Schmeck's Best of Gekröse 2010: Die Erlebnisse des unerschrockenen Teams von Dilettanten und Mitessern, die schon lange keine Dilettanten mehr sind - und trotzdem hier schreiben
Schmecks-Jahresrückblick 2010, ein Versuch:
Go Schell, go well 2010*
- Bestes Schweinsohr 2010: Bar Borda Berri in San Sebastian. Die dortige Altstadt hat an Pinxos (Tapas) ja einiges zu bieten, aber diese von außen und innen sehr traditionelle (=kackbraune) Bar wurde offenbar vor nicht allzu langer Zeit von einer jungen Truppe übernommen, die mit Hingabe Fleischteile (vom Tier außen & innen) einköchelt. So hingebungsvoll, dass sie aufs Servieren kalter Pinxos verzichten, um sich ganz dem Bratensaft zu widmen.
- Furchterregendster Gruß aus der Küche 2010: Lebende Shrimps auf Eis, serviert im Noma. Was haben wir uns angestellt! Ein ausführlicherer Bericht mit den gewohnt genialen Bildern von Frau Schell wird sehnsüchtig erwartet. (fid)
- Bestes Grünzeug 2010: Gemüse ist das neue Fleisch, das ist ja offensichtlich ein Trend, den 2010 auch wir behirnt haben. Ausgezeichnetes Gemüse auf höchstem Niveau gibts (abgedreht) bei Noma in Kopenhagen (das ist jetzt nicht so originell); außerdem (etwas überladen hier und da) im Steirereck in Wien; und noch ein bis zwei Klassen besser als bei Herrn Reitbauer im Alkimia in Barcelona.
- Schönstes Besteck 2010: Kødbyens Fiskebaren in Kopenhagen. Nicht nur wegen der schönen Messer und Gabeln unbedingt einen Besuch wert. Abgedrehte Location, perfektes Seafood, geschmalzene Preise (wo nicht in København). Eine einsame Qualle im Aquarium. Und wir haben immer noch nicht gefragt, was das jetzt für ein Besteck war.
- Dekorativster Gruß aus der Küche 2010: Stellen sie uns im Celler de Can Roca (Girona) doch einfach einen Oliven-Bonsai vor die Nase. War aber keine Deko. Allerliebst behandelte Oliven warteten darauf, gepflückt zu werden (nicht lange).
- Bedenklichster Pfeffereinsatz 2010: Ach, was hatten wir uns auf den Abend bei Johanna Maier gefreut. Aber bei unserem Besuch im Sommer 2010 lag für die Meisterköchin Filzmoos offenbar dort, wo der Pfeffer wächst. Was sich jetzt sogar im Spar-Premium-Sortiment niederschlägt.
*) unter tatkräftigem Mitessertum von Herrn Grabenweger, der zudem mündlich für die Jahreswertung nominiert:
- Dickster Dreisternekoch aus den Erfahrungen 2010: Arzak.
Ich vermute, das war bewundernd gemeint. (fid)
Hlavickas Lieblinge 2010:
- Das gemüsigste Gemüse gab es in NYC bei Telepan, aber so was von gemüsig, diese Brotsuppe beinhaltete die erbsigsten Erbsen und die karottigsten Karotten.
- Das kräuterigste, erfrischendste Essen gab es im Nikolaihof mit den lieben Schmeckskollegen unter der lindigsten Linde.
- Das gemütlichste Weihnachtsessen war beim Grünauer. Lauter schöne Klassiker. Vor allem eine sehr feine Mohnpalatschinke.
- Das ungezwungenste Essen sommers im Badeschiff - Holymoly , die Zuzzel-Artischocke ist lustig und die Kutteln mit Oktopus klein aber sehr gut. In kühnen Träumen entführe ich das Badeschiff inklusive Herrn Petz Richtung Schwarzes Meer und lasse mir so richtig große Portionen zubereiten. Vielleicht würde er das ja sogar ohne Entführen machen, und man müsste einfach bloß fragen.
Hilbergs Plusminusliste:
- Der Bauer am Kutschkermarkt in 1180 Wien. Plus: Hervorragendes Gemüse, Rind- und Schweinefleisch sowie Produkte (Würste, Aufstriche, Grammeln) aus Niederösterreich. Minus: lange Schlangen vor dem und im Geschäft am Samstag.
- Gasthaus Kuglhof in Salzburg (Kugelhofstraße 13). Plus: ausgezeichnete regionale Küche, schöner Gastgarten, kinderfreundlich. Minus: Montag und Dienstag Ruhetag.
- Bar Halbestadt, Stadtbahnbogen 155 (zwischen den U6-Stationen Währinger Straße und Nußdorfer Straße), 1090 Wien. Plus: Seit mehr als 10 Jahren eine der besten Cocktailbars Wiens. Minus: Erich Wassicek ist ein derartiger Perfektionist, dass man mitunter Gefahr läuft, zu verdursten.
Und der Fidler? Ist maßlos wie üblich. Also, er...
- ...weint über eine versäumte, nicht gekostete Eselsbacke in Calliano. Die Finanziera war dafür sehr anständig. Demnächst in dieser kleinen, dreckigen Fresskolumne. Bleiben Sie dran. Nachzulesen 2011.
- ...träumt noch vom ausnahmsweisen Luxus eines Geburtstagsdinners im Novelli, gar mit vegetarischer Variante, und er schmunzelt gelegentlich, welche Preisvorstellungen Vegetarierinnen von Trüffeln haben.
- ...erinnert sich an Tee und Canapes mit Prachtaussicht im Reid's auf Madeira.
- ...bedient sich gerne selbst, wenn's so schön ist wie am Gleinkersee.
- ...nimmt gern auch Schwanz vom Ochsen, der ja offenbar ein Generalthema des Jahres 2010 war, wie man den zum Beispiel probieren kann, hier chinesisch, hier spanisch, und, hierorts demnächst nachzulesen, salzburgisch. Wenn man will.
- ...hält beim Essen die Luft an, wenn das Feuerwerk an den Tisch kommt und sonst sehr schön sous vide gekocht wird wie hier in Döbling.
- ...mag einfach, was Herr Hohensinn so anstellt mit dem Innenleben des Tieres.
- ...verlangsamt sich am liebsten neuerdings in Rudersdorf.
- ...sorgte sich um's Rebhuhn - mehr zur Stammwirtenkrise hier, zudem über eating John Malkovich. Bis User/in song Entwarnung gab. Bin nun beruhigt.
- ...rätselt noch immer, wie man Usertipps vernünftig in die Schmecks-Welt einbindet. Ein erster, wenngleich schlecht betreuter Versuch findet sich hier. Anregungen, wie's gescheiter geht, stets willkommen!
- ...und hätte beinahe die für ihn vermutlich überraschendste Freude des Jahres vergessen: das vegetarische Köstlich und vor allem sein nicht alleine, aber auch sehr charmantes Gegenüber, the hidden kitchen. Yeah.
Und wo war jetzt das Best of Gekröse? Auf dem Badeschiff zum Beispiel. hat aber Herr Hlavicka schon gelobt. Zu Recht. A propos - dort gab's gerade auch das nachhaltigste aallerbeste Schweinsohr 2010.
Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald
Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und
Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute,
die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen
Vergnügen. Was nicht immer gelingt.