Pisa

Warum Deutschlands Schüler besser lesen

Lisa Aigner, 3. Jänner 2011, 10:22
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    foto: epa/jensen

    Bildungsstandards, Zentralmatura und eine längere Dauer des Kindergartenbesuchs haben die Leistungen deutscher Schüler erhöht.

Im Vergleich zu Österreich ist die Bildungslaufbahn länger und die Freude am Lernen größer

"Deutschland holt auf", so kommentierte das deutsche Unterrichtsministerium die Veröffentlichung der Pisa-Studie 2009. "Das Ergebnis ist niederschmetternd", sagte die österreichische Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) als Reaktion auf die Ergebnisse. Obwohl die beiden Schulsysteme vergleichbar sind (auch in Deutschland gibt es Hauptschulen und Gymnasien und nur wenige Gesamtschulen) und auch der Anteil der getesteten Migranten und Migrantinnen gleich hoch, schaffte es Deutschland sich vom "Pisa-Schock" im Jahr 2000 zu erholen. 

Deutschland hat im Lesen mit 497 Punkten den OECD-Durschnitt erreicht. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat sich Deutschland somit um 13 Punkte verbessert. Österreich hingegen hat beim Lesen nur 470 Punkte erreicht, im Jahr 2000 waren es noch 492 gewesen. Ähnlich sieht das Bild in Mathematik und Naturwissenschaften aus. Was macht Deutschland also besser als Österreich?

Mehr Zeit für systematisches Lernen

Eckhard Klieme hat gemeinsam mit seinem Team vom DIPF, dem Frankfurter Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, aus der Pisa-Studie einige Schlussfolgerungen gezogen. "Es gibt Indikatoren in den Daten von Pisa, dass mehr Lernzeit für systematisches Lernen aufgewendet wird", so Klieme. Beispielsweise würden Kinder inzwischen früher eingeschult als vor zehn Jahren, und die Unterrichtszeit für das Fach Deutsch habe sich etwas erhöht.

Längerer Bildungsweg

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Dauer des Kindergartenbesuchs in Deutschland zudem verlängert. Auch der Anteil an vorzeitigen Einschulungen hat sich mehr als verdoppelt. Jene Schüler und Schülerinnen die 2000 getestet wurden unterscheiden sich deshalb auch von jenen aus dem Jahr 2009. Sie sind im Durchschnitt etwa ein Monat älter. Deutschland hat auch bei den schulischen Rahmenbedingungen seit 2000 einiges geändert. So wurden etwa mehr standardisierte Testverfahren zur Qualitätssicherung eingeführt. "Qualitätssicherung wird in den Ländern sehr ernst genommen, die Zentralmatura gibt es fast in allen Bundesländern", stellt Klieme fest. Es gebe dadurch externe Normen und Standards, an denen sich alle Schulen messen können. Der positive Effekt auf die Leistungen komme dadurch zustande, dass der Unterricht auf diese Standards hin weiter entwickelt wird.

Bildungsstandards geben Hoffnung

Österreich kann also noch hoffen. Denn auch hier wurden in diesem Jahr das verpflichtende Kindergartenjahr für 5-Jährige, die Zentralmatura und Bildungsstandards eingeführt. Bis diese Maßnahmen sich auf die Pisa-Studie auswirken wird es allerdings noch dauern, denn die Kinder, die jetzt in den Kindergarten kommen, werden erst in zehn Jahren oder sogar noch später getestet.

Einstellung gegenüber Lernen ist in Deutschland positiver

Der Erfolg der Deutschen bei der Pisa-Studie liegt aber nicht nur an den Änderungen in der Bildungslaufbahn sondern daran, dass vor allem schlechte Schüler seltener geworden sind. „Die Einstellung gegenüber dem gesamten Unterricht und auch gegenüber dem Lesen hat sich positiv verändert", sagt Pisa-Leiter Klieme. Gerade hier kann Österreich nicht mithalten, die Leseunlust bei den Schüler und Schülerinnen nahm beträchtlich zu. 

Der Anteil sehr schwacher Leser hat sich in Deutschland beim Lesen halbiert. Der Anteil "Risikogruppe" (das sind jene, die nur Kompetenzstufe 1a oder weniger erreichen und Schwierigkeiten beim sinnerfassenden Lesen haben) in Deutschland liegt bei 18,5 Prozent, in Österreich bei 28 Prozent. Auch Zuwanderer nach Deutschland konnten ihre Leistungen um 26 Pisa-Punkte verbessern, während Österreichs Migranten 2009 acht Punkte weniger erreichten als noch 2000.

"Strukturfrage ist nicht entscheidend"

"In Österreich gibt es sehr gute Konzepte", glaubt Klieme. Er habe aber beobachtet, dass in der Bildungspolitik oft andere Dinge wie die Lehrerarbeitszeit oder die Neue Mittelschule parallel zur Diskussion um Bildungsstandards laufen. "Die Strukturfrage ist nicht entscheidend für die Leistungen", glaubt der Leiter der Pisa-Studie. Er sei froh, dass in Deutschland die Fragen, ob eine Gesamtschule flächendeckend eingeführt wird oder nicht, die Diskussionen rund um Pisa nicht beherrschte. "Zum Glück steht dadurch die Unterrichtsentwicklung im Vordergrund", so Klieme. (Lisa Aigner, derStandard.at, 3.1.2011)

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Cornwell
00
10.1.2011, 18:00

"In Österreich gibt es sehr gute Konzepte", glaubt Klieme. Er habe aber beobachtet, dass in der Bildungspolitik oft andere Dinge wie die Lehrerarbeitszeit oder die Neue Mittelschule parallel zur Diskussion um Bildungsstandards laufen. "Die Strukturfrage ist nicht entscheidend für die Leistungen", glaubt der Leiter der Pisa-Studie."

Er spricht etwas aus, dass jedem sofort einleuchten muss: die Strukturfrage ist wurscht, wichtig sind die Standards!

In den öst. Medien hört man aber immer nur, dass ALLE Bildungsexperten weltweit für eine, nur für eine Gesamtschule sind.
Ist Hr. Klieme etwa kein Bildungsexperte oder wird in den öst. Medien bewusst politische Stimmung gemacht?

Lutschfleck
00
10.1.2011, 11:07
Wenn die Kinder in Deutschland intelligenter sind, sollten unsere Geburten dort stattfinden.

Das Bildungsdesaster muß schon bei der Lehrerschaft als Baby angefangen haben.

Zu faul für wirkliche Leistung sollen die Eltern ihren Kindern Lesen und Schreiben beibringen.

Natürlich geht das, die Kurse im Web werden von der Schulbehörde, mit den begabtesten Vortragenden produziert und per Web in die Haushalte gebracht.

Wer nun anmerkt, nicht jeder hat Internet nervt, denn um das Geld das Nichtsnuzte in der Klasse kosten kann jeder Hochleistungs-Internet haben.

Elisabeth Jarok
04
weil Österreich kein intellektuelles Land ist

Die Intellektuellen wurden von den Nazis - vorher von den Austrafaschisten - vertrieben. Wer heute intellektuell ist, gilt oft als suspekt. Zu viel (hinter-)fragen, zu viel nachdenken, und zu viel lesen und damit zuviel wissen ist gar nicht erwünscht! Das kriegen auch die Kinder schon mit.

Im Gegenteil, Role-model Pröll - Ewig-Landeshauptmann und graue Eminenz der ÖVP, rühmte sich doch, seit Winnetou (?) kein Buch mehr gelesen zu haben.

Alpensaga_Wurzel
00
Ich frage mich,

warum ich heute mit 31 Jahren so ziemlich jeden russischen Wälzer gelesen habe, als Maturant hingegen nicht mal den Bahnwärter Thiel hinter mich bringen konnte...

Hachigatsu
12

Da müssen die Lehrer hald mal hart sein und mit den Kindern mehr Lesen! Ist jedoch heutet schwerer als früher. Wenn heute ein Kind in der Schule "NEIN" sagt, ist es auch so... Die Kids von heute lassen sich vom lehrer nicht mehr so viel sagen wie früher. Ein Freund von mir ist Hauptschullehrer, der erzählt oft unglaubliche sachen über seine Schüler. Tatsächlich hätte es sowas früher nicht gegeben. Heute gehörts zum alltag

Birgit Englitsch
 
10
10.1.2011, 10:41
Hm

Kann Ihr Alter nur vermuten, aber Ihre Groß/Kleinschreibung war auch vor der vorletzten Rechtschreibreform schon falsch.

Lutschfleck
00
10.1.2011, 11:14
Nicht aufregen - die Lehrerschaft schafft es nicht, die Sachen im Alltag auf die Reihe zu bringen.

sam duke
00
unsere schüler

können besser leise lesen.

Lutschfleck
00
10.1.2011, 11:14
Wie Kopfleise?

Thomas Haele
22
deutschlands schüler

lesen nicht besser.

Querulant1951
12
Thomas hat von den Politikern gelernt

einfach eine Behauptung in den Raum stellen, das genügt

1ager
 
11
QM

Zuerst bundesweite Bildungsstandards festlegen, dann flächendeckendes Qualitätsmanagement einführen. DARAUS ergibt sich alles andere...

Das Qualitätsmanagement beantwortet die Fragen nach Lehreraus- und -fortbildung, Lehrerarbeitszeit, Föderalismus, Klassenschülerhöchstzahl, Schulautonomie, Personalkompetenz etc.

Ob Gesamtschule oder Gymnasium oder was auch immer, ist höchstens eine Frage der Ideologie. Warum sollen in einer Hauptschule keine Bildungsstandards erreicht werden?

Ich verstehe nicht, warum das alles so schwierig sein soll. Es gab/gibt viel komplexere Aufgaben, die in anderen Organisationen bzw. Wirtschaftsunternehmen laufend bewältigt werden.

sam duke
02
bitte

kein qualitätsmanagement einführen.

kiter
00

ok, dann halt ein TQM (Total Quality Management) system. QM ist das um und auf in jeder Firma,Betrieb,etc. alles andere ist Rückschritt bzw. Stillstand...

Wolkengedanken
00
IHR AHNUNGSLOSEN

TQM gibt es seit vielen Jahren an den Schulen, 1000de Seiten Qualitätsberichte wurden geschrieben ...

Jürgen Rembremerding
01
"Zuerst bundesweite Bildungsstandards festlegen"

Warum sollte der Zentralismus per se besser sein?

Querulant1951
00
Bundesweit hört sich sooo weit an

tatsächlich sind wir aber ein kleines Land Herr Jürgen, wenn Sie jedoch Ihr Gehalt monatlich von einer Landesregierung überwiesen bekommen, verstehe ich Ihren Einwand.

Jürgen Rembremerding
00
15.1.2011, 18:14
Das war keine Antwort auf meine Frage.

StVO2
01
Bildungsstandards

WEn wir schon vor lauter Förderalismus schon 9 verschiedenen Bauordnungen haben, brauchen wird nicht auch noch 9 verschiedene Bildungsstandards und dazu größte Probleme bei Übertritten von einem Bundesland in ein anderes. Außerdem ergibt sich bei zentral vorgegbenen Bildungsstandards der Vorteil, dass sich ein Ranking der Schulen herausbilden kann, was sich auf Qualität der Schulen insgesamt nur positiv auswirken kann.

hanslblasta
01

wurden bei PISA-Test auch "freie Schulen" untersucht?

es wäre sehr interessant, ob und welche Unterschiede in den Lernergebnissen zwischen diesen beiden Schulkonzepten bestehen

Schnapphahn
00
@Standard

Wo und was genau ist das "deutsche Unterrichtsministerium"???

derStandard.at/Bildung
00
Unterrichtsministerium

Damit ist das Bundesministerum für Bildung und Forschung in Deutschland gemeint. Genauer bezieht sich die Aussage auf die folgende Pressaussendung: http://www.bmbf.de/de/899.php

Jürgen Rembremerding
01
"Unterrichtsministerium" ist irreführend, weil es den Eindruck erwähnt,

dieses Ministerium wäre für den Schulunterricht zuständig.

Das ist es nicht, da dieses Aufgabenfeld in Deutschland bekanntlich Ländersache ist. Das Bundesbildungsministerium koordiniert nicht einmal den Schulunterricht der Länder. Das machen die selber im Rahmen der Kultusministerkonferenz.

Jürgen Rembremerding
00
"Eindruck erweckt" war natürlich gemeint!

sam duke
13
ob die deutschen besser lesen können

kann ich nicht beurteilen. die meisten können aber entschieden schneller sprechen.

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