Ich bin in erster Linie Ökonom", sagt Alassane Dramane Ouattara -
kurz
Ado - oft. Er meint damit, dass er auch als Präsident seines Landes
gern wie ein Wirtschaftswissenschafter agieren würde.
Die Betonung liegt auf "würde". Denn obwohl der Mann Anfang Dezember
zum
Staatschef von Côte d'Ivoire gewählt wurde, kann er sein Amt nicht
antreten, weil der bisherige Präsident Laurent Gbagbo einfach nicht den
Platz räumt. Bisher hat auch der internationale Druck nicht geholfen.
Aber Ouattara hat gelernt, geduldig zu sein. Denn eigentlich wartt er
bereits seit 1993, als der damalige ivorische Präsident verschied, auf
den Präsidentenposten.
Ouattara, der 1942 in Dimbokro in der Mitte des Landes geboren wurde,
ging in Burkina Faso zur Schule. Er studierte in den USA, an der
Universität Pennsylvania, Wirtschaft und arbeitete ab 1968 für den
Internationalen Währungsfonds (IWF). 1983 wurde er Vizegouverneur der
Zentralbank der Westafrikanischen Staaten, später stieg er sogar bis zum
Vizedirektor des IWF auf. Und immer wieder lockte ihn die Politik.
In seiner Zeit als Premierminister von 1990 bis 1993 verschaffte er
sich
große Anerkennung, weil er die Finanzkrise seines Landes, die durch den
Zusammenbruch des Kakao- und Kaffeepreises ausgelöst worden war, wieder
in den Griff bekam.
Ouattara machte 2002 wieder einen Anlauf, Präsident zu werden. Doch
seine Gegner verweigerten ihm die Zulassung zur Kandidatur, indem sie
ihm die ivorische Identität absprachen und ihn als Burkiner auswiesen.
2002 kam es zu einem einjährigen Bürgerkrieg, der das Land letztlich in
zwei Teile gespalten hinterließ. Der islamisch geprägte Norden ist bis
heute in Rebellenhand.
2005 wurde Ouattara auf Druck der südafrikanischen Mediatoren doch zu
den Wahlen zugelassen, aber der Urnengang wurde sechsmal bis zum
heurigen Jahr verschoben.
Bei der Stichwahl bekam Ouattara nun 54 Prozent der Stimmen. Doch
Gbagbo
warf ihm Wahlfälschung vor und reklamierte das Amt weiterhin für sich.
Nun setzt der Mann mit dem leicht schelmischen Blick, der gerne
Baseballkappen trägt, auf die Unterstützung der internationalen
Gemeinschaft, um vom Hotel doch noch in den Präsidentensitz ziehen zu
können. Der Vater zweier Kinder spricht ein gewähltes Französisch, macht
kein Hehl aus seiner Bewunderung für die französische Kultur und ist mit
einer Französin verheiratet. (Adelheid Wölfl, STANDARD-Printausgabe, 22.12.2010)