XXXLutz drängt lästige Betriebsräte raus

20. Dezember 2010, 10:53
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Mit immensen Abfindungen soll das Möbelhaus in Deutschland unliebsame Arbeitnehmervertreter vergraulen wollen

Der Möbelhändler XXXLutz ist in Deutschland ins Visier der Gewerkschaften geraten. Laut einem Bericht auf www.derspiegel.de sollen unliebsame und dem Unternehmen lästige Arbeitnehmervertreter mit hohen Abfindungen zur Kündigung animiert worden sein.

Besonders rund um das Thema Arbeitszeiten soll es in einer bayrischen Filiale immer wieder Probleme gegeben haben. Nach der Übernahme der Möbelkette Hiendl durch XXXLutz im Jahr 2007 hätten sich laut dem Bericht Verstöße gegen Arbeitszeitregeln gehäuft. Sogar die Gewerbeaufsicht schaltete sich ein. Die gesetzlich festgelegte Höchstarbeitszeit von zehn Stunden sei in zahlreichen Fällen nicht eingehalten worden, ein Bußgeld wurde verhängt.

Betriebsräte der Filiale erzählen in diesem Zusammenhang von einem heftigen Disput in einer Betriebsversammlung, die sogar in der Androhung des Endes der Karrieren gipfelten. XXXLutz wollte die Abläufe rund um die Betriebsversammlung auf Anfrage nicht kommentieren. Schließlich habe der damalige Chef der Niederlassung kurz nach dem Eklat einem der Betriebsräte eine Abfindung in Höhe von 60.000 Euro angeboten, wenn er das Unternehmen sofort verlasse, schreibt derspiegel.de weiter.

Geld gegen Abgang

Der Betriebsrat blieb. Allerdings soll er nicht der einzige gewesen sein, dem immense Summen für den Abgang geboten worden seien. Einige hätten auch angenommen. Laut Dirk Nagel, Gewerkschaftssekretär von Ver.di, gebe es zahlreiche Fälle, "in denen der Konzern versucht hat, in seinen Filialen Betriebsräte mit Abfindungen herauszukaufen". Summen im sechsstelligen Euro-Bereich seien bezahlt worden.

Laut Nagel versuche das Unternehmen gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmervertreter loszuwerden, um im Endeffekt gar keinen Betriebsrat oder ein firmenfreundliches Gremium zu haben. Jenen, die die hohen Abfindungen nicht annehmen, drohten mitunter Schikanen, wie Lohnkürzungen durch die Verschiebung auf schlechter bezahlte Stellen. XXXLutz selbst äußerte sich laut spiegel.de auch zu diesen Vorwürfen nicht.

Das offizielle Statement des Möbelhändlers lautet lediglich: Die Ver.di-Vorwürfe seinen "größtenteils haltlos". Zu den konkreten Vorwürfen der Abfindungszahlungen gibt es keinem Kommentar. In einer Mitteilung heißt es lediglich: "So weisen wir insbesondere die Unterstellung von Ver.di zurück, dass Betriebsratswahlen durch sogenannte 'arbeitgeberfreundliche' Listen beeinflusst werden sollten." An keinen Standort habe sich ein Betriebsrat aufgelöst. Zudem habe der Konzern die Verstöße gegen Arbeitszeitrichtlinien "drastisch reduziert" heißt es weiter. Man stehe "in einem regelmäßigen und konstruktiven Dialog" mit den Betriebsräten. (rom, derStandard.at, 20.12.2010)

  • In Deutschland sind sich XXXLutz und die Gewerkschaft derzeit nicht grün: Angeblich versucht das Unternehmen, läsige Arbeitnehmervertreter rauszukaufen.
    foto: xxxlutz

    In Deutschland sind sich XXXLutz und die Gewerkschaft derzeit nicht grün: Angeblich versucht das Unternehmen, läsige Arbeitnehmervertreter rauszukaufen.

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