Alassane Ouattara - Der Präsident, der seinen Job nicht machen kann

Adelheid Wölfl, 21. Dezember 2010, 18:52
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    foto: rebecca blackwell/ap/dapd

    Alassane Ouattara ist der gewählte Staatschef von Côte d'Ivoire.

Ich bin in erster Linie Ökonom", sagt Alassane Dramane Ouattara - kurz Ado - oft. Er meint damit, dass er auch als Präsident seines Landes gern wie ein Wirtschaftswissenschafter agieren würde.

Die Betonung liegt auf "würde". Denn obwohl der Mann Anfang Dezember zum Staatschef von Côte d'Ivoire gewählt wurde, kann er sein Amt nicht antreten, weil der bisherige Präsident Laurent Gbagbo einfach nicht den Platz räumt. Bisher hat auch der internationale Druck nicht geholfen. Aber Ouattara hat gelernt, geduldig zu sein. Denn eigentlich wartt er bereits seit 1993, als der damalige ivorische Präsident verschied, auf den Präsidentenposten.

Ouattara, der 1942 in Dimbokro in der Mitte des Landes geboren wurde, ging in Burkina Faso zur Schule. Er studierte in den USA, an der Universität Pennsylvania, Wirtschaft und arbeitete ab 1968 für den Internationalen Währungsfonds (IWF). 1983 wurde er Vizegouverneur der Zentralbank der Westafrikanischen Staaten, später stieg er sogar bis zum Vizedirektor des IWF auf. Und immer wieder lockte ihn die Politik.

In seiner Zeit als Premierminister von 1990 bis 1993 verschaffte er sich große Anerkennung, weil er die Finanzkrise seines Landes, die durch den Zusammenbruch des Kakao- und Kaffeepreises ausgelöst worden war, wieder in den Griff bekam.

Ouattara machte 2002 wieder einen Anlauf, Präsident zu werden. Doch seine Gegner verweigerten ihm die Zulassung zur Kandidatur, indem sie ihm die ivorische Identität absprachen und ihn als Burkiner auswiesen. 2002 kam es zu einem einjährigen Bürgerkrieg, der das Land letztlich in zwei Teile gespalten hinterließ. Der islamisch geprägte Norden ist bis heute in Rebellenhand.

2005 wurde Ouattara auf Druck der südafrikanischen Mediatoren doch zu den Wahlen zugelassen, aber der Urnengang wurde sechsmal bis zum heurigen Jahr verschoben.

Bei der Stichwahl bekam Ouattara nun 54 Prozent der Stimmen. Doch Gbagbo warf ihm Wahlfälschung vor und reklamierte das Amt weiterhin für sich. Nun setzt der Mann mit dem leicht schelmischen Blick, der gerne Baseballkappen trägt, auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, um vom Hotel doch noch in den Präsidentensitz ziehen zu können. Der Vater zweier Kinder spricht ein gewähltes Französisch, macht kein Hehl aus seiner Bewunderung für die französische Kultur und ist mit einer Französin verheiratet. (Adelheid Wölfl, STANDARD-Printausgabe, 22.12.2010)

Kohlhaas1
00
Der Präsident, der als er schon mal an der Macht war, die Opposition einsperren liess.

Ich frage, warum genau DER von Frankreich und in dessen Kielwasser vom Westen favorisiert wird.

Malkaye
62
22.12.2010, 00:19
Lobeshymne auf einen Kontinentsverräter

wäre die passende kategorisierung dieses artikels.

IWF, premierminister unter Houphouet-Boigny, frankreichtreu - in alter "post"-kolonialer tradition.
-jetzt auch noch von frankreich militärisch unterstützt...

die ivorer, die den korrupten gbagbo stützen um dieses monster abzuwenden haben mein tiefes mitgefühl.

emma goldman
02

...das standard forum scheint ja entrüstet, obgleich keiner weiß was dort wirklich geschieht.
Ein paar österreicher die in der elfenbeinküste 2008 waren erzählten mir, dass die franzosen dort alles kontrollieren.

Malkaye
00
das war damals mit der entrüstung.

der kommentar ist schon etwas älter. aber ich habe hoffnung, dass einige den perspektivwechsel wagen.
bei den neueren artikeln - die nicht weniger propagandistisch sind- ist mein rot-grün verhältnis wesentlich besser ;)

p.s. dass Thomas Sankara über die marionette houpouet-boigny in der cote d'ivoire gestürzt wurde, ist auch ein guter indikator für den strategischen charakter dieser "ex-kolonie".

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