Naturnaher Rückbau – Rest erledigt die Donau

Martin Obermayr
20. Dezember 2010, 18:22
  • So sah das linke Donauufer bei Thurnhaufen nahe der Hainburger Brücke vor dem Rückbau aus.
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    foto: christian baumgartner

    So sah das linke Donauufer bei Thurnhaufen nahe der Hainburger Brücke vor dem Rückbau aus.

  • Durch das Wegnehmen der festen Uferverankerung im Jahr 2006 kann sich die Donau wieder ausbreiten, wodurch auch ein neuer Lebensraum entstand.
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    foto: christian baumgartner

    Durch das Wegnehmen der festen Uferverankerung im Jahr 2006 kann sich die Donau wieder ausbreiten, wodurch auch ein neuer Lebensraum entstand.

  • Der Bienenfresser zählt wie der Eisvogel zu den seltensten und schillerndsten Arten im Nationalpark. Beide Vogelgruppen sollen durch die Uferrückbauten profitieren.
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    foto: antonicek

    Der Bienenfresser zählt wie der Eisvogel zu den seltensten und schillerndsten Arten im Nationalpark. Beide Vogelgruppen sollen durch die Uferrückbauten profitieren.

  • Ein Ziel der Flussbaumaßnahmen ist auch die Anbindung an die Donau und dadurch die bessere Durchflutung von Seitenarmen. Im Bild: Das heutige Ergebnis eines Pilotprojekts bei Haslau, das bereits 1998 fertiggestellt wurde.
    foto: kovacs

    Ein Ziel der Flussbaumaßnahmen ist auch die Anbindung an die Donau und dadurch die bessere Durchflutung von Seitenarmen. Im Bild: Das heutige Ergebnis eines Pilotprojekts bei Haslau, das bereits 1998 fertiggestellt wurde.

  • Durch die Anbindung gleicht die Au bei Haslau wieder vermehrt ihrem ursprünglichen Zustand. "Denn die Au, die hier hingehört, ist eine wilde und dynamische Landschaft", erklärt Naturraum-Leiter Christian Baumgartner.
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    foto: christian baumgartner

    Durch die Anbindung gleicht die Au bei Haslau wieder vermehrt ihrem ursprünglichen Zustand. "Denn die Au, die hier hingehört, ist eine wilde und dynamische Landschaft", erklärt Naturraum-Leiter Christian Baumgartner.

  • Durch den kontinuierlich sinkenden Wasserspiegel der Donau treten bei Niederwasser immer wieder die Buhnen hervor. Das sind fest verankerte Gesteinswällen, die hier auf dem linken Donauufer zu sehen sind und früher in einem 90-Grad-Winkel zur Strömungsrichtung angelegt wurden.
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    foto: kovacs

    Durch den kontinuierlich sinkenden Wasserspiegel der Donau treten bei Niederwasser immer wieder die Buhnen hervor. Das sind fest verankerte Gesteinswällen, die hier auf dem linken Donauufer zu sehen sind und früher in einem 90-Grad-Winkel zur Strömungsrichtung angelegt wurden.

  • Bei den Umbauarbeiten werden die alten Buhnen abgetragen und stärker in Fließrichtung ausgerichtet.
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    foto: via donau

    Bei den Umbauarbeiten werden die alten Buhnen abgetragen und stärker in Fließrichtung ausgerichtet.

  • Für das Pilotprojekt bei Bad Deutsch-Altenburg soll dieses Ufer umgebaut werden. Dafür müssen rund 60 Hybridpappeln gefällt werden.
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    foto: christian baumgartner

    Für das Pilotprojekt bei Bad Deutsch-Altenburg soll dieses Ufer umgebaut werden. Dafür müssen rund 60 Hybridpappeln gefällt werden.

  • Um die Methode der Granulometrischen Sohlverbesserung (GSV) testen zu können, wurde auf der TU Wien ein eigener, 30 Meter langer Strömungskanal eingerichtet.
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    Um die Methode der Granulometrischen Sohlverbesserung (GSV) testen zu können, wurde auf der TU Wien ein eigener, 30 Meter langer Strömungskanal eingerichtet.

  • Diese drei Behälter zeigen, wie sich die GSV auf die Zusammensetzung der Donau-Sohle auswirken soll: Links ist der Ausgangszustand des Bodenmaterials zu sehen. In der Mitte wurde oben gröberer Kies zugegeben. Auf dem rechten Bild haben sich der originale und der zugefügte Kies miteinander vermischt.
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    foto: via donau

    Diese drei Behälter zeigen, wie sich die GSV auf die Zusammensetzung der Donau-Sohle auswirken soll: Links ist der Ausgangszustand des Bodenmaterials zu sehen. In der Mitte wurde oben gröberer Kies zugegeben. Auf dem rechten Bild haben sich der originale und der zugefügte Kies miteinander vermischt.

Die Donau-Auen östlich von Wien drohen zu vertrocknen: Von Seiten des Nationalparks wird Pilotprojekt nahe Hainburg unterstützt, das Weltpremiere darstellt

Christian Baumgartner, Bereichsleiter für Natur und Wissenschaft in der Nationalpark Donau-Auen GmbH, kennt sein Naturschutzgebiet wie die sprichwörtliche Westentasche und räumt mit einigen traditionellen Vorstellungen auf: "Das Bild der Donau-Auen stammt oft aus der romantisierenden Landschaftsmalerei: Es soll möglichst lieblich und schön sein - und genau diese Art von Natur soll dann auch geschützt werden. Aber die Au, die hier hingehört, ist eine wilde und dynamische Landschaft."

Das Gebiet habe im ursprünglichen Zustand eine hohe natürliche Umwandlungsrate. "Jeder Quadratmeter wechselt innerhalb von 100 Jahren zumindest einmal zwischen Land und Wasser. Die ältesten Bäume sind daher maximal so 100 Jahre alt", so der Nationalpark-Wissenschafter. Allerdings könnte den Donau-Auen in den nächsten 10 bis 15 Jahren das Wasser ausgehen.

Die Donau tieft sich ein

Das liegt daran, dass der Niederwasser-Spiegel der Donau im Schnitt zwischen 1 und 3,5 Zentimeter pro Jahr sinkt, wodurch die Augewässer großflächig trocken fallen und damit jene Wasserflächen verloren gehen, die für die Au überlebenswichtig sind. "Wenn die Seitenarme zu stark reguliert sind und keine Anbindung mehr an die Donau haben, geht irgendwann die Au komplett verloren. Denn jedes Hochwasser lagert Feinsedimente in der Flusslandschaft ab und nur stark durchströmte Seitenarme besitzen die Kraft, diese Ablagerungen auch wieder auszutragen", erklärt Baumgartner.

Besonders in dem knapp 50-Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen dem Kraftwerk Wien Freudenau und der slowakischen Grenze ist die Eintiefung der Donau stark bemerkbar. Wegen der stromauf gelegenen Kraftwerkskette und der zum Teil starken Flussregulierung wird mehr Kies flussabwärts geschwemmt, als nachkommt. Es werden zwar unmittelbar nach dem Kraftwerk Freudenau etwa 200.000 Kubikmeter Kies pro Jahr zugeführt - allerdings ist das zu wenig, wie eine Studie der Boku Wien ergeben hat (siehe Wissenschafts-Artikel: Die Donau tieft sich erheblich ein)

Uferrückbau zur Lebensraumgewinnung

Daher wurden in diesem Donau-Abschnitt in den vergangenen Jahren bereits einige Pilotprojekte zum Rückbau der hart verbauten Ufer durchgeführt. Dabei werden etwa die riesigen dunkelgrauen Steinblöcke entfernt, wodurch sich der Fluss wieder natürlicher ausbreiten kann und eine neue Ufervegetation entsteht, wie Baumgartner bildlich darstellt: "Die Donau soll die Ufergestaltung wieder selbst in die Hand nehmen. Das ist wichtig für Tierarten wie - ganz klassisch - den Eisvogel. An renaturierten Ufern gibt es auch Brutversuche mit Bienenfressern und die ganz seltene Art der Flussuferwolfsspinne ist hier zu finden."

Buhnen nicht mehr zeitgemäß

Neben der Beseitigung des sogenannten Blockwurfs werden zusätzlich auch die Buhnen umgebaut - das sind Gesteinswälle, die vom Ufer in die Donau hinein angelegt wurden, damit das Wasser bei geringen Abflussmengen in die Schifffahrtsrinne geleitet wird . Allerdings sind diese Querbauwerke an einen Wasserstand der Donau angepasst, der vor 20 bis 50 Jahren geherrscht hat. Heute ragen diese Regulierungsdämme bei Niederwasser aus der Donau heraus - was nicht unbedenklich ist: Sind die Buhnen noch dazu bewachsen, wird der Hochwasserabfluss beeinträchtigt.

Ebenfalls negativ auf die ökologische Qualität des Flusslaufes wirkt sich aus, dass die originalen Buhnen in einem Winkel von 90 Grad zur Fließrichtung angelegt sind. Bei einem Umbau werden diese Wälle abgetragen und stärker in Strömungsrichtung geneigt wieder neu angelegt. Auch die Gesamtzahl der Buhnen wird sich verringern: "Insgesamt wird auf etwa 1/3 der aufsummierten Buhnenlänge verzichtet", heißt es von Seiten der via donau, der Österreichischen Wasserstraßen Ges.m.b.H., welche für die Erhaltung und Gestaltung der Donau verantwortlich ist und diese Flussbaumaßnahmen finanziert.

Vorteile für Schifffahrt 

Dass durch die Anhebung des Donaupegels auch die Wasserstraße profitiert, gibt Dieter Pejrimovsky, der bei der via donau als Projektleiter für das Flussbauliche Gesamtprojekt Donau östlich von Wien (FGP) verantwortlich ist, offen zu: "Dadurch wird natürlich auch das Angebot für die Schifffahrt attraktiver. Langfristig soll die Auslastung der Schiffe von momentan 60 auf 80 Prozent gesteigert werden." Gerade im Gebiet östlich von Wien würden bei Niederwasser (besonders von Oktober bis März) oft unzureichende und stark schwankende Fahrwasserbedingungen herrschen.

Damit der Wasserspiegel der Donau tatsächlich steigt, sollen auf den fast 50 Kilometern von Wien bis zur Staatsgrenze verschiedenste Flussbaumaßnahmen vorgenommen werden, die unter dem Dachbegriff "FGP" zusammengefasst sind. Für dieses 200 Millionen Euro Projekt, das ab 2014 beginnen könnte und voraussichtlich zehn Jahre dauern wird, ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung der Länder Niederösterreich und Wien im Gange. 

Pilotprojekte als Tests für den großen Wurf

Als Vorbereitung auf dieses Langzeitverfahren wurden in den vergangenen Jahren bereits sechs Pilotprojekte entlang der Donau vollendet. So wurde etwa gegenüber von Hainburg beim Thurnhaufen 2006 genauso das Ufer rückgebaut wie drei Jahre später bei Witzelsdorf. Bei zweiterem wurden auch die Buhnen neugestaltet. "Wir können in diesem Abschnitten bereits sehr gut den ökologischen Effekt durch die Renaturierung der Ufer analysieren", so Baumgartner.

Das letzte Pilotprojekt ist bei Bad Deutsch-Altenburg geplant und hat im Sommer dieses Jahres bereits für einige Aufregung gesorgt (siehe Links am Ende des Artikels). Bei diesem Bauvorhaben auf einer Strecke von knapp drei Kilometern rund um die Hainburger Brücke ist auch jene transdanubische Uferseite betroffen, bei der eine hohe nostalgische Naturschutz-Note mitschwingt. Denn vor 26 Jahren war zu dieser Jahreszeit die Stopfenreuther Au von Menschen besetzt, die gegen ein Kraftwerk Hainburg protestierten und damit die Grünbewegung in Österreich so richtig in Fahrt brachten.

Pilotprojekt wird geprüft

Aktuell liegt das Pilot-Projekt Bad Deutsch-Altenburg für die ergänzende Beurteilung eines vorgesehenen Uferrückbaues bei der Bezirkshauptmannschaft Bruck/Leitha. "Die Expertise des Amtssachverständigen ist momentan noch im Gange - daher kann ich zu diesem laufenden Verfahren auch keine Stellungnahme abgeben", erklärt Bezirkshauptmannstellvertreterin Verena Sonnleitner, die für die Prüfung zuständig ist. "Aber wenn die Baumaßnahmen im Einklang mit dem Naturschutz stehen, alle Auflagen erfüllt und die geringstmöglichen Einwirkungen auf die Natur garantiert werden, können wir einen positiven Bescheid im Sinne des NÖ Naturschutzgesetzes ausstellen."

In das gleiche Horn stößt auch Stephan Pernkopf, niederösterreichischer Landesrat für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, auf Anfrage von derStandard: "Es wird bei diesem Projekt sicher nichts passieren, was gegen die Natur ist. Aber alles was Richtung Renaturierung geht, unterstütze ich. Wenn eine harte Uferverbauung weggenommen wird, kann kein Naturschützer etwas dagegen haben."

Dass dieser Eingriff in das Naturschutzgebiet eine äußerst sensible Angelegenheit darstellt, ist auch Projektleiter Pejrimovsky klar: "Wir wollen auch nur so viel umbauen, damit die Donau den Uferbereich selbst aktiv gestalten kann. Die Vorteile: Sie kann es besser und es ist billiger. Natürlich sieht man am Anfang vor allem die Baustelle, aber bereits nach dem ersten Hochwasser bildet die Donau selbst wieder das natürliche Ufer aus."

Bagger und Bäumefällen

Und genau hier setzen auch die Kritikpunkte der Projektgegner an, denn für die Beseitigung des Blockwurfs und den Buhnenumbau müssen am Ufergelände Bagger und Lastwägen eingesetzt werden. Daher müssen auch rund 60 Bäume gefällt werden, weil diese durch den Rückbau ihren Untergrund verlieren und auf die Baumaschinen fallen würden. "Allerdings handelt es sich dabei um sogenannte Hybridpappeln, die nicht zu den einheimischen Pflanzen des Nationalparks gehören, sondern eine forstwirtschaftliche Kreuzung aus einheimischer Schwarz- und Kanadischer Pappel sind", erklärt Naturraum-Leiter Baumgartner. Laut via donau habe man aber bereits die "gesamte Fläche, an der Bäume dauerhaft einem natürlichen Kiesufer oder neu geschaffener Gewässerfläche weichen müssen, an anderer Stelle wieder aufgeforstet."

Granulometrische Sohlverbesserung

Zusätzlich wird bei Bad Deutsch-Altenburg auch erstmals eine Methode eingesetzt, die Granulometrische Sohlverbesserung (GSV) heißt. Grob zusammengefasst geht es darum, dass Kies mit 40 bis 70 Millimeter Durchmesser in bestimmten Bereichen eingeschüttet wird. Dadurch soll sich die Sohleintiefung der Donau verringern.

Der Grund dafür: Der Median des Kies-Durchmessers liegt bei der Freudenau bei 29 Millimeter und bei Hainburg bei 26 Millimeter. Durch die Einschüttung von rund 100.000 Kubikmetern des etwas gröberen Kieses würde sich der mittlere Durchmesser in der Pilotstrecke auf rund 40 Millimeter erhöhen. Allerdings wurde eine Sohlstabilisierung durch GSV bisher noch nie an einem schiffbaren Fluss durchgeführt - weder in Österreich, noch in einem anderen Land. Erfahrung ähnlicher Einschüttungs-Maßnahmen gibt es bisher nur an kleinen Gebirgsbächen.

Testkanal auf der TU Wien

Daher wurde für das GSV-Projekt an der TU Wien ein eigener 30 Meter langer Strömungskanal eingerichtet, in dem das Verhalten der Donau und des Grobkieses nachgestellt werden konnte. "Von der Theorie und den Modellversuchen her sind wir uns sehr sicher, dass es funktioniert", so Dieter Pejrimovsky. "Es ist an der Zeit, die Granulometrie kleinräumig in einem Pilotprojekt zu testen." 

In Summe soll beim Flussbaulichen Gesamtprojekt durch die GSV und die Optimierung der Buhnen eine Anhebung des Niederwasser-Spiegels um 20 bis 30 Zentimeter erreicht werden. Weil dabei der Wasserspiegel stärker angehoben wird als die Flusssohle der Seichtstellen, profitiert auch die Schifffahrt davon. "Diese Anhebung ist ökologisch sehr vorteilhaft, weil wir in den letzten 25 Jahren 50 Zentimeter Wasserspiegel verloren haben. Und wenn der Naturschutz dabei etwas gewinnt, warum soll ich nicht auch der Schifffahrt eine Verbesserung gönnen?", fragt Naturraum-Leiter Baumgartner und fügt hinzu: "Man sollte bei dieser Diskussion nicht übersehen, dass die Maßnahmen auch dem allgemeinen Hochwasserschutz dienen, weil mehr Wasser in die Au gelangen kann. Und der natürliche Hochwasserschutz ist immer noch der ehrlichste." (Martin Obermayr, derStandard.at, 20.12.2010)

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Dieses Forum spiegelt das Problem wunderbar wider:

Experten stehen sich gegenüber, die sich an Ihren Standpunkten eingegraben haben, statt sachlicher Argumente nur mehr persönliche Untergriffe einsetzen, und Einige die auf dem Thema die KW Hainburg Diskussion aufleben lassen wollen.
Alles Schwachsinn.
Man müßte nochmals zurück an den Start gehen, und von unbelasteten externen Experten alle vorgebrachten Argumente neu prüfen lassen.
Ein "echtes" Mediationsverfahren, in dem alle Betroffenen zu Wort kommen, und dessen Ausgang wirklich offen ist.

ein sinnvolles Projekt!

Wägt man die Vor- und Nachteile des Flussbaulichen Gesamtprojektes gegeneinander ab, so zeigt sich ein klares Überwiegen der Vorteile sowohl die Natur, für die Wasserwirtschaft und für die Schifffahrt.

Es ist ein Kennzeichen für gute Projekte, dass der Nutzen nicht nur in einem engen Segment liegt, sondern breit aufgfächert gegeben ist.

Daran ändern auch die Wadlbeissereien nichts!

Kraftwerksbefürworter und -gegner

Im Forum teilt sich die Meinung großteils in Kraftwerksgegner und -befürworter. Eigentlich sollten die Gegner am gleichen Strang ziehen und sich wünschen das die Donau mit ihrer Au erhalten bleibt. Dies wäre jetzt mit diesem Projekt möglich, das wiederum von einigen boykotiert wird. Wollen wir nicht alle das gleiche? Um was geht es hier eigentlich? Verletzte Egos? Wäre Zusammenarbeit nicht besser, als dieser Kleinkrieg auf Kosten des Nationalparks und der Donau?

Es geht um die Weichenstellungen für die flussbauliche Ausgestaltung der Donau und die Begründung der jeweiligen Ziele die dann unter einen Hut gebracht werden sollen
Leider aber angesichts der Lage unvermeidlich ist es tatsächlich so, dass hier Umweltorganisationen und die Nationalparkleitung unterschiedliche Positionen einnehmen. Die Planungsgrundsätze des FGP waren und sind umstritten und die Nationalpark-Spitzen sind in ihrer nachhaltigen sprich absolut unveränderlichen Haltung dass die Planung exakt so das Nonplusultra darstellt päpstlicher als die via donau selber.

So kennt man Dich, jetzt kommt es langsam heraus: wenn Du keine Fakten vorweisen kannst, dann flüchtest Du Dich in allgemeine Verleumdungen.

Wagenburg

In der Verteidigung der so errichteten Wagenburg ist man allerdings bemerkenswert flexibel und so wird flugs ein nur dem Anspruch nach integriertes Vorhaben das im Kern nach wie vor vor allem ein Schifffahrtsprojekt ist zu einem reinen Rückbauprojekt und aus dem mit verschärfter Niedrigwassserregulierung angepeilten zusätzlichen Tiefen wird ein bloßer Nebeneffekt der im übrigen sehr moderaten Spiegelanhebung.

in dieser Indianer-Welt wirst Du weiterhin alleine spielen müssen

Wo läuft der Hauptkonflikt

Bei allem Respekt vor dem Forum, hier kommen bei jedem Thema das irgendwie mit Wasser, Flüssen zu tun hat Forderungen nach einem Kraftwerk Hainburg, das ist aber nicht wirklich maßgeblich für die Konfliktlinien in der Welt da draußen. Da gibt es zwar auch immer wieder politische Rufer sei es weil sie die Schande des seinerzeitigen Nichtdurchsetzens tilgen wollen oder vom Wasserkraft-Fieber erfasst sind, aber keine Kraftwerksplanungen. Die Donau wird keine durchgängige Kraftwerkskette mehr bekommen und von den Auseinandersetzungen um 7 umstrittene gingen 5 zugunsten des Erhalts der Fließstrecken aus. Da bricht bei mir nicht wirklich die Angst aus, die mich dazu nötigen würde, "jede Krot zu fressen".

So einfach ist die Sache aber leider nicht: denn diese Diskussionen um die Wasserkraftwerke werden immer wieder geführt werden und wenn jedesmal 2 von 7 realisiert werden können, dann bleibt irgendwann nicht viel übrig.

Deshalb sind für die zwischen Kraftwerken verblieben Fließstrecken nachhaltige Lösungen erforderlich.

Stop der Sohleintiefung

ist nicht davon abhängig, dass irgendeine neue Methode entwickelt und erprobt wird, mit der Normalgeschiebezugabe steht eine Maßnahme zur Verfügung die unter der Prämisse einer freien Fließstrecke die Sohleintiefung stoppen kann und dem Stand der Technik entspricht. Man braucht es nur endlich zu tun. Alle Eintiefungsursachen sind anthropogenen Ursprungs, die Austrian Hydro Power trägt ihre Verantwortung, die Via Donau nicht.
Ob und wie ich diese Maßnahme zu einem späteren Zeitpunkt weiter optimiere, durch andere ersetze, sowie die ganze bisher wenig aussagekräftige Nachhaltigkeitsdiskussion ist dann wieder ein eigenes Kapitel. Hindernis für Sofortmaßnahmen erwächst daraus keines.

Austrian Hydro Power ist die alte Bezeichnung.

Neu: Verbund Hydro Power.

getragene verantwortung?

Was voiceofVIRUS als Vorbild darstellt ("die AHP trägt ihre Verantwortung") ist in Wirklichkeit eine ganz üble Umweltzerstörung: das Material der Geschiebezugabe beim KW Freudenau stammt aus Sohlbaggerungen (!) in den stromauf gelegenen Stauwurzeln und insbesondere aus der Wachau.

Jeder herausgebaggerte Kieselstein verstärkt dort die Sohlerosion, weil ja auch in diese Flussabschnitte kein neues Geschiebe mehr eingetragen wird.
Die Wachau hat heute eine Sohlerosion von 1-2cm / Jahr, aber ihren Kies transportiert die AHP nach stromab um im Nationalpark die Sohlerosion ein wenig zu verringern.
Und Du findest das vorbildlich?

Grosse Kiesmengen sind nicht umweltverträglich zu gewinnen!

Die via donau drückt sich wie ihre Vorgängerinnen seit Jahrzehnten davor, Sofortmaßnahmen zu ergreifen und die Apologeten von der Spitze der Nationalparkverwaltung sorgen sich um die Entfernung von Anlandungen in den Stauwurzeln deutlich mehr als um die Donau in der Nationalparkstrecke.

Erwartbar: Koll. Baumgartners Killer-Argument. Dass die AHP in der Wachau baggert ist zwar eher in die Kategorie Gerücht einzureihen. Die ohnehin zu entfernenden Anlandungen aus Stauwurzeln zu verwenden wäre da im übrigen weniger verwerflich. Was zählt: Die Wasserrechtsbehörde hat die Geschiebezugabe vorgeschrieben und festgestellt dass der Materialbedarf auf Konsensdauer leicht zu decken ist. Dass das Material an einem bestimmten Ort oder gar speziell in der Wachau zu gewinnen ist, ist nicht vorgeschrieben. dementsprechend die direkte Verlinkung auch nicht gegeben.

voice of VIRUS = voiceof Wasserkraftlobby?

Ist Dir das nicht peinlich so ganz offen zur "voiceof Wasserkraftlobby" zu mutieren?
Das Geschiebe am unteren Ende der Wachau stammt natürlich aus der Wachau und es sollte auch dort bleiben.
Ebenso wie in den Stauwurzeln!

Denn diese Strecken bekommen kein neues Geschiebe nachgeliefert, jeder herausgebaggerte Kubikmeter ist unmittelbar wirksam für die Sohlabsenkung.

Du befürwortest Raubbaggerungen in den wenigen verblieben Fließstrecken!

So einfach ist die Sache leider nicht: 350.000m3 jährlich für Normalgeschiebebewirtschaftung zu baggern und nach erheblichem Transportweg zu verklappen ist keinesfalls umweltfreundlich. Wenn Du Dir die dafür beanspruchten Flächen auf der Flussohle ausrechnest, dann wirst Du bemerken, dass dieser Eingriff auf Dauer vielleicht schwerer wiegt, als eine gewisse Stabilisierung der besonders strömungsbeanspruchten Sohlbereiche.
Ganz abgesehen davon, dass die Normalgeschiebezugabe eine sehr starke Vereinheitlichung des Geschiebetransportvermögens im Längsverlauf erfordert, und die Folgen sind Buhnen, Buhnen, Buhnen und nochmals Buhnen. Siehe Rhein stromab Iffezheim.
So will ich Euch die Donau nicht zerstören lassen!

Diese Thesen sind ebensowenig nachvollziehbar wie die fixe Idee von den 350000m3 (was mich temporär auch nicht schrecken würde). Was natürlich stimmt ist dass auch eine Geschiebezugabe einen Eingriff darstellt. Die Passage "eine gewisse Stabilisierung der besonders strömungsbeanspruchten Sohlbereiche" ist allerdings sehr verniedlichend angesichts einer Belegung von 80 (bald darauf 100%) des Längsprofils

Diese "fixe Idee von den 350.000m3" beruht auf
1) Messungen der tatsächlichen Geschiebefracht bei Bad Deutsch-Altenburg
2) Langfristiger Vergleich der Geschiebebilanz des Gesamtgebietes (Geschiebezugabe, Veränderung der Sohllage, ...)
3) Veränderung der Wasserspiegellagen als Folge des Geschiebeaustrages

Da gibt es eine sehr gute Datenlage, völlig unabhängige Messungen unterschiedlicher Institutionen - und diese Daten passen gut zueinander und widerlegen Deine Fantasien.

Leider wurden von Dir noch nie irgendwelche Unterlagen vorgelgt, welche etwas anderes belegen. Von Dir kommen immer nur Behauptungen und zuletzt dann irgendwelche gehässigen Beschimpfungen.

Die Ursachen und die Intensität der Sohlerosion sind, auch wenn VoiceOfVirus das nicht wahrhaben will, ausreichend bekannt.
Die tatsächliche Geschiebezugabe von durchschnittlich 190.000m3 / Jahr beim Kraftwerk Freudenau genügt leider nicht, den gesamten Geschiebeaustrag zu kompensieren. Baggerungen haben früher sicher zur Sohlerosion beigetragen, allerdings wird seit 15 Jahren kein Geschiebe mehr aus der Donau entnommen - und die Sohlerosion ist trotzdem geblieben.
Vielleicht könnte VoiceOfVirus einfach bekanntgeben, was man ihrer geschätzen Ansicht nach gegen die Erosion tun sollte?
Bisher beschränken sich die Aussagen leider auf "das sagen wir nicht".

kein totaler Widerspruch

Ja, die Geschiebezugabe kompensiert nicht die ganze Eintiefung, sehr wohl aber den Einfluss der Staustufe Wien Freudenau, nachdem die Zuordnung Eintiefungsursache=Staustufe aber wie schon an anderer Stelle erwähnt "fix verdrahtet" ist stellts dann manche Zeitgenossen bei den entpsrechenden Überlegungen regelmäßig auf. Baggerungen tragen immer noch zur Sohlerosion bei, weil deren Effekt nicht allein dadurch kompensiert wird, das das Material das davon in der Klappschute landet an anderer Stelle wieder zugegeben wird. Die Geschiebebewirtschaftung hat sich in der Tat verbessert, aber nicht freiwillig sondern da musste jeder einzelne Schritt erkämpft werden. Die Baggerintensität hat hingegen in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen.

Natürlich sind euch die Ursachen bekannt, habt es ja auch schon oft genug gehört und gelesen. Dennoch hat eure Schwerpunktsetzung in der Kommunikation deutliche Schlagseite. Das betrifft den oben bereits zitierten Beitrag:
http://derstandard.at/127137721... eblich-ein
vor allem aber das Einreichprojekt, das trotz seines Volumens wesentliche Dinge ausgeklammert hat. Den Bereich der "ausreichend bekannten" Intensität habt ihr gerade selbst auf irre exakte 1-3,5 cm ausgeweitet und das macht einen Riesenunterschied.

Schluss mit grünen Tabus!

Der Bau eines Kraftwerks am Ende der Hainburger Au könnte einen großen Teil der Eintiefung verhindern. Das ist lange kein Geheimnis mehr. Auch könnte man die AU in regelmäßigen Abständen gesteuert überschwemmen, falls natürliche Hochwasserereignisse einmal länger ausbleiben sollten. Wäre auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Lernt man übrigens alles an der Uni in Konstruktiver Wasserbau, aber hoppala das sind ja die Bösen, die nur betonieren wollen. Da schütten wir doch lieber mit dem LKW Schotter in die Donau, das ist natürlich viel schlauer!

Und in hysterisch grüner Manier empört sich voiceofVIRUS hier über jedes Projekt. Ja wir kapieren es, jedes Projekt das die Natur berührt in ist schlecht und GRÜNE wissen es IMMER besser!!!

Ein Kraftwerk kann die Eintiefung stoppen (verschärft aber im Übrigen die Feinsedimentgefahr), aber um welchen Preis? Die Au braucht keine gesteuerten moderaten Überschwermmungen sondern das volle Spektrum unterschiedlicher Wasserstände (auch Niederwasser) mit entsprechender Amplitude und vor allem auch Pegelweg. Auf Strömung angewiesene Arten verschwinden ebenso, wie durch äußere Kolmation der Austausch zwischen Stauraum und Grundwasser herabgesetzt wird, mit Folgen für Quantität und Qualität der Trinkwasserversorgung

empört?

Also ich finde meinen Stil im Vergleich zu Ihrem ausgesprochen gelassen (keine Blockbuchstabenschreiereien, keine drei Rufzeichen), wer empört sich hier also und wo passt das Label hysterisch wohl besser? Wie ich dazu komme unter Grüne pauschalisiert zu werden kann ich leider ebensowenig nachvollziehen wie was denn mit "jedem Projekt" gemeint sein soll.

Was immer Ihr für unsere Donau tun wollt,damit Sie wieder Don"au" wird, TUT ES.

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