Aufgeblättert

Frauen essen anders, Männer auch

Eva Tinsobin, 3. Jänner 2011, 10:43

Sind Frauen wirklich süchtig nach Schokolade und Männer nach blutigen Steaks? Ein Einblick in aktuelle Gender-Aspekte der Ernährung

Männer verschlingen Fleischberge und Alkohol, Frauen knabbern Rohkost und Naschereien - soweit die Klischees. Beim kulinarischen Blick in die Vergangenheit finden sich Entsprechungen, bogen sich doch einst die Tische der ausschließlich männlich besetzten ritterlichen Tafelrunden von üppigem Braten und Wein. Fleisch gilt von jeher als Symbol für Stärke, Macht und Kraft. Königinnen und Hofdamen ließen sich lieber mit allerlei Süßigkeiten und Schleckereien verführen.

Die Macht der Klischees

Zeigt uns die Geschichte, dass Vorlieben beim Essen durch das Geschlecht festgelegt werden? Liegen die Wurzeln von Esstypologien in den X- und Y-Chromosomen? Diese und andere Fragen diskutierte eine interdisziplinäre ExpertInnenrunde bei einer Tagung des Verbandes der ErnährungswissenschafterInnen Österreichs (VEÖ) Mitte November in Wien.

Den Geschlechterrollenerwartungen entsprechend, gilt nach der westlich geprägten kulinarischen Taxonomie, dass Obst und Gemüse "schwache Nahrung" sind und darum dem weiblichen Prinzip zur Seite gestellt werden, Fleisch und Alkohol als "starke Nahrung" entsprechen dagegen dem männlichen Prinzip. "Der der via Esssitten ausgetragene Kampf der Symbole sagt uns wahrscheinlich tatsächlich mehr über den Zustand unserer Gesellschaft, als man im ersten Moment zu glauben geneigt ist", erklärt Elisabeth Meyer-Renschhausen vom Institut für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Und weiter: "Die Frage nach den Klischees kann uns möglicherweise helfen, unsere heutigen Konsumformen bis hin zum Kampf zwischen "gutbürgerlichen" versus "vegetarischen" oder gar jugendlich-veganen Lebensformen etwas besser zu verstehen."

Frauen essen anders, Männer auch

"Doing Gender" lautet die Devise oft schon in Kindheitstagen - auch beim Essen. Das bedeutet: Geschlecht stellt weniger dar, was ein Mensch ist, sondern was ein Mensch tut. So werden kleine Mädchen dazu angehalten, nicht zu viel zu essen, während Buben ordentlich zugreifen dürfen, "damit sie groß und stark werden".

"Die Beschreibung körperlicher Anatomie ist nicht die Anatomie selbst, sondern schon deren kulturelle Interpretation, was erst recht gilt, wenn daraus Folgerungen für soziale Phänomene abgeleitet werden", betont Jana Rückert-John, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Gender und Ernährung an der Universität Hohenheim. "Essen macht Geschlecht, denn mittels Essen werden Geschlechterrollen zum Ausdruck gebracht." So widmen sich Mädchen und Frauen häufig Diäten und erkranken in Folge auch häufiger an Anorexia nervosa als Männer. Von Übergewicht sind Männer ebenso betroffen wie Frauen, leiden aber weniger unter dem Zuviel auf der Waage.

Frauen am Herd

"Frauen tätigen bis zu 90 Prozent aller Haushaltseinkäufe und verbringen im täglichen Durchschnitt nach wie vor etwas mehr als eine Stunde mit Verköstigungstätigkeiten - also dreimal soviel Zeit wie Männer mit 22 Minuten", weiß Erika Lasser-Ginstl von Xundessen Wien. Und das, obwohl sich junge Frauen heute eher für die Karriere als für Kind und Küche entscheiden und das Aufbrechen der Geschlechterrollen nicht erst in den 1968igern von statten ging.

Bereits während des Zweiten Weltkrieges arbeiteten österreichische und deutsche Frauen in Fabriken und am Bau. Gleichzeitig waren sie jedoch für das Funktionieren aller haushalterischen Tätigkeiten zuständig. In den 68igern wurde es "in", dass auch Männer sich mehr und mehr um Pflege, Erziehung und Versorgung ihrer Kinder annahmen und sich immer häufiger in der Küche einzubringen begannen - "meist jedoch nach dem Lustprinzip", betont Lasser-Ginstl.

Auswärts essen

Was Mädchen und Buben bevorzugt essen, bestimmt nicht nur das Elternhaus, darüber hinaus finden unbewusste Geschlechterzuweisungen beim Essen unterwegs statt. Die Angebote in Restaurants, Imbissbuden oder am Schulbuffet treffen eher den männlichen Geschmack. Wurstsemmel und Eistee sind hier die Renner, weil sie an jedem Buffet prominent platziert werden. Rosemarie Zehetgruber von gutessen consulting, Wien: "Wir essen nicht, was uns schmeckt. Es verhält sich genau umgekehrt: Uns schmeckt, was wir oft essen. Gewohnheit prägt die Geschmacksvorlieben."

In einer Befragung von Jugendlichen kristallisierte sich heraus, was als typisch weiblicher und männlicher Essstil gilt: Fleischgerichte, insbesondere Rindfleisch oder Kebab, sprechen verstärkt Burschen an und dominieren die Speisekarten. Mädchen bevorzugen Geflügel, Ethnofood, Gemüse und Vegetarisches, Tofu, Vollkorn, Lightprodukte und Joghurt. Gerichte, die am Menüplan vergleichsweise seltener zur Auswahl stehen. Süßigkeiten, Eier, Pizza, Mineralwasser, Nudeln und Mehlspeisen werden dagegen als unisex betrachtet und häufig angeboten.

"Doing Gender"...

Gekocht wird auch heute bevorzugt nach den Bedürfnissen der Männer. Laut aktueller Studien kommen Fleischgerichte in Familien mit Mann öfter auf den Tisch, während weibliche Singles Gemüse und Getreidegerichten bevorzugen. Hier spiegeln sich gesellschaftliche, soziale und kulturelle Zuweisungen im Zusammenhang mit dem Geschlecht wider, lautet der Tenor der VEÖ-ExpertInnen: "Es sind wohl weniger die biologischen oder genetischen Voraussetzungen, die die Vorlieben bei Essen und Trinken prägen". Bereits Simone de Beauvoir wusste, dass eine Frau nicht als Frau zur Welt kommt, sondern dazu gemacht wird und das gilt auch in kulinarischer Hinsicht.

... oder Gene?

Dagegen ermittelte das Forscherteam des Laboratorio di Elettrofisiologia Cognitiva der Universität Milano, dass Frauen anhand ihrer Erbanlagen bei sozial relevanten Vorgängen einfühlsamer seien als Männer. Es falle ihnen leichter, anderen Personen ihre Emotionen mitzuteilen und nichtverbale Gefühlsäußerungen anderer zu interpretieren. Durch die eindeutige empathische Präferenz der weiblichen Testpersonen auf biologisch relevante Ereignisse, könne auf folgendes geschlossen werden: Diese erhöhte Aufmerksamkeit sei auf die Rolle der Frau als Ernährerin und Erzieherin zurückzuführen und werde durch das Aufziehen von Kindern geschärft und optimiert.

Wie auch immer - je nachdem, innerhalb welcher Sozialstruktur eine Frau lebt, erlebt sie die ihr zugedachte Rolle. "Nachdem vor allem Frauen gelernt haben, in erster Linie die Bedürfnisse anderer Menschen zu befriedigen, braucht es viel Geduld und Verständnis ihnen neue Wege im Erkennen der eigenen Wichtigkeit zu zeigen", plädieren Eva Trettler vom FEM Süd und Romeo Bissuti vom Männergesundheitszentrum Wien.

Essen, das Frauen und Männer glücklich macht

"Männer und Frauen essen anders. X- und Y-Chromosomen spielen dabei aber die geringste Rolle", lautet das Fazit der Diskussionsrunde. Der VEÖ ruft Frauen und Männer, GastronomInnen und VerpflegungsanbieterInnen dazu auf, nicht nur um Geschlechterrollen zu brechen, sondern gerade um sie ausgewogen zu bedienen und sich über neue kulinarische Ideen zu trauen. (derStandard.at/03.01.2011)

Der Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs (VEÖ) agiert als gemeinnütziger Verein und setzt sich für wissenschaftlich fundierte Informationsvermittlung rund um das Thema Ernährung ein.

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Chri Marima
10
22.1.2011, 21:11
Ernährungsumfrage

Ich möchte Sie bitten an dieser kurzen Umfrage zum Thema Ernährung (im Rahmen einer universitären Lehrveranstaltung) teilzunehmen:

http://www.voycer.de/umfrage.h... ?sid=25531

Vielen Dank und freundliche Grüße! :-)

(13-1)te fee
01
18.1.2011, 10:21
seit 25 jahren ernähren also mein mann und ich mich diametral falsch

ER nimmt weibliche Nahrungsmittel zu sich und ist sportlich und pumperlgsund und ich nehme männliche Nahrungsmittel zu mir, bin sportlich und pumperlgsund

und wir essen das, was uns schmeckt und in den mengen, die wir wollen

und ehrlich gesagt - lieber 75 jahre lang glücklich und ungesund essen, als 76 jahre sich kasteien und dafür gesund mit den zähnen knirschen

Got Your Noes!
00
14.1.2011, 22:15

weiters konnte ich es schon überprüfen: anatomisch gestalten sich männer und frauen sehr wohl anders, innen wie außen. da hat weder die tapetenfarbe im kinderzimmer noch die wurstsemmel etwas mitzureden ob da eine gebärmutter oder ein scrotum heranwächst.

Got Your Noes!
00
14.1.2011, 22:12

da steht meine erfahrung ein bisserl stark dagegen aber, bitte.
ich vermut mal, da hat wieder jemand krampfhaft ein genderthema gesucht und gefunden...

lona misa
00
12.1.2011, 10:19
Frauen essen anders, Männer auch

irgendwie scheint da jemand über seine eigenen gedanken gestolpert zu sein ;-)

vanilleeis
02

frauen greifen eher zu joghurt, vollkorn, lightprodukten und rohkost, weil sie glauben, sich dadurch gesünder und somit besser zu ernähren, außerdem soll ja die figur schlank und rank bleiben bzw werden. die (werbe)-industrie gaukelt uns ja tagtäglich vor, wie frau von heute auszusehen hat...während ein mann mit fettwanst gerne als (im positivem sinne) "stattlich" bezeichnet wird, wird dasselbe bei einer frau gesellschaftlich bei weitem nicht so akzeptiert.

lona misa
01
12.1.2011, 10:23
mann mit bauch wird heute

auch nicht mehr als stattlich bezeichnet. zumindest nicht bei den unter 55-jährigen...

mann steht heute unter einem ähnlichen druck wie frau "schön" auszusehen, schau' einfach mal was für männer in tv und werbung auftauchen - muskulös vom scheitel bis zur sohle...

Ramba-zamba
00
10.1.2011, 10:40

naja.. vorallem bei der jugend ist da denke ich schon ein wandel, und wenn man beim bier trinken über seinen bier bauch jammert hat das heute ja fast schon stil ;)

Able Danger
12
Was für ein Quatsch

Fassen wir also zusammen: Ein Mensch wird quasi als Neutrum geboren und das Geschlecht bildet sich nur aufgrund der verschiedenen Ernährung, Spielzeug usw. heraus. Für die Ernährung ist überwiegend die Mutter verantwortlich. Warum zum Teufel kochen die Mütter ihren Söhnen dann "Männer"-Essen? Sie haben es doch in der Hand, dass ihr Nachwuchs ordentlich "gegendert" wird?

Mynnia
00
14.1.2011, 17:02

Weil sie's nicht besser wissen.

Laran Wish
01
Was mich eher nervt

ist, dass es in fast allen Restaurants einheitliche Portionsgrößen gibt.

Ich kann meistens nicht mehr als 2/3 davon essen, muß den Rest aber trotzdem zahlen.

Es ist doch absolut widersinnig, allen Leuten das gleiche vorzusetzen - es sollte eine große und eine kleine Portion zur Auswahl geben!

06.01.2011
00

Ich werde immer schief angeschaut, wenn ich eine Kinderportion bestelle und einen extra Salat dazu.

politisch verfolgt
32
was für

ein fe.mini.stischer quatsch.

Mynnia
00
14.1.2011, 17:03

Wie stichhaltig, ich fühle mich gleich überzeugt.

Wo gings in dem Artikel doch gleich um Frauenrechte?

Birgit 68
00
12.1.2011, 13:53
?

Welche Frau (von wegen feministisch) ist es wichtig, dass der Mann mehr Fleisch ist als sie, oder weniger Schokolade? ist das nicht egal?

Keke88
02
Mann oder Weib ?

was solls?
Ich esse gerne Sauerkraut und tanze gerne Polka.
Und saufe bis es mich niederhaut und Eldeltraud machts wie ich.

johann potakowskyj
 
02
Ich werd jetzt um Förderung einreichen

um zu erforschen, warum Frauen auf Austern und Champagner so abfahren, und mir diese Spezialitäten so wurscht sind.

Got Your Noes!
00
14.1.2011, 22:19

und bitte gleich miterforschen warum ich immer ein bier bestell und die damen am tisch kübelweis den weißen spritzer einfließen lassen. mir ist nicht klar wie man den spritzer dem bier vorziehen kann...

A Voice
01
Forschen Sie ruhig

aber 100% sind's schon mal sicher nicht (bei den Austern)

Königin Katzi-Bambi-Mausi
04

ich glaube, dass die soziale Schicht auch eine Rolle spielt, was man isst.

der schnucklige sven
 
02
Essen, das Frauen und Männer glücklich macht

... seien wir glücklich, dass wir es uns hierzulande aussuchen können, was und wie viel wir davon essen. ob ein gericht "männlich" oder "weiblich" ist juckt mich kaum. ich bin sogar so verwegen zu glauben, dass ich mit dieser ansicht gar nicht so allein bin ;)

Got Your Noes!
00
14.1.2011, 22:20

was soll ich sagen, ich knusper grade ölz blätterteig-brezerln mit zuckerguss. sehr "unmännlich", aber auch sehr köstlich!

knurrhoernchen
00
Du bist mit deiner Ansicht sicher nicht alleine

Verknüpfe das Wissen "Gender-Aspekte der Ernährung" mit "Gender Medizin", dann erkennst du vielleicht einen Sinn.

Pygar
 
00

Hauptsache nicht Halal!

stand_art1
00
"oder gar jugendlich-veganen Lebensformen"

wie soll man das interpretieren - veganismus ist eine jugendliche spinnerei, oder was? mitnichten.

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