem Zimmer haben", so Kollmann. Durch das Fernsehen würden medial Konsuminhalte und Schönheitsideale vermittelt.
Der Kick beim Kauf
Frauen sind in allen Altersgruppen weitaus stärker gefährdet als Männer, vor allem Single-Frauen unter 30 Jahren. Auch jene, deren Einkommen unter 1.500 Euro ist, sind einer größeren Gefahr ausgesetzt. "Kaufsuchtgefährdete kaufen Dinge, die sie gar nicht brauchen. Zu Hause landen sie dann mit dem Preisschild im Kasten - es geht nur um den Kick beim Kaufen", sagte Kollmann. "Der Prozentsatz ist immer noch erschreckend hoch." Menschen mit höherem politischen Interesse, Menschen, die in Partnerschaften leben und Menschen, die nicht über das Internet einkaufen, würden der Kaufsucht weniger verfallen.
In Österreich mehr als jeder Vierte (27 Prozent) kaufsuchtgefährdet. Das ist im Gegensatz zum Vorjahr eine leichte Verbesserung (2009: 30 Prozent). 19 Prozent sind deutlich gefährdet (2009: 20 Prozent) und acht Prozent kaufsüchtig (2009: zehn Prozent). Kaufsüchtige sind oft nicht nur stark verschuldet, sondern leiden auch sehr häufig unter Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen.
Die AK Wien forderte den Schutz von Betroffenen, vor allem der Jugendlichen: Mit der Verbraucherbildung als eigenes Unterrichtsfach in Schulen soll Abhilfe geschaffen werden. "Man muss den Jungen klar machen, was es heißt, auf Pump einzukaufen", sagte Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenpolitik der AK. Exzessives Shopping falle nicht auf, weil man damit sozial anerkannt sei. Zgubic forderte auch mehr Unterstützung durch Therapien etwa wie beim Anton Proksch Institut sowie Hilfe bei Überschuldung. (APA/red)