Viren-Experte: Mac ist nicht sicherer als Windows

6. Februar 2011, 17:44
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Nur die geringere Marktverbreitung schütze Apple-Rechner

Als ein Vorteil von Mac-Rechnern gegenüber Windows wird oft die Sicherheit der Plattform angeführt. Windows-Computer werden öfter von Viren und Malware heimgesucht als Apple-Rechner. Das ist zwar richtig, heißt jedoch nicht, dass Macs deshalb sicherer sind als Microsofts Betriebssystem, wie Sicherheitsexperte Andreas Marx im Interview mit heise erklärt.

60.000 Windows-Schädlinge pro Tag

Marx ist Chef der deutschen Sicherheitsfirma AV-Test, die im Auftrag von Unternehmen Virenschutz-Software testet. Zudem werden ungeschützte Rechner mit dem Internet verbunden, um zu sehen wie schnell sie von Viren befallen werden und welche neuen Schädlinge sich im Internet herumtreiben. Laut Marx wurden 2010 pro Tag bis zu 60.000 unterschiedliche Schädlinge für Windows-Rechner gezählt, während es für Mac, Linux und Handy-Betriebssystem durchschnittlich nur etwa 50 gewesen seien.

Auch Mac ist angreifbar

Das bedeute aber nicht, dass Macs sicherer seien und es deshalb weniger Viren dafür gebe. Apple-Rechner seien nur darum weniger bedroht, da Mac eine geringere Marktverbreitung hat als Windows und Viren-Schreiber wirtschaftlich orientiert sind. Die am weitesten verbreitete Plattform gilt als lukrativstes Ziel, und das ist Windows. "Versetzt man sich aber praktisch in die Lage der Schädlings-Programmierer, mag Mac OS X zwar ein attraktives Ziel sein, müsste aber auch die Programmierplattform werden", so Marx. Der Sicherheitsexperte glaubt dennoch, dass die Anzahl der Angriffe auf Mac zunehmen wird. Aktuelle Mac-Viren könnten als Testballons der Virenautoren gesehen werden, um auszuprobieren wie schnell sie Verbreitung finden. Marx: "Das beweist: Die Mac-Plattform ist angreifbar."

Virenscanner zahlt sich für Mac-User nicht aus

Die integrierte Datei-Quarantäne und Signaturen-Prüfung von Mac OS X hält Marx indes für "Augenauswischerei". Die Signaturen-Liste werde nicht regelmäßig aktualisiert und umfasse nur wenige Signaturen. "Jede Anti-Viren-Software schützt hier besser", sagt der Test-AV-Chef. Ein einfacher Virenscanner würde sich für Mac-User derzeit jedoch nicht auszahlen. Wenn, dann sollte die Software vor weiteren Bedrohungen schützen, wie etwa vor Phishing-Seiten oder Sites mit Abofallen. Dafür könnte man aber auch alternative DNS-Server etwa von Symantec nutzen. Das sei auch für schwächere Systeme empfehlenswert, da Virenschutz-Software oft viele Ressourcen benötige. Schadsoftware, die über E-Mail versendet wird, könne mit entsprechenden Services auch beim Provider ausgefiltert werden.

Apple reagiert zu langsam

Marx kritisiert, dass Apple Meldungen von Schwachstellen scheinbar nicht so ernst nehme. Microsoft reagiere prompt mit einer Antwort, bei Apple sei das nicht so selbstverständlich. Auf beiden Plattformen könne es aber sehr lange dauern, bis Patches veröffentlicht werden. Generell würden unter Windows Updates jedoch schneller veröffentlicht, wie auch in der aktuellen Ausgabe des c't festgehalten wird. Apple lasse sich mitunter sehr lange Zeit, bis Updates veröffentlicht werden. Das liege aber wohl weniger an mangelnden Kenntnissen bei den Entwicklern als an der Prioritäten-Setzung des Managements. (red)

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  • Mac OS X (Snow Leopard)

    Mac OS X (Snow Leopard)

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