Mikrobiologen wollen herausfinden, welche Bakterien der 5.300 Jahre alte Steinzeitmann in seinem Verdauungsorganen hatte
Stockholm/Innsbruck/Bozen - Der Eismann vom Similaungletscher in den Ötztaler Alpen wurde vor wenigen Wochen zum zweiten Mal seit seiner Entdeckung aufgetaut. Im Anschluss schnitten die beteiligten Wissenschafter "Ötzi" ein etwa zehn Zentimeter großes Loch in seinen Bauch. Hintergrund der Operation: Die Forscher wollen mit Hilfe der dabei entnommenen Gewebeproben ermitteln, welche Bakterien es vor
5.300 Jahren im Magen des Steinzeitmannes gab. An der Untersuchung beteiligt sind Mikrobiologen vom Karolinska
Institut und dem Seruminstitut in Stockholm.
Die Entdeckung der Gletschermumie aus der Jungsteinzeit war 1991 eine Weltsensation. "Vielleicht kann das, was wir bei
"Ötzi" sehen, unser Verständnis von Bakterien verbessern, die resistent gegen
Antibiotika sind", meint der schwedische Bakteriologe Lars Engstrand.
Gut erhaltene Gewebeflora
Engstrand und der deutsche Mediziner Peter Malfertheiner von der Universität
Magdeburg sowie ein französischer Kollege konnten bereits im November im Archäologischen
Museum von Bozen den Magen- und Darmtrakt der sonst stets eingefrorenen Leiche
untersuchen. Der Schwede entnahm 20 Gewebeproben, deren DNA jetzt in Stockholm
analysiert wird. Engstrand meinte zu ersten Ergebnissen, die DNA der
Bakterienflora sei so gut erhalten, dass man mit Hilfe moderner Technik ermitteln
könne, welche Bakterien "Ötzi" bei seinem Tod im Magen gehabt habe.
Gastoskopie misslungen
Als Ziel der Untersuchungen nannte der Schwede auch die Klärung der Frage, ob
der Mann aus der Jungsteinzeit möglicherweise auch Magengeschwüre gehabt habe.
Engstrand berichtete, dass er bei der Untersuchung der Mumie zunächst mit seinen
beiden Kollegen versucht hatte, per Gastroskopie das
Mageninnere zu untersuchen. Aber die Speiseröhre sei für die Sonde zu eng
gewesen.
"Stattdessen schnitten wir eine zehn Zentimeter großes Loch in seinen Bauch
und holten Reste von dem Essen heraus, das er zu sich genommen hatte." Über
seine Gefühle dabei sagte Engstrand: "Es war unglaublich faszinierend. Man
empfindet Demut, wenn man jemanden untersucht, der seit 5.300 Jahren tot ist." Die
Ergebnisse der Stockholmer Analysen sollen im März veröffentlicht werden. (red/APA/dpa)