Calipari war 2005 in Bagdad von US-Soldat erschossen worden - Regierung soll Aufklärungsarbeit verhindert haben
Rom - Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi gerät wegen den
von der Internetplattform Wikileaks enthüllten Berichten von US-Diplomaten
erneut in Verlegenheit. Aus einer von Wikileaks veröffentlichten Depesche des
Ex-US-Botschafters in Rom, Mel Sembler, geht hervor, dass ein Bericht der
Regierung Berlusconi über den Tod des 2005 im Irak erschossenen italienischen
Geheimagenten Nicola Calipari manipuliert worden sei, um weitere Ermittlungen
seitens der Justizbehörden und einer parlamentarischen Untersuchungskommission
in Italien zu verhindern.
Laut Anklage der italienischen Justiz hatte der US-Soldat Mario Lozano im
März 2005 in Bagdad Schüsse auf das Auto abgegeben, in dem Calipari die
italienische Journalistin Giuliana Sgrena nach deren Freilassung aus
einmonatiger Geiselhaft zum Flughafen begleitete. Die italienischen Ermittler
sehen die Ursache für Caliparis Tod im Fehlverhalten eines unerfahrenen und
überforderten US-Soldaten.
Soldat freigesprochen
Der US-Soldat hatte sein Verhalten stets damit gerechtfertigt, das Auto mit
Sgrena habe sich dem US-Kontrollpunkt zu schnell genähert. Er habe so gehandelt,
wie es jeder Soldat getan hätte, der nicht sterben wolle. Auch die US-Behörden
halten daran fest, dass Lozano sich den Vorschriften entsprechend verhalten
habe. Die US-Armee strengte eine eigene Untersuchung zu dem Fall an, die Lozano
von allen Vorwürfen freisprach.
Die Regierung Berlusconi wollte verhindern, dass der Fall Calipari die
bilateralen Beziehungen zu Washington beeinträchtige. Daher habe sich die
Regierung Berlusconi gegen Versuche seitens der parlamentarischen Kommissionen
gewehrt, die Ermittlungen über Caliparis Tod wieder zu öffnen, obwohl die
Opposition dies forderte, berichtete Sembler in seiner Depesche. In dem Bericht
der Regierung Berlusconi sei Caliparis Tod als Zufall dargestellt worden, um
Justizermittlungen zu vermeiden, berichtete Sembler.
Berlusconi unter Druck
Die Regierung von Ministerpräsident Berlusconi ist wegen der von Wikileaks
veröffentlichten Depeschen von US-Diplomaten über Italien arg unter Druck
geraten. In Berichten von US-Diplomaten wurde der italienische Regierungschef
wegen seines ausschweifenden Lebensstils kritisiert. In einem weiteren Dokument
wurde der Regierungschef als "physisch und politisch schwach" dargestellt. Seine
"Vorliebe für Partys" halte Berlusconi davon ab, genügend Erholung zu bekommen.
In den Berichten von US-Diplomaten wurde Berlusconi auch wegen seiner engen
und undurchsichtigen Beziehungen zum russischen Premierminister Wladimir Putin
kritisiert. Für einen Eklat sorgten Wikileaks-Enthüllungen, wonach Putin und
seine Familie lange Besuche in Berlusconis Sommerresidenz auf Sardinien auf
Kosten des italienischen Premierministers verbracht haben. Die oppositionelle
Demokratische Partei (PD) in Italien kritisierte, die Enthüllungen
demonstrierten das Ausmaß, in dem das Bild des Landes in der Welt durch
Berlusconi in Misskredit gebracht worden sei. (APA)